Marschall will mit dem Audi R8 LMS GT von HCB Rutronik Racing beim Rennwochenende in Hockenheim weiter auf sich aufmerksam machen – auch für ein Cockpit in der neuen Saison.
Marschall fuhr mit seinem Audi R8 auf dem Nürbugring fast auf die Pole Position. | Foto: imago-images

ADAC-GT-Masters

Rennfahrer Dennis Marschall aus Eggenstein-Leopoldshafen: „Jedes Rennen ist wie ein Bewerbungsgespräch“

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Was macht ein Rennfahrer nach einem Motorsport-Wochenende? Richtig, zu Hause den Computer anschmeißen und online weiter heizen. „Ich habe meinen eigenen Renn-Simulator zu Hause“, sagt Dennis Marschall. Das Spiel „iRacing“ gilt als extrem realistisch. Für den ADAC-GT-Masters-Piloten, der ab Freitag auf dem Hockenheimring das vorletzte von sieben Rennwochenenden in der Saison bestreitet, sind die virtuellen Wettkämpfe ein Zusatz-Training.

Bei Marschall fließt seit Kindestagen an Benzin durch die Adern. Vater Thomas war in der Szene 28 Jahre lang als „Mister Markenpokal“ eine große Nummer. Auch dessen Vater Martin war Rennfahrer. Dennis drückt seit zwölf Jahren die Pedale bis aufs Bodenblech runter. Motorsport ist für die Marschalls aus Eggenstein-Leopoldshafen eine Leidenschaft. Dennis will „solange fahren wie möglich.“ Dennoch: „Rennen sind das Wichtigste für mich, aber ich definiere mich nicht darüber – ich bin ein normaler 23-jähriger Junge.“
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BWL-Student aus Eggenstein-Leopoldshafen

Sein Alltag ist für einen Rennfahrer unspektakulär: Das BWL-Studium steht kurz vor dem Abschluss. Der VW-Bus der Baureihe T 6, mit dem Marschall auf den BNN-Parkplatz rollt, hat mit seinem 585-PS-starken Dienst-Audi des Remchinger Rennstalls HCB Rutronik Racing überhaupt nichts zu tun. „Ein Firmenwagen aus unserem Familienunternehmen“, sagt er und grinst.

Dennis Marschall kommt aus einer echten Motorsportfamilie. Foto: ADAC Motorsport | Foto: ADAC Motorsport
Marschall hat sich gerade bei der Rennschmiede aus dem Enzkreis Telemetrie-Daten abgeholt. Darunter auch Aufzeichnungen über vergangene Rennen auf dem Hockenheimring.

Positiver Einfluss auf Teamkollegin Carrie Schreiner

Vor drei Wochen verpasste er auf dem Nürburgring die Pole-Position um zwei tausendstel Sekunden. Im Rennen führte er sogar. Nach dem Fahrerwechsel nach der Hälfte der Distanz landete seine Teamkollegin Carrie Schreiner nach harten Zweikämpfen auf dem 14. Platz. Schreiner ist Rookie, bestreitet ihre erste Saison. Marschall übernimmt in seinem dritten GT-Jahr die Mentorenrolle: „Er ist sehr geduldig, wenn es mal nicht läuft, und hat einen positiven Einfluss“, sagt die 20-Jährige.

Remchinger Rennstallchef Plentz lobt die Entwicklung

Teamchef Fabian Plentz sieht bei Marschall eine positive Entwicklung: „Er hat viel von seinen Teamkollegen aufgeschnappt.“ Damit sind Patric Niederhauser und Kelvin van der Linde gemeint. Das Duo rast der Konkurrenz mit 40 Punkten Vorsprung im Klassement davon. „Das sind Profis, da möchte ich hin“, sagt Marschall und ergänzt: „Bei den Rundenzeiten war ich in letzter Zeit unter den ersten Fünf.“ Eine forsche Prognose für das Heimrennen vermeidet er aber: „Wetter, Fahrzeugeinstellungen – die Masters sind unberechenbar.“

Für Marschall ist jedes Rennen „wie ein Bewerbungsgespräch“

Hält Marschall das Niveau, empfiehlt er sich für das kommende Jahr. „Ich würde gerne bei Rutronik bleiben. Jedes Rennen ist wie ein Bewerbungsgespräch“, gibt er zu. Den Druck mache er sich selbst. Werksfahrer zu sein, also Vollprofi mit Unterstützung eines Herstellers, das ist sein langfristiges Ziel. „Er hat sich empfohlen. Darauf würden wir gerne aufbauen“, lobt Plentz, sagt aber: „Es muss alles passen.“

Simulator-Rennen gegen Spengler, Norris und Verstappen

Zu Hause in Eggenstein, wo er seit kurzem wieder wohnt, sichtet Marschall die Renndaten. Es habe gedauert, bis er all die Graphen und Diagramme verstanden habe. Aber: „Wenn du lange neben einem Ingenieur sitzt, der dir alles erklärt, verstehst du das irgendwann.“ Marschalls Ehrgeiz blitzt wieder auf.
„Den Simulator nutzen übrigens viele Profis“, kommt er erneut auf sein digitales Training zu sprechen. Er sei schon gegen Lando Norris (McLaren-Formel-1-Pilot) oder DTM-Profi Bruno Spengler gefahren. Marschall überlegt kurz und schiebt hinterher: „Gestern Abend war wieder Max Verstappen am Start.“