Das Rathaus in Blankenloch ist die Stutenseer Verwaltungszentrale. Dort wird absehbar ein neues Stadtoberhaupt seine Arbeit aufnehmen. | Foto: del

OB-Wahl in Stutensee

Drei Frauen und zwei Männer wollen auf den Chefsessel

 

Das Geheimnis ist gelüftet: Fünf Personen, drei Frauen und zwei Männer, wollen den ausgeschiedenen Oberbürgermeister Klaus Demal beerben und Stadtoberhaupt in Stutensee werden und treten bei der OB-Wahl am 8. Juli an. Der Wahlausschuss hat an diesem Montagabend nicht alle Bewerbungen zugelassen. Denn zuletzt hatte es aus dem Rathaus in Blankenloch noch geheißen, dass sich insgesamt sieben Bewerber als künftige Oberbürgermeister gemeldet hatten.

Zwei Ablehnungen

Zwei Personen – ein Mann und eine Frau – lehnte der Ausschuss jedoch für die Teilnahme an der OB-Wahl ab, weil ihre Unterlagen nicht vollständig waren. Zweimal fehlten nach Auskunft der Stadtverwaltung die Unterschriftenliste der Unterstützer für die Bewerbung, einmal war die erforderliche Eidesstattliche Erklärung nicht dabei.
Und so haben nun 19 322 Männer und Frauen in Stutensee (Stand Montag, 11. Juni), die ihre Stimme abgeben dürfen, die Möglichkeit, an fünf Stellen auf dem Stimmzettel ein Kreuzschen zu machen.
Und so sieht die Reihenfolge auf dem Wahlzettel zur OB-Wahl aus, den die Stadt Stutensee jetzt drucken lässt: Bettina Meier-Augenstein, Leiterin Projektmanagement aus Karlsruhe, Maria Schneller, Diplomingenieurin (BA) aus Stutensee, Martin Pötzschke, Vertriebsinnendienstleiter aus Karlsruhe, Sven Schiebel, selbstständiger Fotograf aus Stutensee sowie Petra Becker, Justiziarin aus Karlsruhe.

Formales Gremium

Der Wahlausschuss, den der Gemeinderat im Hinblick auf die OB-Wahl als formales Gremium für die Abwicklung und Prüfung der Wahl beschlossen hat, steht unter dem Vorsitz der Ersten Bürgermeisterin Sylvia Tröger, die diese Aufgabe nach dem Ausscheiden des bisherigen Oberbürgermeister Klaus Demal übernommen hat. Stellvertretender Vorsitzender des Gremiums ist Bürgermeister Edgar Geißler.Vier Beisitzer gehören dem Ausschuss an: Iris Schlimm, Edgar Herlan, Fritz Herling und Kathrin Weisser. Diese wiederum haben jeweils einen persönlichen Stellvertreter: Dirk Fetzner, Volker Heidt, Wolfgang Sickinger und Enrik Berkhan.

Bewerberrunden

In jedem Stadtteil soll nach dem Willen des Ausschusses die Möglichkeit geboten werden, dass sich die Bürgerinnen und Bürger ein Bild von den Kandidaten für die OB-Wahl machen können. Die Veranstaltungen beginnen immer um 19 Uhr.
Dienstag, 26. Juni, Festhalle in Blankenloch
Donnerstag, 28. Juni, Spechaa-Halle in Spöck
Montag, 2. Juli, Mehrzweckhalle in Staffort
Mittwoch, 4. Juli, Sängerhalle in Friedrichstal

Möglicher zweiter Wahltermin am 22. Juli

Die OB-Wahl in Stutensee findet am Sonntag, 8. Juli, statt. An diesem Tag sind – wie üblich von 8 bis 18 Uhr – die Wahllokale in Blankenloch, Büchig, Friedrichstal, Spöck und Staffort geöffnet. Wahlsieger ist an dem Sonntag derjenige (oder diejenige), die die absolute Mehrheit erreicht: 50 Prozent plus eine Stimme. Schafft das kein Bewerber, dann müssen die Stutenseer zwei Wochen später, am Sonntag, 22. Juli, erneut zum Wählen gehen. Danach ist der Kandidat oder die Kandidatin gewählt, die die meisten Stimmen auf sich vereinigt.

Grüne gehen mit Martin Pötzsche ins Rennen

Mit dem stellvertretenden Durlacher Ortsvorsteher Martin Pötzsche geht ein Grüner in das Rennen um das Amt des Stadtoberhaupts in Stutensee. Der Grünen-Stadtverband unterstütze die Kandidatur und freue sich auf einen kurzen und intensiven Wahlkampf. Besonders wichtig seien dem Mitglied im Verwaltungsrat des Badischen Konservatoriums eine lösungsorientierte und bürgernahe Politik sowie der Schutz der natürlichen Umwelt, teilen die Stutenseer Grünen mit.

Kein Politiker von der Stange

„Wir haben Martin Pötzsche als umsichtigen Menschen kennengelernt, dem stark am Gemeinwohl gelegen ist“, erklärt Ludwig Streib, Vorsitzender der Grünen Stutensee. Pötzsche lege Wert auf das gesellschaftliche Miteinander. Für ihn zähle die Stärke der Gemeinschaft. Pötzsche sei kein „Politiker von der Stange“, so der Vorsitzende der Grünen-Gemeinderatsfraktion, Lars Zinow.

Aus dem Ehrenamt

Wie viele andere Grüne komme Pötzsche aus dem Ehrenamt. Als junger Vater habe er sich im Elternbeirat engagiert und dann Schritt für Schritt mehr politische Verantwortung übernommen. Er sei zwar Parteimitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. Seine Schwerpunkte im Wahlkampf setze er sich aber selbst, denn bei erfolgreicher Wahl wolle er ein Oberbürgermeister für alle Stutenseerinnen und Stutenseer sein.

Freie Wähler unterstützen Petra Becker

Petra Becker ist die Bewerberin um den Stutenseer OB-Posten, die die Freien Wähler in der Stadt unterstützen wollen. Dies teilten Stadtverbandsvorsitzender Jens Richter und Fraktionsvorsitzender Klaus Mayer am Montagabend mit: „Wir sind überzeugt, dass in Petra Becker eine bestens qualifizierte Bewerberin zur Wahl steht.“ Wie man in der Stadt hört, will die SPD Petra Becker ebenfalls unterstützen.

Mehrere ernsthafte Gepräche

Die Freien Wähler haben ein Anforderungsprofil für einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufgestellt und mit „zahlreichen möglichen Bewerbern interessante Kontakte geknüpft und Gespräche geführt“, heißt es weiter. Mit mehreren möglichen Bewerbern sei es zu „ernsthaften Gesprächen“ gekommen, nach denen intern intensiv beraten worden sei. Für die Zukunft der Stadt sei es wichtig, einen Bewerber zu unterstützen, der dem Anforderungsprofil am nächsten kommt.

Beste Voraussetzungen

Nach Überzeugung der Freien Wähler trifft das auf die parteilose und unabhängige Petra Becker zu. Aufgrund ihres Werdegangs und ihrer Verwaltungserfahrung bringe sie die besten Voraussetzungen mit, Stutensee als Oberbürgermeisterin erfolgreich weiter voranzubringen.

Kommentar: Lange hat es danach ausgesehen, als ob die Stutenseer Parteien und Wählervereinigungen keine Kandidaten für das höchste Amt in der Stadt fänden. Der unerwartete und gleichermaßen kurzfristige Abschied des amtierenden Stadtoberhaupts Klaus Demal schien sie doch getroffen zu haben. Alle waren davon ausgegangen, dass erst zwei Jahre später ein neuer Oberbürgermeister – oder eine Oberbürgermeisterin – zu wählen wäre. Das Karussell kam erst so langsam in Bewegung, als die Christdemokraten in Bettina Meier-Augenstein ihre Favoritin gefunden hatten. Sie reichte als Erste ihre Unterlagen ein und steht bei der Wahl ganz vorne auf dem Zettel. Und sie bleibt nicht die einzige Bewerberin: Nachdem sich Maria Schneller schon länger gemeldet hatte, kam an diesem Montagabend als dritte Frau Petra Becker dazu. Drei Frauen „wahlkämpfen“ jetzt also gegen zwei Männer. Beinahe wäre es noch eine weitere Frau (und noch ein Mann mehr) gewesen: Deren Bewerbungen ließ der Ausschuss wegen unvollständiger Unterlagen nicht zu.  Und so sind es jetzt doch immerhin noch fünf statt der bislang vermuteten sieben Kandidaten, die auf den Chefsessel im Rathaus in Blankenloch wollen. Es besteht jetzt Auswahl. Die Stutenseer – wie bei Kommunalwahlen dürfen Jugendliche ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben – haben eine echte Wahl, wenn sie am zweiten Sonntag im Juli dazu aufgerufen sind. Diese Chance gilt es zu nutzen. Denn die hoch gepriesene und viel geforderte Bürgerbeteiligung darf sich ruhig mal in einer sehr hohen Beteiligung bei der OB-Wahl zeigen.  85 Prozent wären doch super, oder?