Viktor Nückel ist im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Landschaftsgärtner. Gemeinsam mit seinen Kollegen begrünt er ein Dach. Dafür müssen erst Substrate ausgebracht und die Bewässerungsanlage verlegt werden. | Foto: Manzey

BNN-Serie „(Aus)gebildet“

Fachkräftemangel im Handwerk: Was für eine Ausbildung als Landschaftsgärtner spricht

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Wie wird man eigentlich Landschaftsgärtner? Viktor Nückel hat sich nach einem Praktikum in der zehnten Klasse dafür entschieden. Der heute 19-Jährige besuchte damals ein Gymnasium und machte in den Pfingstferien ein zweiwöchiges Praktikum bei der Landschaftsgärtnerei Westenfelder in Eggenstein-Leopoldshafen. Bereits da habe man ihm eine Ausbildungsstelle angeboten, verrät er.

Dank des Fachkräftemangels im Handwerk sei die Nachfrage groß. Schulabschlüsse spielen dabei laut Viktor keine große Rolle. Er selbst bewarb sich mit einer mittleren Reife, kennt jedoch auch Auszubildende, die mit einem Hauptschulabschluss oder mit Abitur die Ausbildung begonnen haben.

Ich könnte mir nicht vorstellen, mich ohne ein Praktikum auf einen Handwerksberuf zu bewerben.

Viel entscheidender sei, ob der Beruf einem liege. Ein Praktikum ist für Viktor daher Pflicht. „Ich könnte mir nicht vorstellen, mich ohne ein Praktikum auf einen Handwerksberuf zu bewerben.“

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Facettenreiches Aufgabenfeld

Bevor er zusagte, machte Viktor noch ein Praktikum in einer Baumschule – doch die Arbeit dort war ihm nicht vielfältig genug. Das ist beim Landschaftsgärtner anders, der Beruf ist sehr facettenreich. Neben der Anlage von Privatgärten sind Landschaftsgärtner auch für die Unterhaltung bestehender Gärten, Pflaster- und Erdarbeiten oder die Pflege von Parkanlagen zuständig, erklärt Viktor. Auch Spiel- und Sportplätze hat er mit seinen Kollegen zusammen geplant und gebaut, ebenso die Teilgestaltung des Friedhofs in Linkenheim-Hochstetten.

An seinem Beruf schätzt Viktor besonders, dass er relativ schnell eine Resonanz erhält. Kunden und Nutzer bedanken sich gern mal direkt bei den Gärtnern für ihre gute Arbeit. Wenn er durch die Straßen laufe, sehe er immer wieder Projekte, an denen er beteiligt war. Das sei ein gutes Gefühl, gibt er schmunzelnd zu.

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Verschiedene Wetterlagen sind eine Herausforderung

In der Regel arbeiten Viktor und seine Kollegen von 7 bis 16 Uhr. Das frühe Aufstehen und die langen Arbeitszeiten haben ihm zunächst zu schaffen gemacht, gibt Viktor zu. „Aber es lohnt sich, sich am Anfang durchzubeißen.“ Auch die harte körperliche Arbeit sei mit der Zeit mehr eine Gewöhnungssache. Je nach Wetterlage können die Arbeitszeiten variieren.

Im Winter muss man morgens auf Betriebstemperatur kommen.

Überhaupt spielt das Wetter eine wichtige Rolle. Einerseits bleibe man fit und gesund, da man viel an der frischen Luft unterwegs ist, ist Viktor überzeugt. Andererseits aber müssen Landschaftsgärtner mit extremen Wetterlagen, etwa Sommerhitze oder Schnee und Regen, klarkommen. Der Kälte zu trotzen sei aber einfacher als der Hitze im Sommer, verrät Viktor – sofern man sich ausreichend bewegt. „Im Winter muss man morgens auf Betriebstemperatur kommen.“

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Diverse Weiterbildungsmöglichkeiten

Im Mai beginnen Viktors Abschlussprüfungen. Als Azubi im dritten Lehrjahr bekommt er rund 1.000 Euro Gehalt. Mit dem neuen Tarifabschluss für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau verdienen neue Auszubildende ab dem 1. Juli 2020 900 Euro im Monat im ersten Ausbildungsjahr. Im zweiten Jahr sind es 1.000 Euro und im dritten Jahr dann 1.100 Euro.

Für Viktor ist aber nach der Ausbildung noch nicht Schluss. Er will den staatlich geprüften Techniker noch draufsetzen. Neben der Meisterlaufbahn oder dem Studium der Landschaftspflege beziehungsweise -architektur ist das eine Möglichkeit zur Weiterbildung.

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Die BNN-Serie „(Aus)gebildet“ fragt: Welche Voraussetzungen muss man für eine Ausbildung mitbringen? Welche Perspektiven hat man nach dem Abschluss? Wer könnte diese Fragen besser beantworten als die Auszubildenden selbst? Hier kommen sie zu Wort. In dieser Serie bereits erschienen:
(Aus)Gebildet: Friseur-Azubi Vanessa findet ihren Beruf oft unterschätzt