Massive Faserbrocken hievt Ralf Leclerc aus dem Ablaufsbelebungsbecken des Klärwerks in Blankenloch. Weitaus öfter aber müssen die Mitarbeiter verstopfte Pumpen reinigen. | Foto: Werner

Klärwerk Stutensee

Feuchttücher und andere Faserstoffe machen Klärwerkpumpen das Leben schwer

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Warnungen und Hinweise an Bürger gibt es bis auf kommunale Ebene genug, und regelmäßig auch vom Umweltbundesamt: Tag für Tag landen Unmengen von Utensilien wie Küchenabfälle, abgelaufene Medikamente, Lacke oder Feuchttücher in Toiletten, wo sie nicht hingehören. Abgesehen von Schadstoffbelastungen oder Rattenvermehrungen entstehen nach einer Information des Bundesumweltamts jedes Jahr Schäden in Millionenhöhe durch Verstopfungen oder lahmgelegte Pumpwerke in deutschen Abwassersystemen.

Von unserem Mitarbeiter Alexander Werner

Nicht nur im Stutenseer Klärwerk in Blankenloch machen reiß- und wasserresistente Faserstoffe dem dreiköpfigen Team täglich zu schaffen. Rund 12.500 Einwohner sind in Blankenloch-Büchig angeschlossen. Für die drei nördlichen Stadtteile ist der Abwasserzweckverband Kammerforst in Karlsdorf-Neuthard zuständig. In Blankenloch wurde das Pumpwerk mit der Werkserweiterung Ende der 90er Jahre installiert, berichtet Betriebsleiter Dirk Röhl. Dass es vermutlich im November bei laufendem Betrieb ausgetauscht werde, sei auch altersbedingt.

Aufwendige Reinigung per Hand

Der Hauptgrund aber sei das Problem, das vor allem durch Feuchttücher, daneben auch von Damenbinden oder Tampons verursacht werde. Reißresistente und wasserfeste Feuchttücher würden richtige Verzopfungen bedingen. Die im Gegensatz zu Toilettenpapier stabilen Faserstoffe würden sich in den Pumpen durch Verwirbelung zu größeren Paketen verzopfen, so Röhl. Die Pumpen würden dadurch verstopft und überlastet. Als Folge würden sie auf Störung schalten. Beschädigungen seien in der Regel nicht zu erwarten, da der Pumpenbetrieb darüber zurückgesetzt werde. Allerdings müssten die Pumpen aufwendig per Hand gereinigt werden.

Vier Reinigungseinsätze am Tag

Mitarbeiter Ralf Leclerc demonstriert, wie das mit Aufschrauben, Schmutzwasser ablassen und Herausziehen der übel riechenden Schmuddelpakete funktioniert. Je nach Lage rechne man täglich mit bis zu vier Reinigungseinsätzen von 30 Minuten bis zu zwei Stunden, so Röhl. Wenn nach einer längeren Trockenphase der Regen komme, werde etwa extrem viel eingespült. Merkliche Abhilfe soll bald das neue Pumpwerk mit anderer Hydraulik und Schneidwerk schaffen. Es zerkleinere die langen Zöpfe, erklärt Röhl. Ganz verschwinden würde der Anfall damit wohl nicht, aber sich massiv reduzieren. Wie er erläutert, arbeite man in Blankenloch wie wohl weithin in kleineren Anlagen mit Kreiselpumpen. Mit Schneckenpumpen hätte man – bei allerdings anderen Voraussetzungen hinsichtlich Platzbedarf und Preisniveau – keine Probleme. Für Blankenloch wäre es aber ein zu großer Umbau.

Das Problem ist neu

Wie die Mitarbeiter ergänzen, habe es das Problem mit den Faserstoffen früher und geschätzt bis vor vielleicht 15 Jahren in dieser Form nicht gegeben. Jedoch nicht nur an den Pumpen sind sie regelmäßig zu Gange. Alles, was der Rechen nicht herausfiltert und sich in der Kläranlage sammelt, muss herausgeholt werden. Ralf Leclerc führt mit Haken und Stange am Ablaufsbelebungsbecken vor, welch gewaltige schwere Faserbrocken sich dort ansammeln. Etwa alle sechs Wochen muss dort zusätzlich gereinigt werden. Was der hohe Arbeitsaufwand an Mehrkosten bringe, könne man nicht genau beziffern, heißt es vom Rathaus. Im Budget schlage es sich auf alle Fälle wegen der erhöhten Wartungszyklen nieder. Röhl weist darauf hin, dass die Problematik bei unterschiedlichen Anlagen und örtlichen Verhältnissen mehr oder weniger stark ausgeprägt sei. Mit den neuen Pumpen erwarte man jedenfalls eine deutliche Verbesserung.

Keine größeren Probleme in Pfinztal

In Pfinztal gestaltet sich die Lage dagegen entspannter, wie der dortige Bauamtsleiter Günter Knobloch berichtet. Am zentralen kommunalen Klärwerk in Berghausen sind etwa 17.500 Einwohner angeschlossen. Eine wesentliche Rolle komme der Rechenanlage zu, die Grobstoffe automatisch abstreife, bevor über das Schneckenpumpwerk zum Abfall weitergedrückt werde. Zwar könnte es dabei zu Verstopfungen kommen, aber wegen des Rechens gebe es im Klärwerk keine größeren Probleme, so Knobloch. Solche würden auch bei den Pumpstationen mit Vorschneidewerk auf freier Strecke nicht zu schaffen machen. Jedoch verhalte es sich dort ohne Rechenanlage etwas anders. Fließstoffe könnten diese Kreiselpumpen öfter verstopfen. Es komme darauf an, wie massiv diese anfallen würden. Tatsächlich würden sogar Textilien bis zum ganzen Designeranzug über den Abfluss entsorgt.

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