Susanne Schubert hat einen Bereich in einem Kundengarten als Insel angelegt. Erste Wildsaaten gibt es auch schon. | Foto: lbs

Tipps von Naturgarten-Expertin

Grüner Daumen für natürliche Gärten

Anzeige

In der Ferne kräht ein Hahn. Das war auf dem Gelände zwischen Pestalozzi-Halle, Schule und Altenzentrum in Graben-Neudorf nicht direkt zu erwarten. Leise und elektrisch ist Susanne Schubert mit ihrem kleinen, betagten Elektro-Auto auf den Parkplatz gefahren und schreitet – mit Schaufel, Handschuhen und Eimer „bewaffnet“ – zur Tat. Schubert, Jahrgang 62, ist Naturgarten-Expertin und betreut ein Gärtchen auf dem Areal.

„Durch den Klimawandel wird es schwieriger, naturnah zu gärtnern“, erzählt sie. Was der Klimawandel für naturnahes Gärtnern bedeutet, erklärt sie anschaulich: Ein Samen falle irgendwohin, dann keime und wachse eine Pflanze, wenn Standort, Nährstoffe und Umgebung es erlauben. Nur wenn Wasser fehle, werde es für den Kreislauf von Werden, Blühen und Vergehen schwierig. Der Gartenbesitzer müsse wässern und nachhelfen.

Fette Henne – die „Hortensie des Nordens“

Auch am Naturgarten an der Pestalozzi-Halle hat der zweite Dürresommer in Folge Spuren hinterlassen. „Es müsste eigentlich richtig viel Insekten geben“, sagt Schubert. Aber immerhin: Der Natterkopf blüht. Und die Fette Henne gedeiht, „die Hortensie des Nordens“, sagt Schubert und muss lachen.
Man kommt leicht mit ihr ins Plaudern. Vor zweieinhalb Jahren hat sich Schubert, gelernte Kfz-Mechanikerin, selbstständig gemacht und ein Kleinunternehmen gegründet. „So kann ich preisgünstig auch einige Gärten der Gemeinde betreuen“, sagt sie. Ansonsten berät sie auch Gartenbesitzer und gibt Tipps. Dogmatisch will sie das nicht sehen: „Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden.“

Wichtiger Tipp: Nicht alles neu machen

Und was würde sie beispielsweise einem jungen Paar raten, das sich vielleicht ein Häuschen mit Garten gekauft hat, und jetzt einen Naturgarten anlegen will? „Die tendieren meistens dazu, alles rauszureißen“, sagt Schubert. Sie rate zuerst einmal: „Macht mal langsam und lasst auch Spielraum.“ Und, das sei ihr ganz wichtig: „Garten ist Geschmacksache. Reden Sie mit Ihren Nachbarn und erzählen Sie, was Sie vorhaben.“ Sie unterstreicht aber auch: „Man sollte sich nicht verbiegen lassen in seinen Ideen.“

Inselbeete und Rasen mähen

Wenn es dann an die Umsetzung geht – wie packt es unsere junge Beispielfamilie am besten an? „Ich würde zu Rasenmähen raten, das erleichtert die Gartenarbeit ungemein.“ Eine Fläche, auf der die Kinder spielen können und vielleicht auch das Haustier herumtollt, sei wichtig, so Schubert. Also: mähen. Und außenrum? „Zum Beispiel Inselbeete. Da kann man die Naturfläche gut betreuen.“ So eine Naturfläche lege sie gern gestaffelt an, mit höheren Stauden und Gehölzen in der Mitte, nach außen niedrigere Pflanzen und Bodendecker. Auch dabei geht Schubert nicht dogmatisch vor: In einem Garten, den sie für eine Kundin angelegt hat, befindet sich eine ganz frische Insel. Dort sprießen bunte einjährige Blumen. Wie gewöhnlich! Doch dazwischen sind schon Stauden und Bodendecker angewachsen und werden ab kommendem Jahr das Regime übernehmen. Zwischen den jungen Pflanzen keimen zudem die ersten „Neuankömmlinge“: Wildsaaten, die von Vögeln mitgebracht wurden. Schubert freut sich und staunt, als sie etwas entdeckt, das sie nicht auf Anhieb bestimmen kann.

 

„Man kann nichts falsch machen“

„Wenn die Stauden gut wachsen, muss man nicht mehr viel machen“, erklärt sie. Ein bisschen Pflegeaufwand bleibe. Fleißarbeit, die auch beruhigend wirke. Einheimisches wie Liguster und Holunder kommt zumindest ohne Gießorgien aus. Aber unsere junge Familie weiß vielleicht gar nicht so recht, welche Pflanzen für welches Vorhaben geeignet sind für die erste Bepflanzung. „Das Internet ist eine gute Informationsquelle“, so Schubert. „Man kann nichts falsch machen.“

Hochbeete für Ältere

Der Naturgarten kann mit unserer jungen Beispielfamilie gedeihen und älter werden. Und wer nicht mehr so kann, wie er will? „Wer das nicht mehr kann, sollte sich Hilfe holen von Nachbarn, von Freunden, von Verwandten oder von Betrieben wie mir“, sagt Schubert. Sind Hochbeete eine Lösung? „Ja sicher! Das ist rückenschonend“, erklärt die Gartenexpertin. „Man kann das mit Weiden machen, mit Holz, mit Stein – ich hab eine Tischtennisplatte.“ Und wenn unsere Familie noch etwas anbauen möchte, einen kleinen Nutzgarten? „Kartoffeln und Zwiebeln für den Anfang. In Reihensaat und klein anfangen, nicht übernehmen“, rät die Expertin.

Keine Panik bei Schnecken

Bleibt noch ein Thema: Schnecken. „Ich habe eine Schneckenfibel geschrieben“, strahlt Schubert. „Es gibt so viele Pflanzen, die von den Schnecken verschmäht werden!“ Sie rät: Mit einem gewissen „Schwund“ beim Salat könne man sich arrangieren – und versuchen „schlauer zu sein als die Schnecken“.