Frisörin sucht Laden: Judith Antoni-Hannemann muss zum Jahresende ausziehen. Das ist unstrittig. Nur ein neues Ladengeschäft zu finden, ist schwieriger als gedacht. | Foto: Schwab

Container als Alternative?

Frisörin aus Stutensee muss raus – und findet keinen neuen Laden

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Judith Antoni-Hannemann muss raus. Die Frisörmeisterin sucht nach einem Wasserschaden für ihren kleinen Betrieb eine neue Bleibe. Doch obwohl in Stutensees Stadtteil Friedrichstal viele Läden leerstehen, gestaltet sich die Suche schwieriger als von ihr gedacht. Inzwischen würde sie auch zu drastischen Mitteln greifen, erzählt Antoni-Hannemann.

Sie war bereits „Klinkenputzen“ im Ort, bei leerstehenden Läden. „Es ist nicht zum Vermieten gedacht“: Den Satz hat Judith Antoni-Hannemann dabei öfter gehört. Einerseits kann sie die Vermieter verstehen. Oft ältere Eigentümer, die selbst den Laden hatten und eigentlich jetzt Ruhe wollen. Sie lassen lieber die Ladenfläche leerstehen oder vermieten sie als Lagerraum, das macht weniger Aufwand.

Andererseits: Antoni-Hannemann hat zwar nur einen kleinen Handwerksbetrieb, aber sie hat drei Angestellte und eine Auszubildende im Laden. Das, so findet die Frisörmeisterin, sollte doch auch zählen. „Ganz zu schweigen von den Kunden, die froh sind, mich im Ort zu wissen“, sagt sie. Und bei der Miete wolle sie das Ortsübliche problemlos zahlen.

„Wir stellen Kontakte her“

Nach einem Dutzend Anfragen, hat sie sich hilfesuchend an die Wirtschaftsförderung der Stadt und die Aktiven Selbstständigen Stutensee (ASS) gewandt. Bertram Hornung, der Vorsitzende des Gewerbevereins erklärt: Die ASS habe keine spezielle Plattform für Ladenvermietungen. „Alle Anfragen gebe ich weiter an die Wirtschaftsförderung, die dafür zuständig ist.“

Er kenne aber den Fall und bei der ASS höre man sich auch um. Seitens der Wirtschaftsförderung sagt Bürgermeister Edgar Geißler: „Wir stellen Kontakte her, sobald wir etwas wissen. Im konkreten Fall haben wir auch umgehend eine Adresse nennen können von einem Ladenbesitzer, der in Blankenloch etwas Passendes hat.“

Antoni-Hannemann will im Ort bleiben

Es gehöre zu den Aufgaben der Wirtschaftsförderung, solche Kontakte zu vermitteln, so Geißler, der in dem Zusammenhang auch auf Erfolge verweist, bei denen Kleinstunternehmen, die ursprünglich in Garagen begonnen hätten, im Ort gehalten wurden und wachsen konnten.

Beim Objekt in Blankenloch stellt sich für Antoni-Hannemann allerdings ein Problem: Eigentlich will sie in Friedrichstal bleiben. „Ich war 2010, als ich den Frisörladen eröffnet habe, wirklich überwältigt, wie herzlich und gut ich hier aufgenommen wurde“, sagt sie.

Einfach in einen anderen Stadtteil zu ziehen, möchte sie daher vermeiden. Zudem gehen die Kinder in Friedrichstal in den Kindergarten beziehungsweise in die Schule. Ihren Laden in einem anderen Stadtteil zu haben und dann auf ein Auto angewiesen zu sein, das möchte die Frisörin vermeiden.

Größe spielt für Wirtschaftsförderer keine Rolle

Wäre sie nicht ein kleiner Handwerksbetrieb sondern ein Mittelständler mit hoher Gewerbesteuer, da würde man ihr direkt beistehen, argwöhnt Antoni-Hannemann. „Das kann ich zurückweisen“, sagt Geißler. Zum einen sei es aus Sicht der Wirtschaftsförderung wichtig, sich gerade um die „Kleinen“ zu kümmern, wie das Beispiel mit der Garagenfirma gezeigt habe.

Zum anderen sei es gerade für ein kleineres Unternehmen doch viel einfacher, etwas Passendes zu finden. Gleichwohl sei es auch der Wirtschaftsförderung bewusst, dass einige ehemalige Läden leerstehen oder sogar zu Wohnraum umgenutzt würden. „Aber das ist auch ein Bedarf, das darf man nicht verkennen.“

Übergangslösung: ein Container?

Inzwischen hat Antoni-Hannemann eine ganz ungewöhnliche Idee: Einen Frisörcontainer. Das könnte zumindest helfen, Zeit zu schinden. Auch wenn es ein teures Provisorium wäre mit rund 13.000 Euro für sechs Monate, wie sie kalkuliert hat. Ohne Grundstücksmiete, versteht sich.

„Im Moment denke ich: Ende des Jahres ist Ende“, sagt sie resigniert. Eine andere Perspektive könne sie auch Stammkunden nicht geben, die ihre Termine planen möchten. Aber vielleicht, ganz vielleicht, tue sich doch noch etwas. „Ich habe ja so zwei, drei Strecken, die ich parallel fahre“, sagt sie und ergänzt ein wenig trotzig: „Es ist mein Leben.“