Ein Elektro-Auto beim Volltanken. | Foto: Hendrik Schmidt/ZB/dpa

Mobiität

E-Autos werden kommunal genutzt: So sieht es im Landkreis Karlsruhe aus

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Die Stadt Stutensee hat drei neue Elektrofahrzeuge angeschafft. „Unsere Fahrzeuge sind hauptsächlich im Kurzstreckenbetrieb im Einsatz, daher ist der Umstieg auf Elektromobilität nicht nur umweltfreundlicher und klimaschonend, sondern auch deutlich effizienter“, erklärt  der Leiter des Baubetriebshofs, Frank Dochat. „Die Verwaltung hat ja auch eine Vorbildfunktion“, sagt Julia Kronenwett, zuständig für Rechtsangelegenheiten in Stutensee.  Und: „In jedem Stadtteil haben wir zusammen mit der EnBW eine Ladestation.“  Glückliches Stutensee. Das führt zur Frage: Wie sieht es sonst auf dem Land aus? Und gibt es Ladestationen für Otto-Normal-Elektrofahrer?

Linkenheim-Hochstetten

„Im Besitz der Gemeinde sind seit 2016 zwei Elektrofahrzeuge, das sind Renault Zoe. Die werden hauptsächlich von den Bauhofmitarbeitern benutzt, aber auch so für Dienstfahrten von der Verwaltung“, sagt Katja Stieb, Pressesprecherin in Linkenheim-Hochstetten. Vor Kurzem sei ein weiterer Renault angeschafft worden und eines der beiden ersten Fahrzeuge ans Klärwerk abgegeben.

„Direkt gegenüber des Rathauses haben wir eine Ladestation und die Firma Deer aus Pforzheim haben bei uns ebenfalls auf dem Rathausvorplatz zwei Elektrofahrzeuge stationiert, die stehen der Bevölkerung zur Verfügung.“ Stieb hat auch eigene Erfahrungen mit den Elektroflitzern: „Man kommt super mit denen zurecht“, findet sie. Auch von anderen Mitarbeitern hat sie noch keine Klagen gehört.

Dettenheim

Auch in Dettenheim hat man Erfahrungen mit Elektromobilität. Viktor Schmidt, Amtsleiter in Dettenheim, berichtet: Über die Aktion „Zeozweifrei“ gibt es einen Renault in Liedolsheim. „Dann haben wir noch ein Fahrzeug für den Bauhof, das ist auch ein reinelektrischer Kastenwagen.“ Eine Ladestation mit WLAN gibt es vor der Pfinzhalle in Rußheim, „die wurde zusammen mit der EnBW angeschafft“. Das WLAN betreibt die Gemeinde. „Zudem haben wir eine Car-Sharing-Station in Liedolsheim.“ Dort stellt das Unternehmen Flinkster ein Elektrofahrzeug bereit.

Eggenstein-Leopoldshafen

Deutlich verhaltener ist man in Eggenstein-Leopoldshafen. Thomas Hoffmann vom Bauamt erklärt: „Eine öffentliche Ladestation haben wir nicht, aber es gibt einen Renault Zoe. Der ist bei uns nicht im Bauhof im Einsatz, der wird von den Mitarbeitern der Verwaltung genutzt.“

Eigene Erfahrungen hat Hoffmann auch schon mit dem Fahrzeug gesammelt. „Natürlich bin ich damit schon gefahren und ich kann sagen, das Fahrzeug wird von unseren Mitarbeitern gerne angenommen – fragen sie aber nicht, ob es wirtschaftlich ist, das ist es ganz sicher nicht. Aber wir haben eine Vorbildfunktion.“ Die Installation einer Ladestation sei eine politische Entscheidung, die Haushaltsberatungen stünden aber jetzt an.

Weingarten

In Weingarten wird in Kürze eine Ladestation auf dem Parkdeck des Parkplatzes Jöhlig gebaut. Rund 10 000 Euro investiert die Gemeinde als einmalige Investition. Oliver Russel, Hauptamtsleiter in Weingarten, sagt: „Da sind wir gerade dabei, der Elektriker ist dran.“ Die Ladestation wird dann von Stadtmobil mit einem Fahrzeug bestückt, dass dort ausgeliehen werden kann. Weitere Ladestationen gebe es derzeit nicht. Aber: „Wir machen ein neues Mobilitätskonzept, da wird das auch berücksichtigt werden.“ Das Konzept werde wohl noch in diesem Oktober oder November vorgestellt.

Erfahrungen mit Elektromobiltät gibt es in Weingarten auch: „Ein Elektrofahrzeug haben wir im Hausmeisterdienst im Einsatz, ein kleineres Fahrzeug mit einer Pritsche. Es wird genutzt für Botengänge oder zu Einsätzen der Hausmeister, die auch ihren Werkzeugkoffer hinten daraufstellen können.“ Für den Bauhof Elektrofahrzeuge anzuschaffen, scheue man in Weingarten noch. Die Gemeinde hat eine hügelige Topografie, da warte man noch auf Erfahrungen von anderen Gemeinden, schließlich müsse die Einsatzfähigkeit des Bauhofs gewährleistet sein.

Pfinztal

In Pfinztal sagt Christian Bauer vom Hauptamt: „Wir haben zwei Elektrofahrzeuge, die im Bereich des Friedhofs eingesetzt sind und im Bauhof geladen werden.“ Zwei Säulen wurden im neuen Baugebiet Heilbrunn-Engelfeld installiert (Bauer: „Die sind meines Wissen auch schon in Betrieb.“) Am Rathaus ist zudem eine Ladesäule von der EnBW an die Gemeinde überlassen worden, an der man kostenlos Strom „tanken“ kann. („Die Nachfrage hält sich aber im überschaubaren Rahmen.“) Karten für das Zapfen von Strom gibt es gegen Kaution im Rathaus. In der Haushaltsdebatte des Ortschaftsrats Kleinsteinbach war zudem der Wunsch geäußert worden, eine Lademöglichkeit auf dem Rokycany-Platz zu schaffen. Die Entscheidung steht aber noch aus.

Walzbachtal

Florian Apelt, stellvertretender Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Walzbachtal, sagt: Bislang gebe es nur ein Erdgasfahrzeug im Bauhof. Aber Elektromobilität werde ein Thema in der Gemeinde: „Sobald die nächste Anschaffung fällig ist, wird man darüber nachdenken.“ Mitarbeiter nutzten derzeit schon ein elektrisches Stadtmobil für die Dienstfahrten. (Apelt: „Wir haben da eine Übereinkunft.“) Eine Ladestation gebe es zudem vor dem Rathaus, die sei im Zuge der Umgestaltung des Rathausplatzes aufgestellt worden. Eine zeitliche Begrenzung für Stromtanker gebe es dort nicht.

Graben-Neudorf

Achim Degen, Leiter des Bauamts von Graben-Neudorf, bestätigt, dass es ein E-Fahrzeug in der Doppelgemeinde für die Rathausmitarbeiter gibt. Und ein Pedelec. Geladen werden beide mit dem Strom der Fotovoltaikanlage auf dem Rathausdach. Bürgermeister Christian Eheim sagt zum Thema E-Mobilität: „Daran arbeiten wir sehr intensiv“. Bis 2020 werde es Ladestationen und Car-Sharing mit E-Fahrzeugen am Bahnhof geben (Eheim: „Wir sind eine Mobilitätsdrehscheibe.“) und im Bauprojekt „Neue Mitte“ wird ebenfalls Car-Sharing mit Elektrofahrzeugen eingerichtet, darauf lege auch der Investor großen Wert. „Das ist heutzutage State of the Art“, so Eheim.

Kommentar
Wenn eine Gärtnerin in Graben-Neudorf mit einem 20 Jahre alten „Stromer“ Sommer wie Winter zum Einsatz düst, kann man das vielleicht als Überzeugungstat einer Einzelnen abtun. Doch die Zeichen stehen auf Veränderung. Autotests und vorgebliche „Selbstversuche“ im TV, mit einem Tesla in den Urlaub zu fahren, zeigen nur, wie schief die Wahrnehmung ist. Denn das Auto als Schlüssel zur Freiheit hat schon jetzt ausgedient. Wieso den Luxus-Elektrowagen vollpacken mit Luftmatratze, Zelt, Proviant und den zwei Kindern, um dann von Stau zu Stau hoppeln, wie es einst schon die Großeltern im Käfer? Natürlich geht der „Selbstversuch“ schief – denn die E-Mobilität wirkt am besten im Kurzstreckenverkehr. Dabei sind es die kleinen Fahrten, die ökologisch verheerend sind. Die Technik für den Kurzstreckenverkehr zur Arbeit gibt es, das zeigt der „Oldie“ jener eingangs erwähnten Gärtnerin. Das Vehikel brauchte in den vergangenen 20 Jahren einen Satz neuer Batterien, erzählt die stolze Besitzerin bei einer Ausfahrt. Geladen wird gemütlich über Nacht. Was der Elektromobilität noch fehlt, sind Vorbilder und Infrastruktur, also Fahrzeuge zum Ausleihen (und Ausprobieren) plus Lademöglichkeiten in den Orten. Die Gemeinden und Städte sind bereits unterwegs, Vorbild zu sein. Sie schaffen E-Mobile an oder gehen Kooperationen mit Car-Sharing-Anbietern ein. Es tut sich also was. Endlich.

Service
Einen Überblick über Ladestationen in gibt die App „mobility+“ der EnBW. Mit der App können Autofahrer auch bei Alltagsfahrten überprüfen, ob für sie E-Mobilität wirtschaftlich infrage kommt.