Durch den Betrieb des Rhein-Rückhalteraums Elisabethenwört darf kein zusätzlicher schadbringender Grundwasseranstieg entstehen. Sonst müssen Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Auch deshalb werden in Rußheim Keller neu vermessen. | Foto: dpa

Rückhalteraum Elisabethenwört

Rußheim: Messtrupps in 400 Kellern

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Im Dettenheimer Ortsteil Rußheim wird seit ein paar Wochen vermessen. Genauer: Es werden Keller vermessen. Noch bis November. Das steht im Zusammenhang mit der Entwurfsplanung für den „Rückhalteraum Elisabethenwört“ als Teil des Hochwasserschutzes der Rhein-Anlieger.

Unsicherheit wegen Kellervermessungen

So weit, so gut. Doch „es gibt wegen der Kellervermessungen große Unsicherheit und Unklarheit in der Bevölkerung“, bestätigt Dettenheims Bürgermeisterin Ute Göbelbecker auf BNN-Anfrage. Zwar wären die betroffenen Hauseigentümer vom Regierungspräsidium angeschrieben worden. Doch viele „tun sich schwer, nicht jeder kann damit etwas anfangen“, so Göbelbecker.

Viele Nachfragen bei der Gemeinde

Bei der Gemeinde häuften sich jedenfalls die Nachfragen über die Auswahl der zu vermessenden Gebäude und die fachlichen Hintergründe. Deshalb habe man eine Info-Veranstaltung angestoßen, verdeutlicht Ute Göbelbecker. Bei der öffentlichen Sitzung des Technischen Ausschusses an diesem Dienstag, 9. Oktober, im Rathaus Liedolsheim (19 Uhr, Sitzungssaal) wird der Landesbetrieb Gewässer im Regierungspräsidium Karlsruhe – als Vorhabenträger – über die Kellervermessungen berichten und Fragen beantworten. „Das ist doch besser als den Leuten einen Brief zu schicken“, meint Dettenheims Bürgermeisterin.

Im Zusammenhang mit Elisabethenwört

Fakt ist: Durch den Betrieb des Rhein-Rückhalteraums wird es zu Wechselwirkungen zwischen dem dort zurückgehaltenen Hochwasser und dem Grundwasser kommen. Will heißen: Kommt das Hochwasser, wird das Grundwasser verstärkt. Modell-Berechnungen hätten für Elisabethenwört beim 200-jährlichen Hochwasser im Vergleich zum Ist-Zustand geringfügige zusätzliche Grundwasseranstiege in bebauten Gebieten ergeben. Laut Regierungspräsidium im Zentimeterbereich. „In einem ersten vereinfachten Ansatz wurde eine gleiche Kellertiefe von 1,70 Metern angenommen“, erklärt Armin Stelzer, Referatsleiter Planung im Regierungspräsidium und zuständig für das Projekt Elisabethenwört.

In bebauten Gebieten gilt Verschlechterungsverbot

„Aber wir wollen es genauer wissen und die Daten konkretisieren“, so Stelzer. Weil im bebauten Gebiet das Verschlechterungsverbot gelte, das heißt durch den Betrieb des Rückhalteraums keine zusätzlichen schadbringenden Grundwasseranstiege entstehen dürfen, gehe es jetzt um Details. Vermessen werden in der Ortslage von Rußheim die Gebäude, bei denen der berechnete Grundwasserstand während des Rheinhochwasserscheitels beim 200-jährlichen Modellhochwasser weniger als 2,50 Meter unter der Geländeoberkante liegt.

Wir wollen keine Sorgen bringen, sondern Lösungen

Für künftige Planungen sei es wichtig, die exakte Höhenlage der Kellersohle zu kennen. „Wir wollen keine Sorgen bringen, sondern Lösungen“, betont Stelzer. „Falls notwendig, müssten entsprechende Schutzmaßnahmen umgesetzt werden – die Kosten übernehmen wir.“

In Rußheim werden 400 Gebäude vermessen

Vermessen werden in Rußheim laut Stelzer etwa 400 Gebäude. Außerdem bei den Aussiedlerhöfen und Vereinsheimen auf den Gemarkungen Philippsburg und Germersheim. Die Vermessung sei freiwillig, „aber sinnvoll“, erklären Dettenheims Bürgermeisterin Ute Göbelbecker und Armin Stelzer vom Regierungspräsidium.

Entscheidend ist der Untergrund

Warum aber wird in Rußheim ein Keller vermessen, ein anderer im Haus daneben nicht? Das, gesteht Armin Stelzer, sehe für die Bürger zwar komisch aus, hänge aber vom Untergrund ab. Stelzer: „Wir müssen die Keller vermessen, die am ehesten Probleme bereiten. Die Daten können dann übernommen und der weniger kritische nebenan mitgesichert werden.“

Grundwasserproblem wäre so oder so gekommen

In Rußheim, wo der Rhein einst mäanderte, „gibt es in kurzen Abständen unterschiedliche Bodenschichten“, weiß Dettenheims Bürgermeisterin Ute Göbelbecker, und fügt hinzu: „Das Grundwasserproblem wäre so oder so gekommen. Auch wenn die Polder-Variante gewählt worden wäre.“