Wohin damit? Wenn ein Baugrube ausgebaggert wird – fällt Aushub an. Doch bis 2021 wird beispielsweise die Kapazität der Erddeponie der Gemeinde Pfinztal, bis 2025 die der Landkreis-Erddeponie in Ittersbach verfüllt sein. Erweiterungen werden geprüft.          | Foto: Hannibal/dpa

Viele Deponien fast voll

Teurer Bauaushub: Die Last mit der Erde

Anzeige

 

 

Was vielen Bauwilligen zunächst oft gar nicht klar ist: Der Aushub für die Baugrube samt Entsorgung der Erde kann mächtig ins Geld gehen. „Je nach Region und Belastung des Bodens können für ein Einfamilienhaus zwischen 15 000 und 70 000 Euro anfallen“, so Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Das Entsorgen von Bauaushub hat sich dabei für private Häuslebauer und Kommunen in den vergangenen Jahren nicht nur extrem verteuert, die Kapazität der Erddeponien wird auch immer knapper.

 

Der Anruf kam für den Bauherren überraschend. Wie es denn jetzt weitergehen soll, will der Baggerfahrer wissen. Die Zwischenlagermöglichkeit der Erde auf dem Grundstück sei ausgereizt, aber erst ein kleiner Teil der Grube ausgehoben. Das, sagt der Mann bestimmt, „reicht nicht mal für die Garage“. Aber, wie war das noch, hatte der Bauträger bei mehrmaligen Nachfragen nicht immer stets beteuert: „Doch, doch, das passt. Das packen wir alles neben der Grube aufs Grundstück drauf.“ Passt nicht und Erde ist, wie sich nun herausstellt, auch kein kostbares Gut und so sitzt der frustrierte Häuslebauer jetzt auf dem sprichwörtlichen „Dreck“. Zumindest solange, bis einige nervenaufreibende Telefonate später eine Lösung gefunden ist, der Baggerfahrer weiter macht – und der Bauherr eine stolze Summe für die Entsorgung des Erdreichs hinblättern muss.

Die Entsorgung geht ins Geld

Das Entsorgen von Bauaushub hat sich also in den vergangenen Jahren extrem verteuert. Doch das ist nur ein Sache. Eine andere ist:  Die Kapazität der Erddeponien wird immer knapper wird, auch bei Deponien in der Region. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden (2017) fielen in Deutschland 2014 insgesamt 209,5 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle inklusive Bodenaushub an. Mineralische Abfälle und darunter insbesondere die Bau- und Abbruchabfälle inklusive Bodenaushub sind demnach deutschlandweit der mengenmäßig größte Abfallstrom.

Erddeponie Pfinztal 2021 „voll“

Beispiel Pfinztal. Die Gemeinde unterhält seit 1992 eine eigene Erdaushubdeponie, die wird allerdings im Jahr 2021 „voll sein“, wie Günter Knobloch, der Fachbereichsleiter Bauen und Planen in der Gemeindeverwaltung, auf BNN-Anfrage verdeutlicht. Man habe deshalb schon vor einiger Zeit Kontakt zum Landratsamt aufgenommen, um sich über eine weitere Erweiterung der Deponie abzustimmen. Knobloch: „Derzeit hat unsere Deponie ein Restvolumen von 50000 Kubikmetern. Bei einem, statistisch gesehen, jährlichen Anfall von 20000 Kubikmetern Ablagerungsmasse beträgt die Laufzeit also noch rund zweieinhalb Jahre.“

Kaum Zwischenlagermöglichkeiten

In Stutensee bestehen Zwischenlagerkapazitäten „in begrenztem Umfang, eine Deponiemöglichkeit für Erdaushub auf unserer Gemarkung gibt es nicht“, erklärt Lukas Lang von der Pressestelle der Stadt. Das gleiche Bild in Graben-Neudorf, Eggenstein-Leopoldshafen, Dettenheim oder Walzbachtal: Es gibt keine Möglichkeit, Erdaushub ab- oder zwischenzulagern.

„Da wir keine eigene Erdaushubdeponie haben, kann das unbelastete Erdmaterial bei der Firma Mineralix in Weingarten oder bei der Kreisdeponie in Karlsbad-Ittersbach kostenpflichtig entsorgt werden. Die anderen Deponien nehmen aus Kapazitätsgründen nur Erdaushub aus eigenem Gemeindegebiet an“, teilt Florian Apelt vom Zentralbüro der Gemeindeverwaltung Walzbachtal mit.

Im wirtschaftsstarken Landkreis Karlsruhe fallen Erdaushub und mineralische Abfälle in großer Menge an. Durch strengere gesetzliche Anforderungen an die Verwertung und abnehmende Deponiekapazitäten könnte dies in Zukunft zum Entsorgungsproblem werden. | Foto: Wagner/dpa

Verweis auf Bodenbörse beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises

Private Bauherren würden bei Anfragen auf die genannten Möglichkeiten hingewiesen. Auch andernorts verweist man dann auf regionale Entsorgungsbetriebe. „Oder auf die Bodenbörse beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Karlsruhe“, so Michael Braun vom Bauamt Dettenheim. Grundsätzlich sehe man bei der Gemeinde Dettenheim derzeit aber keine Problematik in Zusammenhang mit Bodenaushub, war weiter zu erfahren.

Vor Ort belassen

Allerdings: Grenzen sind auch bei den Deponiekapazitäten im Landkreis abzusehen. Im Bereich des unbelasteten Erdhaushubs dürften die Kapazitäten im Landkreis bei gleichbleibendem Aufkommen noch für die nächsten zehn Jahre ausreichen. Die Kreiserdaushubdeponie Ittersbach beispielsweise könnte bis 2025 verfüllt sein, eine Erweiterung für nicht verwertbaren Bodenaushub wird geprüft.

Abnehmende Deponiekapazitäten

Im wirtschaftsstarken Landkreis Karlsruhe fallen Erdaushub und mineralische Abfälle in großer Menge an. Durch künftig strengere gesetzliche Anforderungen an die Verwertung und abnehmende Deponiekapazitäten könnte dies in Zukunft zum Entsorgungsproblem werden. Erdaushub wird derzeit auf einigen kleinen Deponien im Landkreis sowie der kreiseigenen Deponie in Karlsbad-Ittersbach entsorgt. Für die Entsorgung von mineralischen Restabfällen nutzt der Landkreis Karlsruhe die Deponie Hamberg des Enzkreises, die bereits in einigen Jahren verfüllt sein wird. Eine eigene Deponie hat der Landkreis dafür nicht.

Um Deponieraum zu sparen, will der Landkreis unter anderem zusammen mit den Städten und Gemeinden darauf hinwirken, Bodenaushub soweit als möglich zu vermeiden oder vor Ort wieder zu verwenden.

Kosten für Bauprojekte gehen nach oben

Die Entsorgung von Erde dürfte nicht nur in Zukunft schwieriger werden, „aus kommunaler Sicht ist dies bereits ein Problem“, sagt Graben-Neudorfs stellvertretender Bauamtsleiter Christian Schweikert. Und: „Die Entsorgung von Aushubmaterial egal welcher Entsorgungsklasse ist in den vergangenen ein, zwei Jahren deutlich teurer geworden. Teilweise kann Aushub nur zu überhöhten Preisen entsorgt werden, das treibt die Gesamtkosten für Bauprojekte nach oben“, so Lukas Lang von der Pressestelle der Stadt Stutensee.

Um sowohl Kosten als auch Deponieraum zu sparen, solle beim Bauen von Wohngebäuden der unbelastete Bodenaushub vor Ort gelassen werden, zum Beispiel, „indem man das gesamte Geländegebiet in Neubaugebieten etwas anhebt“, bringt der Chef der Bauwirtschaft in Baden-Württemberg, Thomas Möller, ins Spiel. Gemeinden sollten bei der Aufstellung von Bebauungsplänen das Erschließungs- und Geländeniveau so hoch ansetzen, dass mit dem Aushub ausgeglichen werden könne.

Entscheidung im Einzelfall

Allerdings, so Matthias Weber vom Bau- und Liegenschaftsamt in Eggenstein-Leopoldshafen, kann dies „nur im Einzelfall entschieden werden, da nicht immer die Möglichkeit besteht, das Erdniveau anzuheben“.

Eher skeptisch betrachtet auch Günter Knobloch die Idee. „Mit dem angestrebten Massenausgleich innerhalb eines Baugebietes ist es so eine Sache“, meint Pfinztals Bauamtsleiter. „Manche Erdaushub-Chargen sind bautechnisch ungeeignet, manche weisen auch Schadstoffbelastungen auf, sodass sie nicht wieder an Ort und Stelle eingebaut werden können.“

Aushubmaterialien in Lärmschutzwällen

Je nach Belastungsgrad sei der Einbau dieser Aushubmaterialien in Lärmschutzwällen zulässig. Nur: „Es gibt kaum noch solche Projekte.“ Außerdem, so Knobloch, dürfe nicht vergessen werden, dass viele Neubauprojekte innerhalb einer Altbebauung realisiert werden: „Dort sind aufgrund der örtlichen Gegebenheiten die Höhenlagen von Gebäuden und Geländeverläufen vorgegeben.“

Kein großer Entlastungseffekt

Dass Erdaushub, der nicht direkt in den Baugebieten wieder eingebracht werden kann, für Straßendämme oder Lärmschutzwände in der Region verwendet werden solle, wie der Geschäftsführer der Bauwirtschaft im Südwesten weiter vorschlägt, wird bereits praktiziert, ein allzu großer Entlastungseffekt dürfte davon aber nicht ausgehen. In Graben-Neudorf wird, „sofern möglich, der Erdaushub an Ort und Stelle wieder eingebaut. Sonst geht das überschüssige Material in das Eigentum des Auftragnehmers über und die Gemeinde bezahlt die Abfuhr“, erklärt Christian Schweikert.

Zukünftig größere Probleme als in der Vergangenheit

Die Entsorgung des anfallenden Erdaushubs „wird zukünftig sicherlich größere Probleme bereiten als in der Vergangenheit“, sagt Günter Knobloch. „Da konnten große Mengen Erdaushub in Lärmschutzwälle hauptsächlich entlang von Autobahnen eingebaut werden. Aber diese Baustellen sind zwischenzeitlich auch abgeschlossen.“

Angemerkt: Preiswertes Bauen – oft bleibt es beim Traum. Zwar profitieren Bauwillige seit einigen Jahren von der anhaltenden Niedrigzinsphase, die die Kreditkosten senkt. Doch das, was man an dieser Stelle spart, kommt andernorts locker obendrauf. Baupreise kennen seit längerem nur eine Richtung: nach oben. Wenn dann noch der Deponieraum für notwendigen Erdaushub knapp ist, verteuert sich die Ablagerung des Bodens beträchtlich.
Der Preis für Deponieraum richtet sich nach den Gesetzen des Marktes von Angebot und Nachfrage. Wie schwierig das Ganze geworden ist, zeigen Ideen wie die, das Geländeniveau von Baugebieten anzuheben, um nicht zu große Mengen teuer zu deponierenden Erdaushubs zu schaffen.
Im Landkreis ist Deponieraum für Erdaushub zur Mangelware geworden. Neuaufschlüsse oder Erweiterungen sind immer problematisch. Man muss langen Atem haben, wenn man zum Ziel kommen will. Erdaushub darf ein Kostenfaktor beim Bauen sein, aber kein dominierender.  Matthias Kuld