Ambrosia artemisifolia: Die Pollen des Traubenkrauts gehören zu den stärksten Allergieauslösern überhaupt. Sie fliegen bis zum ersten Frost im Jahr.
Ambrosia artemisifolia: Die Pollen des Traubenkrauts gehören zu den stärksten Allergieauslösern überhaupt. Sie fliegen bis zum ersten Frost im Jahr. | Foto: Franz Lechner

Ambrosia im Landkreis

„Götterspeise“ quält Allergiker

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Von Franz Lechner
Ambrosia hieß einst die Unsterblichkeit verleihende Speise der griechischen Götter. Wie die Botaniker einst darauf kamen, dem „Beifußblättrigen Traubenkraut“ den gleichen Namen zu verleihen wie der Götterspeise kann man heute schwer nachvollziehen. Ambrosia artemisifolia, wie das Beifußblättrige Traubenkraut auf lateinisch heißt, verlängert nämlich keineswegs das Leben. Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Pflanze verlängert nur die Qualen vieler Allergiker.

Pollen der Ambrosia fliegen bis zum ersten Frost

„Die Pollen des Traubenkrauts fliegen bis zum ersten Frost im Jahr, das heißt, sie verlängert die Leidenszeit für Allergiker oft bis in den Winter hinein“, erklärt der Leiter der Forstabteilung West im Landratsamt, Thomas Eichkorn. Aber die Pollen des Traubenkrauts sind nicht nur spät im Jahr noch in der Luft, sie gehören auch zu den stärksten Allergieauslösern überhaupt. Rund zehn Pollen pro Kubikmeter Luft lösen bei empfindlichen Menschen bereits allergische Reaktionen bis hin zu Asthma aus. Zum Vergleich: Graspollen sind erst ab etwa der fünffachen Menge belastend.
Die Hardtwaldjäger haben im Revier zwischen Eggenstein und Waldstadt gerade Ambrosiapflanzen mitsamt der Wurzel auf den befallenen Flächen ausgerissen, in Säcke verpackt und entsorgt. Durch Handschuhe wurden mögliche Hautreizungen vermieden, bei bereits blühenden Pflanzen empfehlen die Jäger eine dicht sitzende Staubmaske.

Bis zu einer Milliarde Pollen aus einer Pflanze

Bis zu einer Milliarde Pollen und mehrere zehntausend Samen bildet allein eine Ambrosia-Pflanze. Samen, die bis zu 40 Jahre keimfähig sind und die besonders gut auf Böden mit spärlicher Vegetation, also beispielsweise auf Brachflächen, aber auch an Straßenböschungen und entlang lichter Waldwege keimen. „Vor allem nördlich von Karlsruhe stoßen wir in den Hardtwäldern immer wieder auf die Ambrosia, so gerade kürzlich bei Stutensee-Friedrichstal“, berichtet Eichkorn. Solche Stellen lässt die Forstverwaltung zwei Mal im Jahr mulchen. „Nur so können wir sicher verhindern, dass das Traubenkraut blühen und Samen bilden kann“, erklärt der Forstbeamte.

Südlich von Karlsruhe wenig Probleme

Insgesamt hat sich das Beifußblättrige Traubenkraut im Landkreis Karlsruhe aber längst noch nicht so schlimm ausgebreitet wie im Osten Deutschlands oder in Bayern. „Südlich von Karlsruhe haben wir in den Hardtwäldern bisher nur wenig Probleme mit der Ambrosia“, sagt der Organisationsleiter im Forstbezirk Süd, Andreas Steininger. Auch in den Bruchsaler und Philippsburger Wäldern ist das Traubenkraut noch weitgehend unbekannt, wie der Leiter der Bruchsaler Forstverwaltung, Michael Durst, und sein Philippsburger Kollege Christian Hautz bestätigen.
Wie es aber in den vielen privaten Gärten und Kleingartenanlagen im Landkreis aussieht, weiß niemand so genau. „Die Samen der Ambrosia sind häufig mit Vogelfutter nach Deutschland gekommen, und zwar vor allem mit Sonnenblumensamen“, erklärt Eichkorn. Deshalb finde man das Traubenkraut rund um Vogel-Futterstellen besonders häufig. Neuerdings gibt es aber auch Vogelfutter zu kaufen, bei dem die Produzenten mit der Aufschrift „Garantiert frei von Ambrosia-Samen“ Werbung machen. „Darauf sollte jeder Vogelliebhaber beim Kauf achten“, empfiehlt Eichkorn.

Die Ambrosia ist nur eine von vielen in den vergangenen Jahrzehnten nach Deutschland eingeschleppten Pflanzenarten. Die „Kanadische Goldrute“, das „Indische Springkraut“, der „Japanische Staudenknöterich“, die aus dem Kaukasus stammende Herkulesstaude, die aus Nordamerika stammenden Kermesbeere und Traubenkirsche gehören ebenfalls zu den Pflanzen, die aktuell auch im Landkreis Karlsruhe große Probleme bereiten.
„Neophyten“ heißen solche nach Deutschland eingeschleppte Pflanzenarten. Viele dieser Arten überwuchern ökologisch wertvolle Gebiete so vollständig, dass die heimischen Tier- und Pflanzenarten fast vollständig daraus verschwinden. Andere erschweren die Forstwirtschaft oder sie schaden der Gesundheit.
Ihre Bekämpfung und die Kosten, die sie für die Gesundheitssysteme der EU-Mitgliedsstaaten verursachen, betragen nach Schätzungen der „Europäischen Generaldirektion für Umwelt“ mehr als zwölf Milliarden Euro im Jahr.