Der Gemeinderat in Stutensee um Oberbürgermeisterin Petra Becker (parteilos) hat unter anderem Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft aberkannt. (Symbolfoto) | Foto: Manfred Spitz

Stutensee

Gemeinderat erkennt Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft ab

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Der Gemeinderat Stutensee hat in seiner Sitzung am Montag Adolf Hitler, Robert Wagner, früher Reichsstatthalter und Gauleiter in Baden, sowie Walter Köhler, ehemaliger Ministerpräsident Badens, die Ehrenbürgerschaft aberkannt.

Der Gemeinderat der damaligen Gemeinde Blankenloch hatte die drei Personen im Mai 1933 zu Ehrenbürgern ernannt, hieß es in der Beschlussvorlage. Für die anderen Stadtteile lägen keine schriftlichen Belege vor. Dennoch gelte die Entscheidung für die gesamte Stadt.

Zeichen für Stutensee als „weltoffene und tolerante Stadt“

Laut Beschlussvorlage möchte der Gemeinderat damit ein „klares Zeichen“ setzen, da Stutensee „eine weltoffene und tolerante Stadt“ sei. Der Ältestenrat habe nämlich bereits am 15. Januar 1996 festgestellt, dass die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod ende.

Ende November hatte der Gemeinderat Zaisenhausen Hitler ebenfalls die Ehrenbürgerwürde formell aberkannt. Anfang Dezember folgte die Gemeinde Gondelsheim. In diesem Fall hatte eine Anfrage der BNN den Stein ins Rollen gebracht.

Ehrungen für Wagner und Köhler auch in Karlsruhe

Auch die Stadt Karlsruhe hatte Wagner und Köhler am 10. Mai 1933 die Ehrenbürgerwürde verliehen. Dies wurde 1945 rückgängig gemacht. Die Durlacher Allee in der Fächerstadt hieß sogar zeitweise Robert-Wagner-Allee. Dies wurde nach Ende des Krieges ebenfalls korrigiert.

Wagner wurde nach Angaben der Stadt Karlsruhe wegen seiner Verbrechen im Elsass zum Tode verurteilt und am 14. August 1946 in Fort Ney bei Straßburg erschossen. Er sei bis zuletzt ein unbelehrbarer Nationalsozialist geblieben. Seine letzten Worte vor der Hinrichtung sollen gelautet haben: „Es lebe Großdeutschland, es lebe Adolf Hitler, es lebe der Nationalsozialismus.“

Köhler wurde am 4. April 1945 von französischen Truppen in Karlsruhe verhaftet. Er wurde schlussendlich als Belasteter zu einer Haftstrafe verurteilt, die jedoch durch seine Internierung abgebüßt war. Bis 1987 war er in einer Versicherungsagentur in Karlsruhe tätig.

Seit den 1960er Jahren stand Köhler nach offiziellen Angaben immer wieder als Zeitzeuge zur Verfügung. Bis zuletzt sei er der Meinung gewesen, dass er nicht für die Verbrechen der Nationalsozialisten mitverantwortlich gewesen sei.