Seyar Rahmani (links) und Juraj Valovic von der TSG Blankenloch kämpften am Samstag den designierten Meister der Dritten Volleyball-Liga Süd, den TV Bliesen, mit 3:2 nieder.
Seyar Rahmani (TSG Blankenloch) (mi), rechts Juraj Valovic GES/ Volleyball/ TSG Blankenloch 15.02.2020 -- | Foto: GES

Afghanischer Flüchtling

Volleyball-Spieler Rahmani: Von der Nationalmannschaft zur TSG Blankenloch

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Seyar Rahmani drückt seit ein paar Monaten wieder die Schulbank. Was das für ein Gefühl ist? „Ein sehr gutes“, sagt der 31-Jährige. Dass Rahmani als Auszubildender wieder büffeln muss, das empfindet der Afghane als Glück. Auch wenn der Schulstoff für ihn manchmal so hart ist, wie es seine Angriffs-Schläge auf dem Volleyballfeld für die Gegner sind.

„Mit seiner extremen Schlagstärke ist er eine Macht am Netz“, sagt Torsten Kirchhardt, der Rahmani beim Drittliga-Topteam TSG Blankenloch trainiert.

Kein Wunder also, dass die Blocker des TV Bliesen Rahmani besonders im Fokus hatten. Blankenlochs Angreifer kam beim turbulenten 3:2 (26:24, 25:17, 19:25, 23:25, 18:16) am Samstag gegen den designierten Meister folglich auch „nicht so gut durch“, wie Kirchhardt feststellte. Angeführt von einem in Abwehr und Aufschlag glänzenden Benjamin Loritz kämpfte das TSG-Kollektiv das mit Halbprofis gespickte Team der Saarländer dennoch nieder.

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Mit drei Punkten hätten die Gäste vorzeitig den Titel perfekt machen können, „das wollten wir verhindern“, sagte Kirchhardt, dessen Mannschaft im Tie-Break erst einem Rückstand hinterher lief – dann aber ein „verrücktes Spiel“ noch krönte.

Ich denke, er ist der beste Angriffsspieler in der Liga.

Torsten Kirchhardt, Trainer TSG Blankenloch

Dass der Club aus Stutensee zu den ersten Verfolgern des TV Bliesen gehört, das liegt auch an Rahmani. „Ich denke, er ist der beste Angriffsspieler in der Liga“, sagt Torsten Kirchhardt über den früheren Kapitän der afghanischen Nationalmannschaft. „Er ist für uns ein Glücksgriff“, fügt Kirchhardt hinzu. 2017 war der 1,94-Meter-Mann aus seiner Heimat, in der mörderische Anschläge mehr die Regel als die Ausnahme sind, geflohen und schließlich in Karlsruhe sowie dort beim Zweitligisten SSC gelandet. Aus eigenem Antrieb war Rahmani dann zum damaligen SSC-Coach Diego Ronconi gegangen und hatte diesem erklärt: „Ich will mitspielen.“ Und er spielte fortan mit.

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Rahmani spielt seit 2018 in Blankenloch

Im Sommer 2018 wechselte Rahmani zur TSG Blankenloch, wo er nun unter anderem zusammen mit den Ex-SSClern Marco Kienast und Loritz auf dem Feld steht. Von dieser Erfahrung profitiert die TSG. „Das ist schon ausschlaggebend“, urteilt Kirchhardt, der in der Mitte zudem über starke junge Spieler verfügt: „Die Mischung ist gut.“ Dies zeige sich auch abseits des Feldes, man sei eine „homogene Mannschaft“, sagt der Coach. Rahmani füge sich toll ein, „er ist ein super umgänglicher Typ“.

Kabuler Rahmani jobbt in einer Gaststätte

Dass es „nur“ die Dritte Liga ist, das ist für Rahmani unwichtig. „Die Hauptsache ist, dass ich spiele“, sagt der Außenangreifer, der mittlerweile gut deutsch spricht und im ersten Jahr seiner Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ist. Zusätzlich dazu jobbt der gebürtige Kabuler, der in seiner Heimat einen Abschluss als Account-Manager gemacht hat, noch in einer Gaststätte. Er wolle so gut es ginge auf eigenen Beinen stehen, betont Rahmani, für den die Ungewissheit über seine Zukunft angesichts des laufenden Asylverfahrens ein steter Begleiter ist. Auch hierbei helfe ihm jedoch der Sport. „Auf dem Volleyballfeld vergesse ich alles.“

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Schwester wohnt in Karlsruhe

In Karlsruhe, wo seit vielen Jahren seine Schwester wohnt, versucht sich Rahmani seit seiner Flucht, sein neues Leben aufzubauen. Mit den Menschen hier habe er nur gute Erfahrung gemacht, sagt er: „Sie sind richtig nett, ich bekomme viel Unterstützung.“ Viermal Schule, einen Tag im Betrieb, dreimal in der Woche Training und dazu die Spiele am Wochenende und Lernen – das Leben von Seyar Rahmani ist gut aus- und vor allem auch weiter mit Volleyball gefüllt. Siege wie gerade gegen Bliesen sind für ihn die dabei schönste Zugabe.