Wie ein Wald aus Gittern zeigen sich die Strommasten, die man von der Brücke über die B 36 bei Leopoldshafen in Richtung Linkenheim wahrnimmt. | Foto: del

Stromversorgung wird ausgebaut

Eggenstein-Leopoldshafen will Trassen-Bündelung an der B 36

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Zwischen Weinheim und Karlsruhe sollen Stromleitungen auf 380 Kilovolt verstärkt werden, um das Netz leistungsfähiger zu machen. Die Transnet-BW, Betreiberunternehmen der Stromleitungen in Baden-Württemberg und Tochtergesellschaft des Energieversorgers, ist dafür verantwortlich.

80 Kilometer Leitungen werden verstärkt oder erneuert

Im Zusammenhang damit wird entlang der rund 80 Kilometer langen Stromversorgungsleitung diskutiert, wie eine effektive Trasse aussehen kann, wo vorhandene Leitungsführungen „ertüchtigt“ werden und wo gegebenenfalls neue errichtet werden müssen.

Antragskonferenz in Hockenheim

Die öffentliche Antragskonferenz für das verstärkte Stromnetz ist für Dienstag, 6. Februar, 9 Uhr, angesetzt. Veranstaltungsort ist die Stadthalle in Hockenheim – für alle Anliegerkommunen an der Trasse, für Naturschutzverbände wie für betroffene Privatpersonen.

Fachausschuss berät Stellungnahme

In Eggenstein-Leopoldshafen gibt es derzeit in den Gremien noch keine einheitliche Meinung, heißt es aus dem Rathaus. Diese könnte sich der Ausschuss für Umwelt und Technik am Dienstag, 30. Januar, 19 Uhr, im Ratssaal in Eggenstein bilden. Denn der juristisch abgestimmte Entwurf einer Stellungnahme, den die Verwaltung dem Gremium vorschlägt, stützt sich auf mehrere Forderungen, erläutert Hauptamtsleiter Jürgen Ehrmann.

Forderungen aus Eggenstein-Leopoldshafen

Keine Beeinträchtigung der Bauentwicklung im Hochgestade und Prüfung der Verlegung aller Leitungen – nicht nur einer neuen 380-Kilovolt-Trasse – östlich der B 36. Für die Ertüchtigung sind veränderte Emissionswerte nachzuweisen. Für den Bürgerpark ist ein Worst-Case-Szenario zu berechnen. Kompaktmasten als Alternative zu Gittervarianten sind zu berücksichtigen.

Bürgerinitiative „Strom-Mast-frei“ ist aktiv

In der Doppelgemeinde hat sich schon länger eine Bürgerinitiative (BI) gebildet – „Strom-Mast-frei“ –, die am liebsten alle Leitungen aus Wohngebieten und Landschaft verbannen möchte. Die BI setzt sich dafür ein, alle Leitungstrassen entlang der Bundesstraße 36 zu bündeln.

Wenn alle Leitungen aus dem Ort rauskämen, wäre das auch für den Natur- und Landschaftsschutz von hohem Nutzen.

Uwe Kühnapfel, einer der BI-Vertreter, hält diese Bündelung unter anderem deshalb für die erstrebenswerteste Variante, weil dann der Bürgerpark wie auch das Naturschutzgebiet „Kleiner Bodensee“ fortan leitungsfrei wären. „Wenn alle Leitungen aus dem Ort rauskämen, wäre das auch für den Natur- und Landschaftsschutz von hohem Nutzen“, sagt der promovierte Ingenieur für Elektrotechnik. Und: „Eine auf der Rheinseite der B 36 geführte Stromtrasse wäre ein machbarer Weg, der auch den Nachbarn Neureut nicht besonders belasten würde.“

In Linkenheim-Hochstetten geht es um Verstärkung der Leitungen

Linkenheim-Hochstetten „kann sich in dieser Frage entspannt zurücklehnen“, meint Bürgermeister Michael Möslang: „Wir haben ja keinen Entscheidungsspielraum. Die vorhandenen Trassen sind vernünftig.“ Für die Gemeinde steht „Ertüchtigung“ im Plan: Das bedeutet, dass die bestehenden Strommasten einen weiteren Träger bekommen.

Kein Ansatz für Diskussionen um eine alternative Trasse.

Es gebe keinen Ansatz für Diskussionen zu einer – alternativen – Trassenführung wie etwa beim südlichen Nachbarn, und auch keinen zur möglichen Verlegung einzelner Masten. Die Grundstücksverhältnisse seien seit der Flurbereinigung geregelt. Damals habe man „um die Masten herum“ geplant. „Ich denke auch, dass es keinen Ansatz gibt, die Masten zu erneuern.

Masten aus Beton oder Stahlgitter?

Ob Betonexemplare ansehnlicher sind als die aktuellen Metallgitterkonstruktionen, ist wohl eher eine Geschmacksfrage“, sagt der Bürgermeister. Und: Kollisionen, wenn die B 36 dreispurig ausgebaut wird, werde es ebenfalls nicht geben. Unter dem Strich: Kein Anlass, das Thema im Gemeinderat oder im Fachausschuss zu behandeln.

TransnetBW soll Auswirkungen nachweisen

Dettenheim erwartet laut Bürgermeisterin Ute Göbelbecker, dass für die Ertüchtigung die bestehenden Freileitungen ausreichen, neue oder höhere Masten also nicht erforderlich sind. TransnetBW müsse nachweisen, wie sich die Netzverstärkung auf die Wohnbebauung und die Menschen auswirkt.

Bisherige Nutzung der Vereinsanlagen muss weiter möglich sein.

Es müsse ebenso nachgewiesen werden, dass die bisherige Nutzung unterhalb der Trasse weiter möglich ist – insbesondere im Blick auf landwirtschaftliche Flächen und die Vereinsareale von Gartenfreunden und Touring-Club. Und nicht zu vergessen sei, dass Baugebiete und künftige Erweiterungen nicht beeinträchtigt werden dürften.