Nach Erdöl wurde im Sommer zwischen Untergrombach und Weingarten testweise gebohrt. Die Auswertung der Zahlen hat ergeben, dass eine Ölförderung wirtschaftlich wäre. | Foto: Heintzen

Größeres Vorkommen als gedacht

Erdölbohrungen in Weingarten sollen Mitte 2022 beginnen

Anzeige

Gute Ausgangslage für die Erdölbohrungen in Weingarten: Die Probebohrung Steig eins der Rhein Petroleum nach Erdöl im Gewann Bronnloch war erfolgreich. Die Pechelbronner Schichten wurden auf einer Gesamtmächtigkeit von 150 Metern als ölführend in offenbar förderungswürdiger Menge erkannt. Mitte 2022 soll mit der Bohrung begonnen werden.

Von unserer Mitarbeiterin Marianne Lother

Der Geschäftsführer der Firma, Carsten Reinhold, berichtete dem Gemeinderat Weingarten am Montagabend über das geplante weitere Vorgehen. Die Bohranlage wurde mittlerweile bis auf den fest verschlossenen Bohrabschlusskopf abgebaut. Ein Grundwassermonitoring in sechs Metern und in 23 Metern Tiefe habe keine Auffälligkeiten im Grundwasser gezeigt, so Reinhold.

Mehr zum Thema: Ölrausch am Baggersee? Förderung zwischen Bruchsal und Weingarten lohnt sich

Er berichtete weiter von umfangreichen Maßnahmen für den Naturschutz und zur Arbeitssicherheit, von der guten Zusammenarbeit mit der Weingartner Feuerwehr und vom großen Interesse der Besucher im vergangenen Sommer. Rund 140 Personen hätten das Gelände besichtigt, darunter auch Vertreter des KIT und der Technischen Universität Darmstadt. Bei der Bohrung sei mehr gefunden worden als vermutet worden war, sagte Carsten Reinhold.

Die Wirtschaftlichkeit der Förderung sei gegeben und es sei in Weingarten eine weitere Förderung vorgesehen. Der nächste Schritt sei jetzt, beim Kieswerk einen Bohr- und Testproduktionsplatz einzurichten. Von dort aus würden sieben Probebohrungen ausgeführt, um die Ausdehnung der Lagerstätte zu erkunden und das Bohrfeld zu entwickeln. Weitere Flächen in unmittelbarer Nähe des Kieswerks werden als Lagerflächen dazugepachtet, insgesamt sei die Fläche größer als für die Bebauung notwendig.

Sicherheitsmaßnahmen heute deutlich besser

Ein Scoping-Termin mit Trägern öffentlicher Belange für die zur Genehmigung notwendigen Unterlagen finde statt, so Reinhold weiter, ebenso eine Umweltverträglichkeitsvorprüfung, die auch bereits dem ersten Verfahren vorausging. Im März und April werde das Betriebsplanverfahren eingeleitet und zugleich die wasserrechtliche Erlaubnis eingeholt. Frühestens bis 2021 sei mit dem Vorliegen der Genehmigungen zu rechnen, Mitte 2022 könne mit der Bohrung begonnen werden.

Mehr zum Thema: Erdöl unter Weingarten von hervorragender Qualität

Bürgermeister Eric Bänziger fasste zusammen, dass die Sicherheitsmaßnahmen heute deutlich besser seien als noch vor Jahrzehnten. Auf die Frage von Timo Martin (WBB), ob das Zulassungsverfahren eine hohe Hürde bedeute, betonte Reinhold, die Firma sei auf das Genehmigungsverfahren gut vorbereitet, denn sie hätten für jedes Thema Gutachten von unabhängigen Experten eingeholt.

Klaus Holzmüller (FDP) kritisierte den großen Flächenverbrauch von 30.000 Quadratmetern für den Bau der Förderanlage. Es sollte nur so viel Fläche beansprucht werden wie unbedingt notwendig. Matthias Görner (WBB) verwies auf den derzeit fallenden Ölpreis, aber Reinhold entgegnete, er gehe davon aus, dass dieser sich in Bälde wieder reguliere.

Wolfgang Wehowsky erklärte, die SPD-Fraktion habe von Anfang an einer Ölförderung nicht zugestimmt. Dass jetzt „eine kleine Industrieanlage“ am Baggersee entstehe, sei nicht gewollt gewesen. Auch Karlernst Hamsen (Grüne Liste) verwies auf die Ablehnung durch seine Fraktion. Aber bekanntermaßen hatte der Gemeinderat gegen das herrschende Bergrecht keinerlei Handhabe. Das Gremium nahm den Vortrag zur Kenntnis.