Großfamilie und Karriere: Der CDU-Politiker Daniel Caspary und die Medizinerin Katharina Caspary aus Weingarten.
Großfamilie und Karriere: Der CDU-Politiker Daniel Caspary und die Medizinerin Katharina Caspary aus Weingarten. | Foto: Ferber

Weingarten

Fünf Kinder und zwei Karrieren: EU-Politiker Daniel Caspary und seine Frau über Beruf und Familie

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Am Montag um fünf Uhr morgens ist das Wochenende vorbei. Dann beginnt, wie für Millionen von Familien in Deutschland, auch für Katharina und Daniel Caspary eine neue Arbeitswoche. Noch ohne Frühstück packt der CDU-Europaabgeordnete aus Weingarten im Landkreis Karlsruhe seinen Rollkoffer, in dem alles verstaut ist, was er für die Woche braucht.

Denn seine Frau und seine fünf Kinder, das Jüngste ist erst vor wenigen Wochen auf die Welt gekommen, wird er erst am Wochenende wiedersehen. Den Beruf und eine siebenköpfige Familie unter einen Hut zu bringen, ist schon anspruchsvoll genug, erst recht, wenn beide Elternteile berufstätig sind wie bei den Casparys.

Arbeit als Politiker in Brüssel und im Management in Darmstadt

Während er in Berlin, Brüssel und Straßburg seiner Arbeit als gewählter Parlamentarier nachgeht, arbeitet seine Frau, die 37-jährige promovierte Medizinerin Katharina, im Management des Pharmaunternehmens Merck in Darmstadt in Vollzeit. Nach der Geburt der Tochter ist sie derzeit noch in Mutterschutz.

Die Berufstätigkeit der beiden zu vereinbaren, verlangt von allen Beteiligten allerdings sehr viel mehr ab als anderen berufstätigen Eltern. Daniel Caspary kommt regelmäßig auf 60 Stunden und mehr in der Woche bei ungeregelten Arbeitszeiten. Weder ein freies Wochenende noch einen Anspruch auf Elternzeit oder Teilzeit gibt es in der Politik. „Zwei Karrieren plus Familie plus Kinder jonglieren, das ist die wahre Herausforderung“, gibt Katharina Caspary zu.

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Organisation ist das eine, viel Verständnis für die Belange des Partners das andere. Gemeinsam sprechen die beiden ihre Termine ab und strukturieren die Tage. Daniel Caspary bemüht sich, zumindest die Sonntage komplett freizuhalten, um für die Kinder da zu sein, auch wenn das nicht immer gelingt.

Man muss nicht alles selber machen

Aber müssen es immer stundenlange Sitzungen sein? Muss man sich als Politiker um alles kümmern? Da könne die Politik durchaus von der Wirtschaft lernen, betonen die beiden. So setzt er als einflussreicher Chef der deutschen CDU/CSU-Abgeordneten im Europaparlament auch mal auf kurze Video-Konferenzen statt auf lange Besprechungen, seine Besucher empfängt er am Stehtisch statt auf der bequemen Sitzecke und an die Stellvertreter hat er etliche Aufgaben delegiert.

„Man muss nicht alles selber machen“, sagt der Politiker, „ich will vermitteln, dass es nicht immer um Präsenz um jeden Preis ankommt.“ Und seine Frau ergänzt: „Wer eine Familie hat, wer Kinder hat, der ist oft effizienter. Man lernt, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden und schneller auf den Punkt zu kommen.“

Katharina Caspary: Väter wollen heutzutage mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen

Die Gesellschaft ist im Wandel begriffen, auch die tradierten Rollenbilder verändern sich. Der gebürtige Stutenseer, der 2004 erstmals ins Europäische Parlament gewählt worden ist, erinnert sich noch gut, dass sich früher überwiegend Jüngere, die noch keine Familie hatten, oder Ältere, deren Kinder schon groß waren, in der Politik engagierten und sich um Mandate bewarben. Und die Frauen blieben beinahe selbstverständlich zu Hause. Heute hingegen sei der Wunsch bei Frauen wie Männern sehr viel stärker ausgeprägt, beides unter einen Hut zu bringen, Beruf wie Familie.

„Die Väter von heute wollen nicht mehr nur ihre schlafenden Kinder sehen, sondern viel Zeit mit ihnen verbringen – das gilt in der Politik gleichermaßen wie in der Industrie“, sagt Katharina Caspary. Umgekehrt wollen auch Frauen sich im Beruf bewähren. Für die Medizinerin kam es daher nicht infrage, zugunsten des Mannes auf ihre Karriere zu verzichten. „Das war nie eine Option. Ich bin eigenständig, ich habe einen Raum und Freiheit für mich.“ Umgekehrt wollte auch sie nicht, dass er ihretwegen aus der Politik aussteigt.

Beide Ehepartner wollten Kinder und Karriere

Unabhängig von ihrem beruflichen Fortkommen war es für die beiden als Paar immer klar, Kinder haben zu wollen, sagt die aus Calw stammende Katharina Caspary. „Ich bin eine Verfechterin der Wahlfreiheit. Ich will nicht beurteilt werden, wie ich lebe, sondern plädiere dafür, dass jeder nach seiner Facon glücklich werden kann, denn auch für andere Lebensmodelle habe ich Verständnis.“ Auch wenn das manchmal nicht ganz leicht ist, wenn plötzlich ein Kind krank wird und die prallen Terminkalender der Eltern durcheinanderbringt.

„Wenn es wirklich brennt, bleibe ich im äußersten Notfall auch mal einen Tag zu Hause“, sagt der Politiker, der auch stellvertretender Landesvorsitzender der CDU in Baden-Württemberg ist und dem Präsidium und Bundesvorstand seiner Partei angehört. Und er sehe, dass die jüngeren Kollegen dankbar seien, wenn er auf diese Weise Prioritäten setze. „Wir müssen die Tätigkeit als Politiker auch realistisch leistbar machen, gerade für Eltern.“

Unterschiede zwischen Politik und Wirtschaft

Ein Politiker, der am Samstag zum Einkaufen oder mit den Kindern auf den Fußballplatz gehe, bekomme dort anderes mit als bei einer Sitzung oder einem Termin, bei dem die Politiker unter sich sind. Die Wirtschaft ist in diesem Bereich schon weiter. Es gibt Teilzeitmodelle oder die Möglichkeit, einen Teil der Arbeit im Home Office zu erledigen. „Da kann die Politik noch einiges lernen“, betont Katharina Caspary.

Es ist wichtig, dass auch Eltern Politik gestalten

In Ihrem Unternehmen wird modernes Arbeiten auch in strategischen Positionen von der Geschäftsführung vorgelebt. Allerdings, so ihre Erfahrung, dauere es, bis solche Ansätze im ganzen Betrieb selbstverständlich sind. Sie plädiert dafür, dass die Unternehmen wie die Parteien nicht explizit Frauen, sondern bewusst Eltern fördern. „Die Themen, die früher reine Frauenthemen waren, beispielsweise die Frage, wie man mit Kindern Karriere machen kann, sind heute Elternthemen, weil sie beide betreffen“, sagt sie.

Und umgekehrt gelte: „Es ist wichtig, dass auch Eltern Politik gestalten.“ Ihre Alltagserfahrungen, ihre Probleme und Herausforderungen seien für die politischen Entscheidungen von enormer Bedeutung. Oder, wie es ihr Mann ausdrückt: „Wir brauchen mehr Lebenswirklichkeit in den Parlamenten.“