Petra Becker | Foto: pr

Petra Becker ein Jahr im Amt

Ganzheitliche Stadtentwicklung und Klimaschutz: Die Themen der nächsten Jahre in Stutensee

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Seit einem Jahr ist Petra Becker Oberbürgermeisterin in der Großen Kreisstadt Stutensee. Wie sind ihre Erfahrungen nach dem ersten Achtel ihrer Amtszeit? Was hat sie schon bewegen können? Regelmäßige Einwohnerversammlungen hat Becker zum Beispiel schon eingeführt. Welche Schwerpunkte will sie in den nächsten Jahren für die Stadtentwicklung setzen? BNN-Redakteur Dietrich Hendel hat mit der 58-Jährigen darüber gesprochen.

BNN: Wie fühlen Sie sich nach dem ersten Jahr im Amt?

Becker: Ich fühle mich gut im Amt. Das erste Jahr ist eine spannende Zeit gewesen. Ich habe viele Menschen im Rathaus und in der Stadt kennen gelernt. Ich durfte auch mit vielen neuen Themen und Anregungen umgehen.

Sie sind als Vorbild ins Stadtradeln eingestiegen, haben sich verletzt und mussten aussteigen. Wie halten Sie es derzeit und generell mit Radfahren und Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel?

Im Moment bin ich noch aufs Auto angewiesen, aber es ist ein Ende in Sicht. Ich freue mich darauf, bald wieder aufs Fahrrad steigen zu können. Ich will ja grundsätzlich Radfahren und Radwege fördern.

Sie sind mit Begeisterung und Schwung in ihr Amt gestartet. Wie viel davon hat sich in zwölf Monaten relativiert?

Meine Begeisterung für meine Aufgabe hat sich nicht verändert. Ich bin und bleibe voll dabei. Viele Menschen kommen ins Rathaus, zu mir in die Sprechstunde und bringen interessante Anregungen mit. Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, treffe ich Menschen, die sich für Stutensee und für die Gemeinschaft einsetzen. Das spornt mich an.

 

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Klimawandel oder Klimakrise, das eigentlich nicht wirklich neue Thema hat Sie in Ihrem ersten Amtsjahr voll erwischt und wird Sie zwangsläufig weiter beschäftigen. Was kann Stutensee zum Klimaschutz beitragen?

Stutensee hat schon in der Vergangenheit viel für den Naturschutz und damit für den Klimaschutz getan: innerörtliche Grünflächen, die in artenreiche Wildblumenflächen umgewandelt wurden. Aktuell sind wir mit der „Goldenen Wildbiene“ ausgezeichnet worden, voriges Jahr haben wir die Auszeichnungen für das Projekt „Natur nah dran“ erhalten. Ziel ist es und muss es auch weiterhin sein, die biologische Vielfalt zu erhalten und zu erweitern. Wir wollen mit gutem Beispiel vorausgehen.

Welche Möglichkeiten zur Energieeinsparung sehen Sie noch?

Wir wollen den Energieverbrauch in städtischen Gebäuden weiter optimieren. Zum Beispiel durch Synergien, indem etwa vom Schulzentrum das Stutenseebad mitbeheizt wird. Die Straßenbeleuchtung ist auf LED umgestellt. Wir haben Ladestationen für E-Mobilität in allen Stadtteilen bereitgestellt. Der Bauhof hat gerade drei Elektromobile angeschafft, wir werden die Fahrzeugflotte weiter elektrisch ausrichten. Für Dienstgänge der Rathausmitarbeiter wird es absehbar E-Bikes geben. Wir haben es geschafft, dass es in allen Stadtteilen ein Carsharing-Angebot gibt. Und: Wir wollen mit dem European Energy Award ein Zeichen für unser Engagement in den Bereichen Energieeffizienz und Klimaschutz setzen.

Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, treffe ich Menschen, die sich für Stutensee und für die Gemeinschaft einsetzen. Das spornt mich an.

Eins Ihrer Themen war ganz am Anfang, dass „die Arbeit in die Arbeitszeit passen müsse“. Wie funktioniert das bei der großen Menge an Arbeit, die in der Verwaltung zu erbringen ist?

Noch läuft unsere Bestandsaufnahme, eine konkrete Organisationsuntersuchung steht für Zweckverbände und Eigenbetriebe unmittelbar an. Soweit Neustrukturierungen sinnvoll und effizient erscheinen, muss man die Möglichkeiten prüfen.

Was sehen Sie als Leitthema für die nächsten Jahre?

Leitthema ist für mich die ganzheitliche Stadtentwicklung unter besonderer Berücksichtigung des Klimaschutzes. Daran müssen sich die Projekte der kommenden Jahre orientieren. Zukunftsprägendes Thema ist zweifellos die Digitalisierung, die wir voranbringen müssen. Unser Konzept dafür wurde ausgezeichnet, und wir haben Fördergelder bekommen. In unserem Konzept steht der Nutzen für die Menschen im Mittelpunkt, nicht die Technik.

Wie sehen Sie die Wohn- und Gewerbeentwicklung?

Mit dem neuen Stadtentwicklungskonzept nehmen wir Bezug zum Projekt „Zukunft Wohnen Stutensee“ und führen die gewonnen Erkenntnisse weiter. Klar ist, dass wir Wohnraum brauchen, ebenso klar ist, dass wir das nur mit nachhaltigem Flächenumgang realisieren können. Innenentwicklung ist dabei ein wichtiges Thema. Für Gewerbeflächen haben wir eine anhaltend hohe Nachfrage. Potenzial haben wir derzeit kaum. Wir brauchen Flächen, um vorhandenen Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und damit Arbeits- und Ausbildungsplätze am Ort zu sichern.

Als klare Siegerin ging Petra Becker (links ihr Mann Michael) aus der Oberbürgermeisterwahl hervor. | Foto: Martin Heintzen

Wie steht es, ganz konkret gefragt, um den Fortgang des Projekts „Mittendrin“?

Wir konkretisieren derzeit die Ergebnisse aus dem Wettbewerb und stehen in intensivem Austausch mit dem Investor Volkswohnung Karlsruhe. Zu dem Themenkomplex ist am 16. Oktober eine Bürgerinformation geplant. Demnächst beginnen der Bau des neuen Parkplatzes für die Festhalle und der Abriss des alten Hallenbads.

Wie viele Einwohner kann Stutensee vertragen, ohne dass die vorhandene Infrastruktur zu massiv aufgerüstet werden müsste?

Die Infrastruktur muss bedarfsgerecht und nachhaltig sein. Wie wir das im Blick auf das Wachstum lösen, ist auch ein Thema im neuen Stadtentwicklungskonzept.

Kommen Sie bei Ihrem Pensum noch zum Entspannen? Wie schalten Sie ab?

Zeit mit der Familie und Freunden bringt mir die meiste Entspannung. Das ist nicht immer so einfach, aber es ist wichtig, und deshalb will ich mir dafür die Zeit nehmen.

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