Pia Steinbrenner (links) und Annika Völkner (rechts) machen ihre Ausbildung zur Erzieherin im Kindergarten Regenbogen in Friedrichstal. Pia macht eine praxisintegrierte Ausbildung (PIA) und Annika die klassische Ausbildung. | Foto: Manzey

BNN-Serie (Aus)Gebildet

Friedrichstaler Kindergarten bietet zwei Wege in den Erzieher-Beruf an

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Mit der Einführung der praxisintegrierten Ausbildung (Pia) gibt es in Baden-Württemberg zwei Wege, den Erzieherberuf zu erlernen. Im Kindergarten Regenbogen in Friedrichstal gibt es beide Ausbildungsformen. Die Auszubildenden Pia Steinbrenner und Annika Völkner erzählen in der BNN-Serie „(Aus)Gebildet“ von den jeweiligen Vorteilen ihrer Ausbildung und was es heißt, Erzieher zu werden.

Wer heute in Baden-Württemberg Erzieher werden möchte, hat zwei Möglichkeiten: die klassische oder die praxisintegrierte Ausbildung, kurz Pia. Im Kindergarten Regenbogen in Friedrichstal gibt es beide Ausbildungsformen:

Gehalt erst im Anerkennungsjahr

Die 20-jährige Annika folgt dem klassischen Ausbildungsmodell. Sie ist aktuell im vierten Jahr ihrer Ausbildung und macht in Friedrichstal ihr Anerkennungsjahr. Im ersten Jahr besuchte sie ein Berufskolleg. Auch das zweite und dritte Jahr ist bei der klassischen Erzieher-Ausbildung rein schulisch.

Gehalt bekam Annika daher auch nicht. Im Anerkennungsjahr verdient sie jetzt 1.200 Euro. Bezahlt wird sie dabei nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienst – eine freiwillige Selbstverpflichtung kirchlicher Einrichtungen. Nach neuester Regelung können Erzieher-Auszubildende auch Bafög erhalten.

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Unterbezahlter Frauenberuf?

Dass Erzieher ein unterbezahlter (Frauen-)Beruf ist, findet sie nicht. Auch in den Berufsschulklassen zeige sich inzwischen ein anderes Bild. Wo früher nur ein oder zwei männliche Kollegen saßen, sei das Geschlechterverhältnis heute nahezu ausgeglichen. Viele Männer würden später auch in Heimanstalten oder im Hort arbeiten.

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Pia-Auszubildende werden sofort bezahlt

Die 22-jährige Pia hingegen wird in allen drei Ausbildungsjahren in der Kita eingesetzt. Da sie sich mit Abitur beworben hat, musste sie nur ein sechswöchiges Praktikum im Vorfeld absolvieren. Ohne Abitur brauchen Auszubildende für die praxisintegrierten Ausbildung ein Vorjahr, erklärt Pia. Jetzt im zweiten Lehrjahr verdient sie 900 Euro netto, eingestiegen ist sie mit 800 Euro.

Sie habe zwar schon immer etwas mit Kindern machen wollen, erzählt sie, doch ihre Eltern bestanden nach dem Abitur auf ein Studium. Als sie das abgebrochen habe, seien ihre Eltern sehr enttäuscht gewesen. Inzwischen hätten sie sich aber mit ihrer Berufswahl arrangiert. Für ihre Mutter steht mittlerweile fest: Ihre Tochter hat den richtigen Beruf für sich gefunden.

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Eltern zeigen meist Wertschätzung für den Erzieher-Beruf

Einfach so auf ein Kind zuzugehen, erfordere Mut, sagt Annika. Sie hatte am Anfang Sorge, von den Kindern nicht angenommen zu werden. Doch die Angst verflog schnell. Ihr Job besteht vor allem auch aus Beobachten und Einordnen. Wie verhält sich ein Kind? Was beschäftigt es gerade? Beide finden es spannend, mit den vielen verschiedenen Facetten der Kinder umzugehen. Sobald die Eltern nach dem Bringen weg seien, merke man, wie sich die Kinder verändern, sagen Pia und Annika. So manches ruhige Kind dreht in der Kita erst richtig auf.

Jeder, der Kinder hat, weiß unseren Beruf zu schätzen.

Pia Steinbrenner, Auszubildende

Der Kontakt mit den Eltern kann da zur Herausforderung werden. Die meisten Eltern seien aber besorgt um ihre Kinder und mit Nachdruck bei der Sache. „Jeder, der Kinder hat, weiß unseren Beruf zu schätzen“, ist Pia überzeugt. Die eigenen Freunde zeigen da mitunter schon weniger Wertschätzung.

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Geduld und Einfühlungsvermögen sind Grundvoraussetzungen

Mit der Lautstärke im Kindergarten lerne man umzugehen, bestätigen beide. Geduld sei aber trotzdem eine Grundvoraussetzung. Zu Beginn habe es ihr daran noch etwas gemangelt, verrät Annika, aber: „Geduld lernt man.“ Und auch wenn sie im Freundeskreis oft danach gefragt werde, an ihrem Kinderwunsch habe sich seit der Arbeit im Kindergarten nichts geändert, fügt sie lachend hinzu.

Man bekommt so viel zurück von den Kindern.

Pia Steinbrenner, Auszubildende

Sicher gebe es immer wieder einzelne Situationen, die einen an den Rand Belastbarkeit brächten. Doch besonders, wenn sie einen schlechten Tag hat, ist Pia immer wieder überrascht, wie einfühlsam Kinder sein können. Manches Kind drücke sie dann einfach. „Man bekommt so viel zurück von den Kindern.“

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