Das evangelische Gemeindezentrum (Henhöferhaus) in Graben wird für eine Million Euro saniert. Der Kirchengemeinderatsvorsitzende Hubertus Winter und Pfarrerin Ulla Nagel freuen sich auf die Modernisierung. | Foto: Manfred Spitz

Gemeindezentrum wird saniert

Henhöferhaus Graben: Vom „Facelifting“ zum Millionen-Projekt

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Hubertus Winter ist die Erleichterung anzumerken. Die Erleichterung darüber, dass der Umbau des Henhöferhauses jetzt läuft – und in der Grabener Ortsmitte aus dem in die Jahre gekommenen evangelischen Gemeindehaus zwischen der evangelischen Kirche und dem Pfarrhaus nun eine attraktive Veranstaltungs- und Begegnungsstätte entsteht. Auch wenn einiges anders gekommen ist, als ursprünglich gedacht. Vor allem die Kosten. Die waren anfangs auf 300 000 Euro veranschlagt worden – es wurde daraus ein Millionen-Projekt.

Eine lange Geschichte

Das mit der Renovierung und Modernisierung des Gebäudes (Baujahr 1963) sei eine lange Geschichte, sagt der Kirchengemeinderatsvorsitzende Winter, und erzählt: „Vor dem Hintergrund, dass die Akustik im Saal nicht mehr auf Höhe der Zeit war, wurde bereits 2012 über einen Umbau nachgedacht“, macht Hubertus Winter deutlich.

In die Jahre gekommen: Das Henhöferhaus zwischen der evangelischen Kirche und dem Pfarrhaus in Graben. | Foto: Spitz

Geplant war, den großen Saal umzugestalten, die alte Technik durch neue (und einen separaten Technikraum) zu ersetzten und das Foyer für Events zu vergrößern. „Denn es gibt einige Veranstaltungen, die über Internet laufen und für die wir die entsprechende Übertragungstechnik wollen“, so Winter. 2014 habe man dann mit einem Architekten über die Pläne gesprochen – ab da änderte sich alles.

Henhöferhaus: Nur Obergeschoss bleibt

Aus einem „einfachen Facelifting“ wurde eine große Sache. Und ein „langes Hin und Her mit dem Landratsamt“, so Winter. „Weil der Brandschutz nicht mehr den Erfordernissen entsprach und Fluchtwege fehlten“, verdeutlicht er: „Das heißt, wir müssen jetzt das ganze Haus anfassen. Außer dem Obergeschoss, das 2005 errichtet wurde, das kann bleiben. Aber auch der Fahrstuhl der damals reinkam, wurde nicht weiter zugelassen, und muss ersetzt werden.“

Der alte Fahrstuhl ging über eBay weg

Glücklicherweise, so Winter, habe man über eBay einen Käufer gefunden. Der habe den alten Fahrstuhl sogar ausgebaut, und es kam noch etwas Geld aufs Konto. Und: „Dass wir das leerstehende Schwesternhaus in Graben an die Gemeinde Graben-Neudorf verkaufen konnten, hat uns auch geholfen“, so Winter.

40 Prozent Eigenleistung

Apropos Geld: 40 Prozent der Umbaukosten trägt der Evangelische Oberkirchenrat (EOK). 20 Prozent müssen durch kirchliche Fördermittel, sprich Kredite, abgedeckt werden. „Die restlichen 40 Prozent sind Eigenleistung“, erklärt Hubertus Winter. „Das heißt, statt der geplanten 330 000 Euro bleiben jetzt 724 000 Euro an uns hängen.“ Die evangelisch Kirchengemeinde Graben-Neudorf habe gut gewirtschaftet“, fügt er hinzu.  „Den Rohbau können wir gerade so stemmen. Aber es braucht ja auch noch den Innenausbau“.

Deshalb müsse auch noch Geld für das Projekt gesammelt werden. Hubertus Winter zeigt auf das Spendenbarometer, das vor dem Henhöferhaus an der Karlsruher Straße aufgestellt worden ist. „80 000 Euro sind schon zusammen gekommen“, freut sich Winter. Nicht minder stolz fügt er hinzu: „Das was bisher gemacht wurde, die gesamte Demontage der Räume, alles Eigenleistung. In bisher gut und gerne 1 500 Stunden. Vom Kirchengemeinderat war immer jemand dabei. Aber auch viele junge Leute machen mit. Das ist doch toll.“

Kapelle als „Raum der Stille“

Die Jugendlichen bekommen im Untergeschoss attraktive, helle Räume. Dort entsteht im hinteren Teil auch ein Lichthof – und eine Kapelle. „Als Raum der Stille“, wie Hubertus Winter sagt. Und der Saal bekommt eine mobile Bühne für Auftritte aller Art. Ab wann? Winter: „Wir hoffen, im September 2019 ist soweit alles fertig. Die Jugendräume können vielleicht schon früher genutzt werden“, macht der Kirchengemeinderatsvorsitzende deutlich. Das „neue“ Henhöferhaus dürfte für die ganze Gemeinde graben-Neudorf interessant sein, meint Hubertus Winter. „Die Räume werden nämlich auch vermietet.“

Probenstunden in der Kirche

Die Baufreigabe vom Landratsamt hatte die evangelische Kirchengemeinde schon im vergangenen Jahr bekommen. Bis auch der EOK alles absegnete, dauerte es aber länger. Erst im Juli dieses Jahres gab’s dann auch aus Karlsruhe grünes Licht für das Projekt. Das ist für die Kirchengemeinde auch eine logistische Herausforderung, mussten doch für alle Gruppen und Kreise, aber auch für Veranstaltungen und die Probenstunden des Kirchen- und Posaunenchores Ausweichquartiere zum beispiel bei der Liebenzeller Gemeinschaft, im Gemeindehaus Neudorf oder auf dem CVJM-Plätzle gefunden werden. Hubertus Winter: „Der Kirchen- und der Posaunenchor waren zum Proben im Sommer in der Kirche. Für den Winter sind wir noch auf der Suche.“

Vorfreude bei Pfarrerin Ulla Nagel

Schon deshalb wäre ihm daran gelegen, dass Umbau und Renovierung des Henhöferhauses jetzt zügig voran gehen. Aber: „Das Problem ist der momentane Bauboom. Wir müssen den Firmen hinterherlaufen, viele haben keine freien Kapazitäten.“ Aber zig Telefonate und Gespräche, das gehörte für Hubertus Winter von Anfang an dazu. „Er hat einiges einstecken müssen, sich aber nie entmutigen lassen und die Sache vorangebracht“, betont Pfarrerin Ulla Nagel. „Ich freue mich auf die Modernisierung und darauf, dass hier etwas attraktives für die ganze Gemeinde entsteht.“