Super Stimmung, tolle Band: Die "Wilden Engel" rocken das Festzelt beim Blankenlocher Oktoberfest der "Piraten". Ansonsten verlief der Auftakt ohne besondere Vorkommnisse. | Foto: Rake Hora

Polizei, DRK: Alles entspannt

Oktoberfest in Blankenloch: Wilde Engel bringen das Partyvolk auf Touren

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Die „Wilden Engel“ machen ihrem Namen alle Ehre. Sebi, Matze, Thomas, Micha, Phil und Sängerin Maria haben die Sache im Griff – und ihr Publikum beim Blankenlocher Oktoberfest nach dem Fassanstich durch Stutensees Oberbürgermeisterin Petra Becker schnell auf Temperatur gebracht. Es ist halb Zehn, seit eineinhalb Stunden fetzen die „Engel“. Die Luft im Zelt brennt, die Partybombe aus dem Schwarzwald hat gezündet. „Suuuper Stimmung“, kämpft Andi schon jetzt krächzend mit seiner strapazierten Stimme. „Und eine geile Band“, findet Caro. „Prooost“, schreien sie gegen den Lärmpegel an, stemmen die halb vollen Maßkrüge in die Höhe und verschwinden unter dem stilechten feierfreudigen Volk im proppenvollen Zelt. Wer nicht in der Krachledernen oder im Dirndl kommt, der fällt auf.

Super Stimmung, geile Band

Seit acht Jahren sind die „Wilden Engel“ beim Blankenlocher Oktoberfest dabei, gehören fast zum Inventar. „Die sind dermaßen gut angekommen, dass wir sie irgendwann als ’Opener’ auf den ersten Abend gesetzt haben“, erzählt Melanie Reinschmidt vom Karnevalsclub „Die Piraten“ Stutensee, der das Herbstevent auf dem Festplatz neben dem neuern Stutenseebad stemmt. Seit 35 Jahren.

Erwartet werden an den vier Tagen wieder insgesamt 20 000 Besucher. Für den Festbetrieb sind insgesamt 500 Arbeitsschichten zu besetzen. „Es ist das größte Fest in der nördlichen Hardt, das von einem Verein veranstaltet wird“, betont „Piratin“ Reinschmidt mit unüberhörbarem Stolz. „Und immerhin das viertälteste Oktoberfest in Deutschland“, fügt sie hinzu. „Das haben wir recherchiert.“

Zelt am Eröffnungsabend ausverkauft

Das Zelt ist am Freitagabend ausverkauft. Knapp 2000 Tickets hat es für den Auftritt der „Wilden Engel“ beim Vorverkauf an einem Juli-Sonntagmorgen im „Piraten“-Clubhaus gegeben. „Die waren nach 17 Minuten weg“, verdeutlicht Melanie Reinschmidt. Dass dabei leer Ausgegangene versuchen, an den Security-Leuten irgendwie vorbei ins Zelt zu kommen, nein, damit gebe es keine Probleme, erklärt Udo Baron, Chef der Sicherheitsfirma bei dem an diesem Abend die Fäden zusammen laufen. 24 Männer und Frauen des privaten Unternehmens sind an den Zelteingängen, im Zelt und um das Zelt herum positioniert. Für den asphaltierten Bereich, die Festmeile mit den Buden und Fahrgeschäften, sind Polizei und Ordnungsamt zuständig.

„Alles easy hier, die Leute wissen, wie’s läuft“, sagt Baron. Nicht vergleichbar mit München sei das, wo er auch schon war: „Das ist ein ganz anderes Klientel.“ Freundlich aber bestimmt versuche man aufzutreten, stets deeskalierend zu wirken. „Wie man in den Wald hineinruft, schallt es wieder heraus“, so Barons Credo. Halbstarke, die austesten wollen, wie weit sie gehen können oder auf dicke Backe machen, um zu imponieren, gebe es natürlich überall. Zumal wenn Alkohol im Spiel sei.

Im Zelt gibt’s Spielregeln

Auch im Zelt gibt’s Spielregeln. Auf die Bänke stehen, wenn der Stimmungspegel steigt, soweit okay. Aber auf die Tische – das gibt’s nicht. „Da müssen wir dann schon mal eingreifen und wenn alles nicht hilft auch einen Zeltverweis aussprechen“, macht Security-Mann Baron deutlich.

Bei „Cordula Grün“ tobt das Partyvolk

Um Viertel nach Zehn ist Zeit für „Cordula Grün“. Den Wiesn-Hit des vergangenen Jahres kennt auch in Blankenloch jeder. „So, jetzt seid ihr dran“, brüllt „Wilde Engel“-Bandgründer und Sänger Sebastian „Sebi“ Steinhart von der Bühne – und das Publikum geht mit. Dann gibt’s „Feed from Desire“, „Que será, será“ – und zwischendurch, natürlich,  immer mal wieder ein Prosit der Gemütlichkeit.

DRK Blankenloch mit elf Helfern präsent

Zeit, um mal beim Sanitätsstützpunkt vorbeizusehen. Das DRK Blankenloch ist mit elf Helfern, einem Krankentransportwagen und dem Notfallauto präsent. Im roten DRK-Zelt kann alles versorgt werden „von der kleinen Schnittwunde bis zur Alkoholvergiftung“, sagt Einsatzleiter Alexander Müller. Davon, dass es die Wiesnsanitäter beim Münchner Oktoberfest nur zehn Minuten nach dem ersten Bier-Ausschank mit der ersten Alkoholleiche zu tun bekamen, hat er gehört.

Heute ist es echt ruhig. Gott sei Dank

„Bei uns ist es heute echt ruhig. Gott sei Dank“, fügt Müller hinzu. „Drei Pflästerchen, einmal Alkohol“, so Alexander Müllers Bilanz gegen 23 Uhr. Die Zahl „behandlungswürdiger Betrunkener“, wie er sagt, sei in den vergangenen Jahren gesunken. „Früher sind die schon angetrunken her gekommen und haben sich hier den Rest gegeben. Seit der Jugendschutz präsent ist, ist das stark zurückgegangen.“

Jugendschutz greift

Diese Erfahrung hat auch Security-Mann Udo Baron gemacht. Dass der Veranstalter jeden Tag wechselnde verschiedenfarbige Armbändchen für die jugendlichen Besucher in drei Altersstufen (unter 16, 16 bis 18, über 18) ausgebe, helfe unheimlich. Bei der Alkohlabgabe oder bei der Kontrolle, wann sie das Festzelt zu verlassen haben.

Hat sich bewährt: Verschiedenfarbige Armbänder für Jugendliche. | Foto: Rake Hora

„Für die unter 16-Jährigen ist um 22 Uhr Schluss, für die 16 bis 18-Jährigen um 24 Uhr. Nur über 18 gilt Open End“, erklärt Melanie Reinschmidt. „Zapfenstreich“ ist am Freitag und Samstag um 0.30 Uhr, am Sonntag und Montag um 23.30 Uhr. Das Festzelt schließt eine halbe Stunde später. „Dann verläuft sich so bis eins, halb Zwei alles recht schnell“, meint Melanie Reinschmidt.

Spezielles „Piraten“-Festbier

Etwa 130 Hektoliter (13000 Liter) Bier dürften an den vier Tagen durch die Kehlen der Feierbiester rinnen. Auch Alkoholfreies. „Früher haben wir davon vielleicht eine halbe Kiste gebraucht, jetzt schon ein, zwei Hektoliter“, verdeutlicht Klaus Reeb, der „Piraten“-Organisationschef. Renner aber ist das speziell nach „Piraten“-Vorgaben mit Gerste, die in Blankenloch angebaut wird, gebraute nicht ganz so starke Festbier. „Das gibt es nur bei uns auf dem Oktoberfest“, so Reeb. Etwa 45 Hektoliter davon – Preis für die Maß: 8,50 Euro – werden verkauft.

2000 Haxen und 1400 Hähnchen

Zum Blankenlocher Festbier besonders begehrt: Schweinshaxen. „2000 gehen übers Fest weg“, sagen die Chefs der „Piraten“-Küche, Petra Gaukel und Jürgen Stiefel. Außerdem etwa 1400 Hähnchen. Jetzt um 22 Uhr ist das Essen „weitgehend durch“, atmet das Duo durch. 22 Helfer wuseln im Küchenbereich. „Wir sind mit Auf- und Abbau für das Blankenlocher Oktoberfest zwei Wochen im Einsatz“, macht Petra Gaukel deutlich. „Für sonntags haben wir zum Beispiel 800 Knödel gerollt und vorbereitet.“

Jugendschutzteam des Landratsamtes in Blankenloch

In stattlicher Mannschaftsstärke sind Polizei, Ordnungsamt und das Jugendschutzteam des Landratsamtes vor Ort. Ein paar Schritte vom Haupttrubel entfernt in der Festhalle ist die Einsatzzentrale, dort gibt es Kaffee und Kleinigkeiten zur Stärkung. Zehn Beamte der Polizei sind während des Oktoberfestes jeden Abend in Blankenloch „stationiert“. An den Stoßzeiten, beim Festbeginn oder wenn das Zelt schließt, zeigen sie Präsenz, sonst halten sie sich im Hintergrund. Als Hausherr ist auch das Ordnungsamt Stutensee immer mit zwei, drei Leuten vertreten.

Respekt vor den blauen Jacken: Das Jugendschutzteam des Landratsamtes zeigt Flagge auf dem Blankenlocher Oktoberfest. | Foto: Rake Hora

Mit 35 Mitstreitern ist das Jugendschutzteam des Landratsamtes da. „Weil das heute das jüngste Klientel der vier Festtage ist“, erklärt Kirsten Lechner, Jugendschutzbeauftragte im Landratsamt. „Unsere Aufgabe ist rein präventiv, Jugendliche von Alkohol abhalten, aufklären. Ist allerdings jemand auffällig, kontrollieren wir auch den Alkoholpegel, Test dafür haben wir dabei. Aber nur wenn’s ganz blöd wird holen wir die Kollegen von der Polizei.“

Trinkerei außerhalb des Festzeltes ist weniger geworden

In Fünferteams sind die Jugendschützer auf dem Festgelände unterwegs, gut zu erkennen an ihren blauen Jacken. Die Trinkerei außerhalb des Festzeltes sei weniger geworden, betont Jürgen Ell, der vom Polizeipräsidium hier vorrangig für den Jugendschutz abgestellt ist. Das verbuche man als Erfolg. „Wir sind ja nicht da, um Jugendliche zu fangen. Wir sind froh, wenn nichts passiert“, sagt er. Der Respekt vor den blauen Jacken sei groß, „sie wissen, wir sprechen sie an“, erklärt Kirsten Lechner. „Das war der ruhigste Blankenlocher Oktoberfestauftakt seit Jahren. Allerdings weiß sie auch: „Das kann schnell wieder ganz anders sein.“

Alles entspannt, alles überschaubar

„Seid ihr noch fit?“ – hallt es kurz vor Mitternacht von der Bühne. Was für eine Frage, und schon heizen die wilden Schwarzwald-Engel, auch wenn das Zelt, so scheint es, bereits leerer geworden ist, zur letzten Stimmungsrunde ein. Aus dem Lagezentrum heißt es weiterhin: Alles entspannt, alles überschaubar. So wird es in der ersten Nacht des Blankenlocher Oktoberfestes auch bleiben. „Es hat sich bezahlt gemacht, dass wir gut aufgestellt sind“, meint Ordnungsamtleiter Thomas Schoch. „Das spricht sich herum.“ Inzwischen ist gleich halb Eins. Vor dem Festzelt steht eine müde Dirndlträgerin, tippt an ihrem Handy herum. Das Make-up ist verlaufen. Ansonsten: Keine besonderen Vorkommnisse.

Oktoberfest Blankenloch
Sonntag, 29. September (freier Eintritt): 11 Uhr: Musikverein Blankenloch; 13.30 Uhr: Modenschau, Show- und Gardetänze; 18 Uhr: Die „Martinihuber“ aus Schielberg (Sieger des SWR4 Blechduells 2018).
Montag, 30. September (Familientag): 12 Uhr: Gemeinsames Mittagessen für Menschen mit Handicap, 19 Uhr: „Die Draufgänger“ (Karten für 10 Euro gibt es noch an der Kasse im Festzelt).
„Die Draufgänger“, das sind Albert (28), Rudi (25), René (28) und Sängerin Kathi (26). Spaßvogel der Truppe ist Posaunist Robert (27). Grün ist ja im Trend, und Grün ist die Farbe der vier Draufgänger und einer Draufgängerin. Ihr Name ist Konzept und steht für das musikalische Programm. Jung, frech und frisch mischen sie die Party-Volksmusikszene mit ihren Cover-Hits auf. Mit mehr als 220 ausverkauften Live-Konzerten pro Jahr gehören die Draufgänger zu den beliebtesten und erfolgreichsten deutschsprachigen Formationen. Florian Silbereisen entdeckte sie 2018 für seine Sendung „Schlager des Jahres“.