Akku-Forschung am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal: Zwei Mitarbeiterinnen des Instituts sezieren eine Lithium-Ionen Zelle. Das Institut hofft, beim Bundesförderprogramm „Batteriezelle“ entscheidend berücksichtigt zu werden.
Akku-Forschung am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal: Zwei Mitarbeiterinnen des Instituts sezieren eine Lithium-Ionen Zelle. Das Institut hofft, beim Bundesförderprogramm „Batteriezelle“ entscheidend berücksichtigt zu werden. | Foto: ICT

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Fraunhofer-Institut in Pfinztal will beim Förderprogramm „Batteriezelle“ dabei sein

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Das Bundesforschungsministerium hat ein über 500 Millionen Euro schweres Förderprogramm „Batteriezelle“ aufgelegt – und das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) in Pfinztal-Berghausen könnte einer der wesentlichen Akteure sein.

Um was geht es? Nicole Hoffmeister-Kraut, die Wirtschaftsministerin des Landes, spricht bezüglich des Programms aus Berlin „von einem entscheidenden Hebel, um den Weg zu einer industriellen Batteriezellproduktion in Deutschland zu ebnen“.

Das sieht auch Jens Tübke so, der bei der Fraunhofer-Gesellschaft das Thema Batterien verantwortet. Fraunhofer macht deutlich, dass die Technik von Energiespeichersystemen im Umbruch ist. Beispiel: „Elektroautos benötigen leistungsfähige Batterien, und der Strom aus erneuerbaren Energien wie Sonne oder Wind ist auf stationäre Energiespeicher angewiesen.“

Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher

Genau da liegt das Problem. Deutschland ist bei der Fertigung solcher leistungsfähiger Batterien – zumal in großer Menge und zu marktgerechten Preisen – asiatischen Ländern hinterher. Deshalb soll nun auch im großen Maßstab geforscht werden, damit Deutschland in der Batteriezellforschung und -fertigung angesichts der wachsenden Nachfrage vorankommt.

Jens Tübke leitet die Angewandte Elektrochemie beim ICT in Pfinztal.
Jens Tübke leitet die Angewandte Elektrochemie beim ICT in Pfinztal. | Foto: ICT

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat nun im Auftrag des Bundesforschungsministeriums zu diesem Zweck acht Einrichtungen zur Standortbewerbung aufgerufen. Prominent ist dabei das Land Baden-Württemberg vertreten, wie Jens Tübke meint.

Vieles spricht für den Standort Baden-Württemberg

Da gebe es nicht nur Einrichtungen, die in der Energie-, Batterie- und Speicherforschung Herausragendes leisten – darunter finden sich das Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoffforschung Ulm, das KIT oder eben das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal.

Aus Sicht von Jens Tübke spricht für den Standort Baden-Württemberg beispielsweise, dass dort der Batteriehersteller Varta (Ellwangen) seinen Hauptsitz hat. Auch Unternehmen wie Leclanché in Willstätt bringen erhebliche Expertise auf diesem Feld mit.

Nicht nur für Elektroautos relevant

Das Thema Batteriezelle ist keineswegs auf „große Themen“ wie das Elektroauto beschränkt. Im Gegenteil. Jeder Akku, der in einem Haushaltsgerät steckt, muss eigentlich unter die Lupe genommen werden. „Dass die Technik noch verbesserungsfähig ist, merkt man allenfalls, wenn man das Smartphone jeden Abend neu aufladen muss.

Ansonsten gab es bisher keinen Grund, sich über Batterien Gedanken zu machen“, schreibt Fraunhofer auf seiner Homepage und macht damit deutlich, um was es auch geht. Im Zuge der Energiewende werden Batterien als Speichermedium benötigt, um die schwankende Produktion bei Fotovoltaikanlagen oder Windrädern auszugleichen.

Bewerbung ist nächster Schritt

Gerade da ist ein Schwerpunkt der Forschungen, die Jens Tübke auf dem Hummelberg in Pfinztal-Berghausen leitet. Bekanntlich steht an der Bruchkante zum Rhein oberhalb von Karlsruhe-Grötzingen ein Windrad, dessen Stromleistung in einer redox-flow-Batterie gespeichert werden soll. Das Projekt wird mit knapp 20 Millionen Euro kalkuliert.

Wie geht es nun mit gut 500 Millionen weiter? Fraunhofer hat bundesweit zu Bewerbungen aufgerufen. Am Schluss sollen wohl bundesweit zwei Linien stehen, schätzt Jens Tübke. Dass Baden-Württemberg und das ICT in Pfinztal dabei sind, hofft er sehr: „Die Voraussetzungen und die Expertise in unserem Bundesland sind einfach gut.“

Zu diesem Thema gibt es im Netz ein Interview mit Jens Tübke.