Sieht gut aus. In Weingarten werden die Trauben für den Spätburgunder geerntet. | Foto: Lother

Weinlese in Weingarten

Hitze hilft dem Grauburgunder

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Auch in Weingarten bei Karlsruhe ist die Lese voll im Gang. Besondere Hoffnungen werden aktuell auf den Grauburgunder gesetzt, wogegen viele die Zukunft beim Auxerrois sehen, der in Richtung des Nachbarortes Jöhlingen gut gedeiht.

Prall, kerngesund und tief dunkelblau hängen die Spätburgundertrauben in einem Rebhang am Weingartener Katzenberg. „Der Spätburgunder wird dieses Jahr wirklich gut“, ist Klaus Holzmüller zuversichtlich. Er erwarte mindestens 100 Grad Öchsle. Auch was die Ertragsmenge anbelangt, sei die Zielmenge von 110 Kilogramm pro Ar erreicht und jetzt sei es Zeit, zu ernten.

Vollernter geht nicht überall

Knapp 60 Hektar Rebfläche gehören zur Weinmanufaktur Weingarten, der Anteil an Spätburgunderreben beträgt rund 15 Hektar. Selbstverständlich werde diese Traubensorte auch mit dem Vollernter geherbstet, macht Klaus Holzmüller deutlich, aber manchmal sei Handlese eben doch zu bevorzugen. Der Vollernter sei nicht überall einsetzbar, verdeutlicht er. Weil manche Weinberge gar nicht angefahren werden könnten, aber auch weil sich die große Maschine bei einem kleinen Grundstück mitunter auch nicht lohne.

Weniger Weinbauern

Mit einer größeren Mannschaft, Familie und Freunden, ist die Stimmung offensichtlich gut, die Trauben hängen mehr oder weniger in Reih und Glied – und ruckzuck sind die Eimer voll. Dass die Gesamtzahl der Rebfläche und die Anzahl der Weinbauern in Weingarten zurückgegangen ist, das kann nicht zuletzt bei der Traubenannahme beobachtet werden. Wo früher noch Schlangen von Traktoren mit mehreren Bottichen voller Lesegut warteten, reihen sich heute vermehrt Pkw ein, die nur einen Bottich geladen haben.

Flurneuordnung

Ein Trend zum Freizeitwinzer sei durchaus auszumachen, bestätigt Klaus Holzmüller. Er kenne Leute zwischen 30 und 40 Jahre alt, die Idealismus mitbringen und Flächen am Petersberg übernehmen möchten oder schon übernommen haben. Der Trend könnte sich noch verstärken, meint er. Aber dazu müsste die Flurneuordnung dringend vorankommen. Es müssten maschinengeeignete Wege angelegt werden, vor allem um den Pflanzenschutz auszubringen. Er selbst übernehme das auch als Auftragsarbeit für andere Winzer, die das selbst nicht leisten könnten. Denn mit der Rückenspritze zu arbeiten, sei nicht mehr zumutbar.

Auxerrois mit Zukunft

Mittlerweile sind die Spätburgundertrauben abgegeben und über die Waage gegangen: 104 Grad Oechsle. Der heiße Sommer hat dem Wein gut getan. Dass Sorten, die es kühler bevorzugen, beispielsweise der Riesling, im Rückgang seien, mag Klaus Holzmüller nicht ausschließen. Eine Zukunft gibt er dem Auxerrois. Das sei eine Weingartener Spezialität, ein bukettreicher, fruchtiger und säurearmer Weißwein. Mit einem frühen Erntetermin passe er prima in den Leseplan und könne sich durchaus zu einem Verkaufsschlager entwickeln. „Ich würde jedem jungen Winzer empfehlen, diese Sorte zu pflanzen“, sagt er. Allerdings sei eine entsprechende Abstimmung mit dem Vermarkter, im Fall Weingarten die Winzergenossenschaft Schliengen, erforderlich.

Von Marianne Lother