Heu ist so knapp wie seit vielen Jahren nicht mehr. Entsprechend ist der Preis gestiegen. | Foto: Archiv dpa

Wetterfolge: nur eine Ernte

Heu so teuer wie Gold?

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So ein Pferd hat schon tüchtig Hunger. Ein durchschnittliches Tier wiegt ganz grob 500 Kilo, und es frisst zweimal am Tag rund acht Kilo Heu – Heu, das so wertvoll wie Gold ist. So jedenfalls titelte kürzlich topagrar online, ein Nachrichtenportal für die Agrarpolitik. Ganz so weit ist es noch nicht, aber die Überschrift macht das Problem deutlich: Durch die Hitze und vor allem die anhaltende Trockenheit kommt kaum mehr ein Bauer, der Grünland bewirtschaftet, zu einem zweiten Schnitt. Die Folge ist, dass Heu – das getrocknete Gras – knapp ist auf dem Markt. Und ein knappes Gut, das stark nachgefragt wird, steigt im Preis.

Deutliche Preissteigerung

Ein anderes Portal, agrarheute, beschreibt die finanzielle Situation genauer. Die Tonne Heu wurde zuletzt mit rund 175 Euro gehandelt, vor einem Jahr musste für diese Menge lediglich 140 Euro aufgewandt werden.
Es gibt also zwei Probleme: die Knappheit und der deshalb steigende Preis. Das Ganze ist ein Thema von Gewicht. Allein im Landkreis warten genügend Pferde auf Heu.

5.800 Pferde und Esel

Nach Angaben des Landratsamtes gibt es    5.800 „Equiden“ – Pferde und Esel. Die Pferde repräsentieren davon 95 Prozent. Entsprechend gibt es eine ganze Reihe von Höfen und Reitvereinen in der Region. Die haben mit Blick auf das Heu unterschiedliche Ausgangslagen.

Wir sind Selbstversorger

Auf der besseren Seite steht Michael Herrmann vom Haflingerhof in Karlsbad. „Wir sind Selbstversorger“, sagt er. Das heißt, dass er das Heu, das seine Pferde fressen, selbst erntet. Im Reitverein Wiesental ist der Vorsitzende Martin Zimmerer Landwirt und produziert ebenfalls selbst Heu.

Viele Kollegen klagen

Der Hubertushof in Linkenheim mit über 100 Pferden ist nach Auskunft von Betriebsleiter Martin Hammel froh, dass man feste Lieferanten mit festgelegten Preisen für das Heu hat. Allerdings habe er täglich Kontakt mit Kollegen, die über die hohen Preise und die knappen Mengen klagten. Für manchen sei jetzt absehbar, dass die Versorgung eng und teuer werden könnte. Nicht unzufrieden ist man beim Reitverein Friedrichstal. Gerhard Herlan produziert das Heu selbst und berichtet von einer guten Menge beim ersten Schnitt im Juni.

Ein Drittel Ausfall

Insgesamt ist die Lage nicht gut. Das hängt entscheidend am Wetter. Andreas Schlicht bewirtschaftet in Ubstadt-Weiher Grünland. Üblich seien zwei Schnitte, sagt er. Der erste Schnitt sei in normalen Jahren Ende Juni/Anfang Juli. Der sei dieses Jahr aber verschiedentlich etwas später erfolgt. Danach sei wegen der anhaltenden Hitze und der großen Trockenheit nichts mehr recht nachgewachsen, sagt Schlicht. Im Ergebnis heißt das für ihn „wenigstens ein Drittel Ausfall“, denn der in normalen Jahren übliche zweite Schnitt im August fällt bei ihm aus. Landwirt Schlicht bestätigt die Preise, die agrarheute nennt. Dennoch scheint die Region verglichen mit dem Norden der Republik einigermaßen davon zu kommen. Wer aber im Spätjahr Heu für seine Pferde nachkaufen muss, wird tief in die Tasche greifen müssen.

Wasserentnahme kostet Geld

Bewässern wäre eine Möglichkeit, um unter Umständen noch etwas zu retten, aber das kostet Geld, denn die Entnahme von Wasser, egal ob aus Grundwasser oder aus Oberflächengewässern, muss man sich genehmigen lassen, teilt das Landratsamt mit. Die Kosten dafür starten bei einem Mindestbetrag von 150 Euro.