Der Greif thront über dem Europaplatz.
STOLZER LÖWENVOGEL: Bis zum 28. Januar 2010 hatte der Greif fast 85 Jahre über dem „Euro“ ein Auge auf die Fächerstadt. | Foto: jodo

Umbau der City verzögert sich

Des Greifen Rückkehr ist nicht zum Greifen nah

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Wenn der Greif wieder hoch über dem Europaplatz wacht, dann hat Karlsruhe den größten Umbruch für die Innenstadtstruktur fast geschafft. Noch ein Monat fehlt, dann ist es sieben Jahre her, dass der Fabelvogel mit dem Löwenkörper vom hohen Sockel geholt und vom „Euro“ verbannt wurde. Und noch immer steht sein Rückflug auf Dachhöhe der Postgalerie in den Sternen.

Ludwig von U-Strab verdrängt

Gleiches gilt für die Rückkehr von Großherzog Ludwig, dessen Brunnenherrschaft auf dem Marktplatz 2013, also „erst“ vor drei Jahren endete, als ihn die U-Strab-Vorbereiter stürzten.

Die Stahlskulptur ist am Ettlinger Tor verschwunden.
DIESES BLAUE WUNDER von Karlsruhe gibt es seit Herbst 2011 nicht mehr. Die zweiteilige Skulptur wurde nach 13 Jahren am Ettlinger Tor abgebrochen und an die Südtangente verpflanzt. | Foto: jodo

Noch schlechter sieht es derzeit für das blaue Stahlkunstwerk am Ettlinger Tor aus. Für die Zukunft der Großplastik „Ettlinger Tor“ an ihrem Platz, dann über der unterirdischen Kombikreuzung von Autotunnel Kriegsstraße und U-Strab-Südabzweig, gibt es aber noch nicht einmal vage Versprechungen. Immerhin hat wenigstens dieses Karlsruher Kunstbauwerk in aller Öffentlichkeit Asyl an der Südtangente gefunden.

Sieben Jahre überstanden

Sieben harte Jahre Umbau hat Karlsruhe überstanden. Doch die fetten Jahre ohne Baulärm und ohne Bahnverkehr in der City wollen noch lange nicht anbrechen. Aus dem noch 2010 zum Start der Arbeiten an der Kombilösung gegebenen Versprechen, dass Ende 2016 die U-Strab durch die Röhre rollt, ist nichts geworden. Die Untergrundbahn der Fächerstadt kann Stand heute frühestens in vier Jahren, also Ende 2020 rollen. Der Autotunnel in der Kriegsstraße wird nach aktualisiertem Bauzeitenplan der Kasig 2021 fertig. Und die Umgestaltung der Kriegsstraße ist mit dem Einziehen der Straßenbahntrasse auf dem Autotunneldach erst Ende 2021 komplett. Folglich kann auch erst dann der oberirdische Bahnverkehr in der Kaiserstraße vollständig eingestellt werden.

2022 können die Schinenen raus

Demnach wird frühestens 2022 mit dem Rausreißen der Schienen aus der Fußgängerzone zwischen Karlstraße und Berliner Platz begonnen. Dann mag man für viele Millionen Euro die Einkaufsmeile Stück für Stück mit Steinplatten neu versiegeln und die gute Stube um die Pyramide mit schmückenden Mosaikbändern, feinen Bänken und Kandelabern frisch einrichten.
Es vergehen wohl noch einmal sieben Jahre, bis um 2024 die schöne neue Karlsruher City-Welt weitgehend Gestalt angenommen hat. Voraussetzung ist, dass nach künftig ungebremstem Fortschritt der Kombi-Bauarbeiten es für die Verschönerung der Innenstadt dann weder am politischen Willen der Stadtgesellschaft noch entsprechenden Millionen in der Stadtkasse mangelt.

Greif weit weg von versprochener Rückkehr

Der Greif – badisches Wappentier und Symbol großherzoglicher Vergangenheit und mythologisches Rätseltier dieser Stadt mit orientalischer Abstammung – ist also auch der Zukunftsvogel für die durchkombinierte Stadt. Noch will nur eine Minderheit unter den Zeitgenossen gerne auf den Greif samt kolossalem Grenadierdenkmal für den Europaplatz verzichten. Sie sieht im Denkmal mit dem Greifen auf der Spitze eine Verherrlichung des Militarismus, die kein Comeback verdiene.

Noch aber besteht das politische Versprechen, dass die U-Strab-Stadt dem Greifen seine herausgehobene Denkmalposition zurückgibt. Und das müsste nicht erst in sieben Jahren geschehen. Wenigstens der Greif könne viel früher auf dem „Euro“ landen, möglicherweise auch die Brunnenfigur Ludwig mit ihrem beliebten Wasserbecken vor dem Rathaus, meint Baubürgermeister Michael Obert. Er räumt ein, dass sich die Neugestaltung von Kaiserstraße und Marktplatz wegen der verlängerten U-Strab-Bauzeit um etwa drei Jahre verzögere. Demnach kommen die großzügig bemessenen Granitplatten und neuen Bäume für die Kaiserstraße an Stelle von Asphalt, verschwundenem Pflaster und nicht mehr erwünschten Platanen nicht ab 2018, sondern eben vermutlich frühestens ab 2021.

Einzelnes kann schneller gehen

„Man kann aber einzelne Dinge vorziehen, sobald die U-Strab-Baustellen auf den Plätzen deutlich kleiner sind“, betont der Dezernent. Denkbar ist es also: Der Greif verlässt „bereits“ in zwei, drei Jahren sein Exil hinter dem Gartenzaun des Prinz-Max-Palais an der Karlstraße. Die neue Oberfläche erhält der Europaplatz jedoch erst einige Jahre später, wenn die Baumaschinen und die Lieferwagen für den U-Strab-Innenausbau komplett vom Europaplatz abgezogen sind.

Signale sind wichtig

Wichtig sind für Obert „Signale“, dass der Stadtumbau vorankomme. Deshalb freut er sich darüber, dass man 2017 das Durlacher Tor und die Ettlinger Straße den Bürgern zurückgeben werde. Zudem hofft der Bürgermeister, dass der Berliner Platz noch in diesem Jahrzehnt frei von Bauzäunen und aufgehübscht werde.