Das Pfinztaler Rathaus im Ortsteil Söllingen: Bleibt Nicola Bodner Chefin oder gewinnt ihr Herausforderer Rene Rose die Bürgermeisterwahl am 10. November? | Foto: Müller

Fragen an die Kandidaten

Welche Pläne haben die beiden Bürgermeisterkandidaten für Pfinztal?

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Wie sehen die Pläne für die ungute finanzielle Lage in Pfinztal aus? Und was gedenken die Kandidaten gegen die Verkehrsprobleme zu tun? Vor der ersten Vorstellung der Kandidaten für die Bürgermeisterwahl, die am 10. November stattfindet, haben Bürgermeisterin Nicola Bodner und René Rose Fragen zu ihren Plänen für Pfinztal beantwortet.

Die offizielle Vorstellung der Kandidaten findet heute um 19 Uhr in der Pfinztalhalle Berghausen statt.

Die finanzielle Lage von Pfinztal ist alles andere als rosig. Welche Ideen und Vorstellungen haben sie, den Haushalt langfristig, wenigstens aber mittelfristig, zu konsolidieren?

Bodner: „Investieren und Geld ausgeben – und gleichzeitig Geld einsparen, das geht nicht! Haushaltskonsolidierung bleibt eine Daueraufgabe – wie für alle meine Vorgänger. Wir kommen nicht umhin, Prioritäten zu setzen und manchen Wunsch zurückzustellen. Erfolge haben wir in mehreren Bereichen zu verzeichnen, etwa bei den Energiekosten.

Pfinztal hat seit Jahren nahezu gleichbleibende Ausgaben für Strom und Heizung – trotz steigender Energiepreise. Warum? Hier nenne ich unsere Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED, das Blockheizkraftwerk, die Hackschnitzelanlage oder die Photovoltaikanlagen auf unseren öffentlichen Gebäuden.

Wenn es um die Sicherheit unserer Bürger geht, etwa Winterdienst und Brandschutz, kommen Sparmaßnahmen erst an zweiter Stelle. Vorrang haben auch die Betreuung und Bildung unserer Kinder. Wo können wir Geld herbekommen? Ich bringe berufliche Erfahrungen in der Fördermittelberatung mit und will diese weiter nutzen. Beispiel: der Hochwasserschutz, der mit 2,5 Millionen Euro bezuschusst wird.

Nicola Bodner | Foto: pr

Rose: „ Die finanzielle Lage ist eines meiner ersten Themen, in die ich mich in Höchstgeschwindigkeit einarbeiten werde. Denn es muss im Detail überprüft werden, welche aktuellen und geplanten Projekte sich positiv und in welcher Stärke auf die Ein- und Ausgabensituation auswirken.

Darauf basierend werde ich mich dafür einsetzen, die Projekte mit dem größten positiven Hebel zu beschleunigen, um hier eine kurzfristige und positive Veränderung zu erreichen. Mittelfristig müssen vordringlich die Projekte mit positiven Effekten – unter Nutzung der bereitgestellten Geldtöpfe vom Bund und Land – für Investitionen wie beispielsweise den Klimaschutz und Digitalisierung initiiert und realisiert werden. Langfristiges Ziel ist es für die Gemeinde Pfinztal, Werte beispielsweise auch in Form von Beteiligungsmodellen zu schaffen und aus eigener Kraft Freiräume für Investitionen zu ermöglichen.“

René Rose | Foto: Klaus Müller

Die Verkehrslage in der Gemeinde, insbesondere in Berghausen, ist seit Jahren mehr als angespannt. Was lässt sich – wenn überhaupt – kurzfristig machen, um für die Anwohner Entlastung herbeizuführen?

Bodner: „Seit 1939 wird nach einer guten Lösung gesucht. Doch wir sind abhängig von übergeordneten Stellen. Hunderte von persönlichen Gesprächen, ob Berlin oder Stuttgart, hat es in meiner Amtszeit gegeben. Es ist ein Bohren ganz, ganz dicker Bretter.

Der aktuelle Stand? Es geht voran, wenn auch nicht so schnell, wie ich es mir wünsche. Das Planfeststellungsverfahren B293 wird voraussichtlich 2020 eingeleitet. Kurzfristig müssen übergeordnete Verkehrsbehörden unbedingt dafür sorgen, dass es nicht noch Mehrbelastungen, etwa Umleitungen durch Ortsteile, gibt.“

Rose: „Es ist klar, dass mit Optimierungen in den Straßenleitsystemen und anderen kleineren Maßnahmen kurzfristig eine gewisse Verbesserung erreicht werden kann. Zudem werde ich mich bei den passenden Stellen des Bundes und auch der Länder dafür stark machen, dass zumindest kurz- und mittelfristig – insbesondere solange die mitverursachenden Störungen im Umland durch Baustellen existieren – Einschränkungen für den Schwerlastverkehr vorgenommen werden.“

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Was ist für Sie „typisch Pfinztal“? Und was braucht Pfinztal nun wirklich nicht?

Bodner: „Mein Mann, meine zwei Kinder und ich sind heimisch geworden. Wir alle fühlen uns sehr wohl. Ich liebe Pfinztal und habe es noch zu keiner Sekunde bereut, hier Bürgermeisterin zu sein und hier zu wohnen. Pfinztal – und das ist für mich typisch – besitzt einen einzigartigen Natur- und Erlebnisraum.

Wenn ich Besucher durch unsere Gemeinde führe, äußern diese stets Lob und Anerkennung. Unsere Vereinswelt funktioniert bestens. Darauf bin ich stolz. Worauf Pfinztal verzichten könnte, ist der starke Durchgangsverkehr, der unsere Wohn- und Lebensqualität beeinträchtigt. Doch ich glaube, dass wir eine Lösung hinbringen. Unnötig wie der Straßenverkehr sind auch manche parteipolitischen Reibereien.“

Rose: „Für mich ist „typisch Pfinztal“ das Engagement der Bürger*innen in den Vereinen, sozialen und kirchlichen Institutionen. Herausragend sind für mich im Bereich der Kinder- & Jugendförderung: PfinziWATZ, die Kinderferienstadt, sowie die seit 25 Jahren existierende Aloys-Henhöfer-Schule.

Zudem liegt Pfinztal eingerahmt in einem grünen Band der Biodiversität, wobei insbesondere Wöschbach für mich eine Art Oase darstellt. Und was braucht Pfinztal nun wirklich nicht? Pfinztal benötigt sicherlich nicht noch mehr Schwerlastverkehr und Staus auf den Bundesstraßen sowie Verspätungen und Ausfälle im ÖPNV.“

Warum werden Sie der bessere Bürgermeister, die bessere Bürgermeisterin sein?

Bodner: „In den vergangenen acht Jahren habe ich versucht, die Bürgerschaft von mir und meiner Arbeit zu überzeugen. Meine Rathausarbeit – stets sachlich, zielorientiert und ausgleichend – möchte ich fortsetzen. Für das Amt bringe ich eine umfassende Verwaltungsausbildung und -erfahrung mit. Ein breitgefächertes Fachwissen kann ich – nicht zuletzt dank achtjähriger Arbeit als unabhängige Bürgermeisterin – vorweisen. Verwalten und gestalten – das gehört für mich zusammen.“

Rose: „Die Frage, ob Frau Bodner oder ich der/die bessere Bürgermeister*in wäre, ist meines Erachtens unerheblich, da es nicht um einen direkten Vergleich der Kandidaten geht. Vielmehr steht im Vordergrund, welche Schwerpunkte sich die Bürger*innen für die kommenden acht Jahre wünschen.

Haben die Bürger*innen einen gestaltungs- und zukunftsorientierten Fokus, so bringe ich als Diplom-Wirtschaftsingenieur mit Erfahrung im IT-Produktmanagement das Nötige mit, damit wir aus Visionen Realität werden lassen und die Herausforderungen der schneller werdenden Entwicklungen meistern, denn: Veränderung beginnt hier. Ich bitte die Bürger*innen von Pfinztal: Gehen Sie zur Wahl! Stimmen Sie für die Zukunft Ihrer Gemeinde!“