Als vorweihnachtliche Boten beschenken die CVJM-Nikolause (hier von links) Daniel Kloft, Joachim Oettinger, Jürgen Bräutigam, Thorsten Ledig, Marvin Stängle (Knecht Ruprecht) und Lukas Trojanski an diesem Donnerstag Kinder. | Foto: pr

CVJM-Mitarbeiter bei Kindern

„Freude des heiligen Nikolaus in die Häuser bringen“

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„Wir wollen Freude bringen“, sagt Joachim Oettinger: „Die Freude, die vom heiligen Nikolaus ausgeht.“ Oettinger, der bei den Stadtwerken in Karlsruhe arbeitet, ist langjähriger Aktiver beim CVJM in Linkenheim. Seit einigen Jahren organisiert er zusammen mit seiner Frau Gabriele zum Nikolaustag Besuche bei Kindern in Linkenheim und in Hochstetten.

Kein Schlitten und keine Rentiere

Für die Mitarbeiter des CVJM und den einen oder anderen Mitwirkenden aus deren Freundeskreis ist es aus ihrem christlichen Grundverständnis heraus klar, dass der Nikolaus nicht die vorweihnachtliche Gestalt ist, die mit ihren von Rentieren gezogenen Schlitten durch die Wolken saust.

Bischof in Myra

Nein, der heilige Nikolaus ist die Person, die als Bischof in Myra in Kleinasien lebte und wirkte und unter der Christenverfolgung zu leiden hatte. Um 350 ist er in Myra (heute Demre in der Provinz Antalya in der Türkei) gestorben. Der hatte, nachdem er zum Priester geweiht worden war, sein ererbtes Vermögen an die Armen verteilt. Und heute bringt er, wie seit Jahrzehnten, Geschenke für die Kinder. In dieser Tradition sehen sich die Linkenheimer CVJM-Leute.

Infos in Kitas

Schon zeitig vor dem Nikolaustag legen sie die Informationszettel in den Kindergärten aus und bitten um Anmeldung. „Um die 40 Interessenten sind es üblicherweise. Dabei sind immer wieder Eltern, deren Kinder wir schon im Jahr zuvor besucht haben, aber auch immer wieder neue Familien“, berichtet Oettinger. Kindergartenkinder sind es zumeist, ab und zu auch welche, die schon in die Grundschule gehen.
„Wir sind nur an diesem einen Tag unterwegs“, erläutert Oettinger.

Unterwegs zu Familien

„Wir“ bedeutet in diesem Fall eine Gruppe von etwa fünf bis sieben Männern, die im roten Kostüm mit Kapuze und mit langem, dichtem, weißem Bart die angemeldeten Adressen aufsuchen. Die „Nikolause“ teilen sich auf, immer nur einer geht in eine Familie. „Wir haben drei Stunden vorgesehen, zwischen fünf und sechs, zwischen sechs und sieben und zwischen sieben und acht.“ Dann ist der Besuchsdienst zur Verteilung der Geschenke erledigt. Diese Geschenke haben die Eltern für ihre Kinder vorbereitet, der besuchende Nikolaus packt sie ein, und die Kinder werden dann von ihm beschenkt.

Wir wollen die Kinder ermutigen

„Wir legen großen Wert darauf, dass wir die Kinder nicht verängstigen, und wir bitten die Eltern, wenn sie uns über ihre Kinder informieren, Positives herauszustellen, gute Taten also. Die Kinder, die wir besuchen, sind alle brav“, meint Joachim Oettinger. Es komme ja nicht darauf an, dass der Nikolaus als „Erzieher“ gesehen werde, sondern als einer, der Freude ins Haus bringe. „Wir wollen die Kinder ermutigen, nicht kritisieren oder gar schimpfen.“

Gedichte oder Lieder

„Wir lassen uns gerne ein Gedicht vortragen oder ein Lied vorsingen.“ Der Besuch sei aber auf eine gute Viertelstunde beschränkt: „Der Nikolaus hat ja noch viele andere Kinder zu besuchen“, schmunzelt Oettinger. Und: „Das ,Goldene Buch‘ ist immer dabei.“

Die Tradition wollen wir weiter pflegen

Nach dem Besuchsabend – übrigens auch bei Migrantenfamilien – folgt der Erfahrungsaustausch der Nikolaus-Gruppe bei Punsch und Lebkuchen: Aus der Aktion, die der CVJM vor einigen Jahren in der Nachfolge der örtlichen Awo übernommen hat, habe sich eine gute Tradition weiterentwickelt, die man weiterhin pflegen wolle. Und für den CVJM, respektive dessen Jugendarbeit, komme über Spenden, die die besuchten Familien geben, wieder Gutes zurück.

 

Stichwort: Nikolaus
Der 6. Dezember um das Jahr 350 gilt als Todestag des heiligen Nikolaus. Dieser Tag wird in Andenken an seine guten Taten gefeiert. Um den Bischof von Myra kreisen viele Legenden und Mythen. Von besonderer Bedeutung für die heutige Tradition, den Festtag zu begehen, ist die legendenhafte Geschichte von einem sehr armen Mann: Ihm fehlte das Geld für die Heirat seiner drei Töchter, weshalb er sie in die Prostitution schicken wollte. So ist es in einschlägigen Lexika nachzulesen.
Als Nikolaus davon erfuhr, warf er Gold in den Kamin des Hauses der Mädchen. Dieses fand sich in ihren Stiefeln und Socken wieder, die dort zum Trocknen hingen. So rettete er die Mädchen vor ihrem Schicksal.
So ist die Tradition an die Legende der drei Jungfrauen angelehnt worden. Der Nikolaus soll seitdem jedes Jahr an seinem Todestag durch den Kamin kommen und brave Kinder mit Geschenken bescheren. Dabei legt er die Geschenke in Stiefel, Schuhe oder Socken.