Symbolbild: Ein freiwilliger Helfer hält ein Schild auf deutsch, englisch und arabisch, auf dem Hilfe für Flüchtlinge angeboten wird.
Symbolbild: Ein freiwilliger Helfer hält ein Schild auf deutsch, englisch und arabisch, auf dem Hilfe für Flüchtlinge angeboten wird. | Foto: Marks/dpa

Interview mit Heinz Maier

Flüchtlingshilfe Stutensee hat rund 40 Migranten zu Jobs verholfen

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Vier Jahre ist es her, dass Kanzlerin Angela Merkel entschied, dass die deutschen Grenzen trotz der vielen auf das Land zusteuernden Flüchtlinge offen bleiben sollten. Inzwischen ist der Flüchtlingsstrom abgeebbt und die Integration der Zugewanderten in den Mittelpunkt gerückt. Die Flüchtlingshilfe in Stutensee hat sich in den ersten Tagen der Krise gegründet und zählt mittlerweile fast 100 Ehrenamtliche, die sich um die neuen Mitbürger bemühen. Vorsitzender Heinz Maier hat mit unserem Redaktionsmitglied Laura Schüssler über die Schwerpunkte der Integrationsarbeit und die Herausforderungen gesprochen.

Seit Beginn der Flüchtlingskrise sind vier Jahre vergangen. Wie hat sich Ihre Arbeit in dieser Zeit verändert?

Maier: Am Anfang ging es ja vor allem darum, die Not der Menschen zu lindern, mal ein paar Schuhe oder ein Fahrrad zu besorgen. Das haben wir inzwischen hinter uns. Jetzt geht es darum, die Menschen in Arbeit zu bringen und dafür zu sorgen, dass die Kinder einen Schulabschluss und anschließend eine Ausbildung absolvieren. Damit sie gesellschaftlichen Anschluss bekommen.

Welche Schwerpunkte setzt die Flüchtlingshilfe Stutensee in ihrer Arbeit?

Maier: Wir haben viele Angebote im pädagogischen Bereich: Lernbegleitung, Deutschunterricht oder Nachhilfe in Wirtschafts- und Gemeinschaftskunde. Da tun sich vor allem unsere Berufsschüler oft schwer. Und seit einem Jahr beteiligen wir uns am Projekt Job Coach, das vom Landratsamt initiiert wurde.

Heinz Maier ist einer von vielen Helfern, die Flüchtlinge bei der Suche nach einer Arbeitsstelle oder einem Ausbildungsplatz unterstützen.
Heinz Maier ist einer von vielen Helfern, die Flüchtlinge bei der Suche nach einer Arbeitsstelle oder einem Ausbildungsplatz unterstützen. | Foto: Schüssler

Wie läuft das?

Maier: Auf der einen Seite stehen die Flüchtlinge, die in Arbeit kommen sollen, auf der anderen Seite Unternehmen, die Mitarbeiter suchen. Die Job Coaches betreuen ihre Flüchtlinge so lange, bis die eine Anstellung gefunden haben. Wir beobachten die Jobbörsen, um die Flüchtlinge auf geeignete Stellenanzeigen aufmerksam machen zu können, und helfen ihnen dabei, einen Lebenslauf anzufertigen. In unserer Computer-AG können sie sich dann auf die Stellen bewerben.

„Die Menschen brauchen eigene Wohnungen“

Wie vielen Flüchtlingen haben Sie inzwischen in Arbeit verholfen?

Maier: Ich denke, dass wir in den letzten zwei Jahren 30 bis 40 Personen in Jobs und 15 bis 20 junge Flüchtlinge in Ausbildung bringen konnten. Das alles natürlich in Zusammenarbeit mit den Integrationsmanagern, dem Jobcenter und dem Familienbüro der Stadt Stutensee. Denn klar: alles Rechtliche ist Sache der Hauptamtlichen.

Wie ist die Stimmung unter den ehrenamtlichen Helfern?

Maier: Insgesamt ist die Stimmung gut. Die meisten sind stolz auf sich und freuen sich, dass sie etwas für sich selbst mitnehmen können. Und was mich manchmal ein bisschen überrascht, ist, dass tatsächlich auch immer wieder Neue zu uns stoßen, die sich engagieren möchten. Aber natürlich gibt es auch die, die frustriert sind und sich mal eine Auszeit nehmen oder sich eine andere Aufgabe innerhalb der Flüchtlingsarbeit suchen. Denn in der Arbeit mit Flüchtlingen kommt es oft anders, als man denkt. Deswegen sind wir um jede Stunde froh, die unsere Ehrenamtlichen leisten und in der die Flüchtlinge Kontakt zu Einheimischen haben.

Hat die Flüchtlingshilfe die größten Hürden genommen oder liegen die noch vor ihr?

Maier: Was die Arbeitssituation der Menschen angeht, habe ich das Gefühl, sind wir in Stutensee schon relativ weit. Viele Flüchtlinge haben einen Job gefunden und nächstes Jahr schließen die ersten ihre Ausbildungen ab. Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Wir müssen uns darum kümmern, dass die Menschen nicht länger in ehemaligen Gemeinschaftsunterkünften wie in der Lorenzstraße oder dem Seegrabenweg leben, sondern in eigenen Wohnungen, wo sie auch Kontakt zu Nachbarn bekommen, die hier schon immer oder länger leben. Und wir müssen uns noch stärker um die Frauen kümmern, zum Beispiel darum, dass auch die jungen Mütter Deutschkurse besuchen können. Nur so verhindern wir, dass Parallelgesellschaften entstehen.