Die Foodsaverin Barbara Leichsenring beim Befüllen des „Fairteilerschranks“ in Eggenstein-Leopoldshafen. Neun solcher Schränke gibt es rund um Karlsruhe. | Foto: Werner

Angebot wird angenommen

Foodsaver stellen „Fairteilerschrank“ in Eggenstein-Leopoldshafen auf

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Seit rund einer Woche steht in der Eggensteiner Bachstraße 12 ein „Fairteilerschrank“ für Lebensmittel. Darin: Noch genießbare Ware mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum oder Essbarem, das Leute nicht mehr selbst verbrauchen würden. Das Angebot kommt kommt an, die Initiatorin Barbara Leichsenring ist mit dem Start zufrieden. Immer wieder muss der Schrank nachgefüllt werden.

Von unserem Mitarbeiter Alexander Werner

Von der Menge der positiven Reaktionen sei sie überwältigt, bekundet die im Karlsruher Bezirk der bundesweiten Foodsaver-Umweltinitiative Engagierte. Gerade hat sie den Schrank mit Kürbissen, Gemüse, Obst, Teigwaren und Schokolade gefüllt. Wie andere der im Bezirk insgesamt um die 700 aktiven Foodsaver holt sie regelmäßig Waren bei kooperierenden Landwirten, Einzelhändlern oder Bäckereien in der Umgebung ab.

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Grundsätzlich habe jeder Bürger die Möglichkeit, Lebensmittel in den Schrank einzustellen oder mitzunehmen, informiert Barbara Leichsenring. Dass das bereits gut in Anspruch genommen werde, erlebe sie bei sich leerendem und wieder füllendem „Fairteiler“ täglich.

Wer mitmacht, weiß man nicht

Wer genau mitmache, könne sie aber nicht sagen, erklärt Barbara Leichsenring. Das bekomme sie normalerweise nicht mit. Alles laufe anonym. Sicherlich reiche das Spektrum von finanziell weniger gut gestellten Leuten bis zu solchen, denen es genau um das gehe, was die Initiative ausmache.

Konkret heißt das für sie und ihre Mitstreiter, auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen und etwas dagegen zu tun. Das schließt ebenso Aufklärung über den Aspekt der Ressourcen ein, die aufgebracht würden, um Lebensmittel herzustellen.

Die Auswirkungen würden sich bis hin zum Klimawandel erstrecken, gibt die Eggensteinerin zu bedenken.

Die Foodsaver holen Lebensmittel selbst ab

In den Schrank kämen noch genießbare Waren mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum oder solche, die Leute nicht mehr selbst verbrauchen würden. Wichtig zu betonen sei, dass nur Produkte bei Kooperationspartnern abgeholt würden, die von den Tafeln nicht mitgenommen würden. Insofern handle es sich nur um Waren, die nah am Ablauf des Haltbarkeitsdatums und darüber lägen oder beschädigte Verpackungen aufweisen.

„Prinzipiell haben die Tafeln Vorrang. Wir nehmen das mit, was ansonsten in der Tonne landen würde“, hebt Barbara Leichsenring hervor. Foodsaver kontrollieren und reinigen die derzeit neun Schränke im Bezirk regelmäßig nach einem festen Hygieneplan.

„Es ist ein Testprojekt“

Eggenstein-Leopoldshafen steht für den ersten Schrank in einer ländlichen Gemeinde. „Für mich ist spannend zu sehen, wie das Angebot dort angenommen wird und wie die Reaktionen sind“, ergänzt Barbara Leichsenring.

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Davon hänge auch ab, ob mehr Zeit und Geld hinein gesteckt werden: „Es ist noch ein Testprojekt. Bewährt es sich, können wir darüber nachdenken, einen Kühlschrank zu installieren.“ Unterstützung für ein in wärmeren Jahreszeiten nötiges Gerät oder bei Standplätzen fand die Initiative zurückliegend bei Firmen und Kommunen. Wer mitmachen will, ist willkommen. Das Gleiche gilt für neue Helfer, die gebraucht werden.

Botschafterin der Foodsharing-Bewegung

Der Karlsruher Bezirk deckt sich nicht mit dem Landkreis. Es gehören im Raum auch Städte wie Ettlingen oder Rheinstetten dazu. Pilot mit eigenem Bezirk ist seit Kurzem auch Bruchsal.

Barbara Leichsenring ist dort jetzt zusätzlich als „Botschafterin“ ansprechbar. Gewerblichen Charakter habe die Initiative nicht, erläutert sie. Spenden würden auch nicht angenommen. Es sei ein Verschenken zwischen Privatleuten.

Das gehe noch weiter: So kann jeder, der will, über die zentrale Plattform www.foodsharing.de und die dort aufrufbaren Bezirke Produkte einstellen oder zum Abholen auswählen. Abnehmer kann dort auch etwa der finden, der seine Obstbäume nicht selber abpflücken kann oder möchte.

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Nachricht dieser Woche: 75 Kilo Lebensmittel schmeißt jeder Deutsche pro Jahr weg. Mal ein Joghurt, mal hat es vorm Urlaub nicht gereicht, das ganze Obst und Gemüse aufzubrauchen. Also weg damit, bevor es im Kühlschrank gammelt. Eigentlich schade – gibt es doch Menschen, die noch etwas damit anfangen könnten. Die kann man beispielsweise über den „Fairteilerschrank“ erreichen.

Was ganz easy und clever klingt, hat aber auch ein paar Fallstricke, die den Foodsavern durchaus geläufig sind. Das fängt dabei an, was in den Schrank rein darf und dass der Inhalt des Schrankes und der Zustand der Lebensmittel regelmäßig kontrolliert werden müssen. Auch für Hygiene im „Fairteiler“ muss gesorgt werden. Schließlich ist es generell schwierig, Lebensmittel am Straßenrand zu lagern – deutlicher: Auch Nagetiere sind Leckermäuler. Zuletzt bleibt die Frage, wer haftbar ist, wenn jemand durch Lebensmittel aus dem Schrank zu Schaden kommt, um mal einen ganz bösen Gedanken zu äußern.

Dass die Foodsaver das Ganze noch als Testprojekt sehen, passt vor dem Hintergrund. Potenzial hat die Idee aber. Der Schrank ist anonym, niemand muss sich als bedürftig outen. Am Schönsten wäre es aber, wenn Menschen sich direkt aushelfen würden. Vielleicht mal nachfragen bei den Nachbarn, ob sie Gurken und Blumenkohl-Köpfe brauchen, die man selbst nicht mehr wegschafft. Das würde auch bedeuten, ein wenig achtsamer miteinander umzugehen. Das wäre toll.  (lbs)