Am Bankschalter brauchen Auszubildende ein offenes und freundliches Wesen. Schüchternheit wirkt auf den Kunden verunsichern, ist Auszubildende Lea Notheisen überzeugt. | Foto: Manzey

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Für viele Bank-Lehrlinge steckt die Zukunft im Onlinebanking

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Bankkaufmann beziehungsweise Bankkauffrau gilt als aussterbender Beruf. Tatsächlich macht für die Auszubildenden die Arbeit am Schalter nur einen geringen Teil aus. Durch die Digitalisierung gibt es einen hohen Bedarf an Beratern, vor allem auch im Onlinebanking.

Die Arbeit in der Bank besteht nur aus trockenen Zahlen? Das kann Lea Notheisen nicht bestätigen. Die 18-Jährige ist im zweiten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Raiffeisenbank Hardt-Bruhrain.

Interesse für Wirtschaft ist wichtiger als Mathe

„Jeder denkt, dass Mathe in der Bank wichtig ist“, sagt Lea. Als Bankkauffrau sei es aber wichtiger, offen zu sein und ein Interesse für Wirtschaft zu haben. Nur noch wenige Dinge müsse man selbst im Kopf rechnen.

Ist es aber nicht beunruhigend, für das Geld anderer Leute verantwortlich zu sein? Am Anfang ihrer Ausbildung habe sie die Verantwortung, mit viel Geld umzugehen, sehr gespürt, sagt Lea. Mit der Zeit verliere man aber die Scheu komplett. Das Arbeiten mit fremdem Geld wird zur Routine.

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Arbeit am Schalter macht nur einen geringen Teil aus

In der Regel beginnt Leas Arbeitstag um 8.15 Uhr und dauert meist bis 16.45 Uhr – außer donnerstags, denn da hat die Bank länger geöffnet. Bevor die Kunden um 8.30 Uhr in die Bank kommen, bereiten Lea und ihre Kollegen alles vor. Vieles bekämen die Kunden nicht mit, sagt Lea, zum Beispiel das Vorbereiten und Ausfüllen von Formularen, Datenschutzblättern oder die Pflege des Onlinebankings. Auch für das Anlegen von Konten, die Einlegerinformationen und das Aktualisieren von hinterlegten Ausweispapieren sind die Bankkaufleute zuständig.

Ich wusste schon immer, dass im Bankberuf etwas mehr dahintersteckt als nur die Arbeit am Schalter.

Lea Notheisen, Auszubildende zur Bankkauffrau

Daneben gehört ebenso das Kontrollieren der Kasse und das Auffüllen des Geldautomaten zu ihren Aufgaben. „Ich wusste schon immer, dass im Bankberuf etwas mehr dahintersteckt als nur die Arbeit am Schalter“, sagt Lea. Wie viel mehr sei ihr jedoch erst bei einem Praktikum in der Bank klar geworden.

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Onlinebanking bietet neue Chancen für den Beruf

Besonders im Bereich Onlinebanking lägen die Chancen ihres Berufs. „Es heißt immer, dass der Bankberuf ausstirbt. Das sehe ich nicht so“, betont Lea. „Mit dem Onlinebanking wurde etwas Neues geschaffen, bei dem man viel helfen muss.“ Das betreffe nicht nur ältere Menschen, sondern eben auch jüngere.

Früher habe der Schwerpunkt klar auf der Arbeit am Schalter gelegen, erklärt Lea. Heute gebe es eher einen Bedarf an Beratern, Experten für das Onlinebanking oder Mitarbeiter im Innendienst.

Offenheit, Freundlichkeit und ein guter Kontakt zu den Kunden seien besonders wichtig. Da müsse man auf Leute zugehen können, sagt Lea. „Schüchternheit wirkt auf den Kunden verunsichernd.“

Teils intime Einblicke fordern Verschwiegenheit

Auch, weil Bankangestellte manchmal durchaus intime Einblicke in die Finanzen ihrer Kunden erhalten. „Man kann sich schon ein Bild machen“, räumt Lea ein. Was auf dem PC stehe, sage jedoch nichts über den Charakter eines Menschen aus, betont sie.

Verschwiegenheit ist daher oberstes Gebot für die angehende Bankkauffrau, auch wenn man gerne mal mit Freunden oder Familie über Vorfälle im Beruf sprechen würde. „Dafür kann man sich mit den Kollegen austauschen.“

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Tipp-Geber für Familie und Freunde

Lea selbst verdient im zweiten Lehrjahr 1.110 Euro brutto. Im ersten Lehrjahr stieg sie mit 1.010 Euro ein. Geregelt ist ihr Gehalt über den Tarifvertrag für Genossenschaftsbanken. Ihre eigene Sicht auf das Thema Geld habe sich durchaus verändert, seit sie in der Bank arbeitet, gibt Lea zu. Sie habe mehr Acht auf ihr Geld und die entsprechenden Anlagemöglichkeiten. Auch Freunde und Familie würden sich nun den einen oder anderen Ratschlag in Gelddingen bei ihr einholen.

Die Ausbildung zur Bankkauffrau dauert eigentlich drei Jahre – der Regelfall für Bewerber mit einem Realschulabschluss. Da die Friedrich-List-Schule in Karlsruhe jedoch zu wenig Interessenten für die dreijährige Ausbildung hatte, wurde Leas Ausbildung auf zweieinhalb Jahre verkürzt.

Nach der Ausbildung überlegt Lea Notheisen, sich zum Bankfachwirt weiterbilden zu lassen. „Man wird hier echt gefordert“, sagt sie mit Blick auf die verschiedenen Weiterbildungsmöglichkeiten.