LOSE IN DIE TASCHE gesteckt, kann ein Geldschein beim Herausziehen schnell mal zerrissen werden. | Foto: Warnecke/dpa

Geldschein zerrissen, was tun?

Hausbank oder Bundesbank tauschen beschädigte Banknoten um

Eine Brezel und ein Croissant als Zwischenmahlzeit fürs Büro. Schnell noch beim Bäcker vorbei. Macht 1,95, sagt die Verkäuferin in der kleinen Bäckerei. Doch die gereichten Fünf-Euro-Banknote weist sie zurück: „Die nehme ich nicht an, die ist zerrissen.“ Okay, also nicht. Kein Zwischenvesper, denn im Geldbeutel ist nichts weiter. Zweiter Versuch bei einer anderen Bäckerei. Eine Tasse Kaffee, ein Laugencroissant, eine Seele. 3,97 Euro. Die Verkäuferin nimmt den angerissenen Fünfer klaglos entgegen.

Verkäuferin entscheidet

Ist ein beschädigter Geldschein sein Geld nicht wert? Darf ein Unternehmen einfach so einen Geldschein zurückweisen, wenn er schadhaft ist? Und dabei eventuell noch erklären, dass selbst eine Bank einen solchen nicht mehr annehme? „Die Verkäuferin kann im eigenen Ermessen entscheiden, ob sie die Banknote nimmt oder nicht“, sagt Marcel Weingärtner, der Weingartener Filialleiter der Volksbank Stutensee-Weingarten.

Ersatz durch Hausbank oder Bundesbank

„Wenn ein Unternehmen einen schadhaften Geldschein entgegennimmt, kann es diesen bei seiner Bank einreichen. Dort wird er angenommen, gegebenenfalls umgetauscht“, sagt Andreas Hahn, einer der beiden Vorstände der Genossenschaftsbank. Aber der Unternehmer, im geschilderten Fall die Bäckereiverkäuferin, könne durchaus entscheiden, dass er beschädigtes Geld nicht annehme. „Bei ihrer Bank kann sie einen solchen Schein aber auf jeden Fall umtauschen.“

Jeden Tag werden schadhafte Banknoten aussortiert

„Die Bank sortiert schadhafte Noten aus und übergibt sie an die Bundesbank, die das Geld erstattet“, erklärt Beate Hartkorn, die seit Jahrzehnten bei dem Geldinstitut als Servicemitarbeiterin beschäftigt ist. „Geklebte Scheine, solche, die zerrissen oder eingerissen oder bemalt sind, solche, denen eine Ecke fehlt, ebenso stark abgegriffene Exemplare werden einfach aussortiert“, sagt die Expertin. Allein an diesem Tag sind es rund 5 000 Euro in allen möglichen Scheingrößen, die sie herausgenommen hat, um sie über die Bundesbank umzutauschen. Getauscht oder ersetzt werden schadhafte Exemplare, wenn mindestens die Hälfte des Scheins noch vorhanden ist.

Zwei „falsche“ Hälften zusammen geklebt?

Beate Hartkorn erinnert sich an einen seltenen Fall, in dem auch der Kollege von der Zentralbank den Kopf geschüttelt hat: „Ich hatte einen Fünf-Euro-Schein, der in der Mitte zusammengeklebt war. Beim genaueren Hinsehen habe ich festgestellt, dass darauf zwei verschiedene Nummern standen.“ Ob da jemand zwei Fünfer zerrissen und jeweils zwei falsche Hälften zusammengefügt hat? Die Frage blieb offen. Ersatz gab es jedenfalls nicht. Pech gehabt. In einem anderen Fall, erzählt die erfahrene Bankmitarbeiterin, sei es der Bundesbank gelungen, Geldscheine zu sichern, die in einem Umschlag in einen Reißwolf geraten waren. Glück gehabt.

Automaten sind sehr sensibel

Heutzutage wird das Geld ja maschinell gezählt: „Die Zählmaschine ist sehr sensibel und nimmt beschädigte Banknoten erst gar nicht an. Die werden dann eben aussortiert.“ Es könne etwa passieren, dass an den Automaten, die Bezahlung annehmen – etwa in einer Bank oder Sparkasse selbst oder beispielsweise ein Parkscheinautomat – schon ganz leicht beschädigte oder stärker zerknitterte Scheine abgewiesen werden. Solche könne man bei seiner Bank abgeben und tauschen. Müsse ein abgebener Schein aufwendiger geprüft werden, was nur die Bundesbank macht, dann werde der Betrag eben nach – positiver – Prüfung aufs Konto erstattet.

Es sind nur um die kleineren Scheine

Etwa fünf geklebte Noten sortiert Beate Hartkorn in der Woche aus, schätzt sie. Risse kämen etwas häufiger vor, und Geldscheine, die in die Waschmaschine geraten seien, fänden sich immer wieder mal. Aber: „In aller Regel sind es die kleinen Scheine, Fünfer, Zehner, seltener mal Zwanziger, die solcherart auffallen“, berichtet Beate Hartkorn.