Umstritten ist der Hochwasserschutz bei Dettenheim/Philippsburg wegen der vom Land angestrebten Auenrenaturierung. | Foto: dpa

Ein Papst in Dettenheim

Hochwasserschutz Elisabethenwört bleibt umstritten

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Große Konferenz im kleinen Dettenheimer Naturschutzzentrum – und der „Auenpapst“ (so BUND-Geschäftsführer Hartmut Weinrebe) als Anwalt des Naturschutzes bei einem umstrittenen Thema. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Deutschland hat für eine Pressekonferenz zum Hochwasserschutz „Elisabethenwört“ am Rhein zwischen Dettenheim und Philippsburg Emil Dister gewonnen. Der Biologe und Geograf arbeitete am KIT und leitete das WWF-Aueninsitut in Rastatt.

Geeigneter als Polder

Der Wissenschaftler unterstützt die Position des Landesumweltministeriums in der in den Gemeinden höchst umstrittenen Frage. Das Land will mit einer „kleinen Dammrückverlegung“ in die Planfeststellung gehen. Für Dister das geeignete Verfahren: „Billiger und besser als der gesteuerte Polder.“
Emil Dister erklärte, dass sich die Ziele des Integrierten Rheinprogramms (IRP) – das den Hochwasserschutz zwischen Basel und Mannheim beschreibt – mit der Dammrückverlegung optimal verbinden lassen. Diese Ziele sind: Hochwasserschutz und Auenrenaturierung am Rußheimer Altrhein.

Günstig für die Artenvielfalt

Durch die Dammrückverlegung werde die künstliche Trennung zwischen Fluss und Aue aufgehoben – das Areal werde bei Hochwasser überflutet. Der Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser begünstige den dauerhaften Erhalt der artenreichen Lebensgemeinschaften der Tiere und Pflanzen. Nirgendwo, so Dister, gebe es auf so geringer Fläche wie in einer Flussaue so viele unterschiedliche Arten.

Mit „Moskitonetz“

Dieses „Überfluten“ macht den Menschen vor allem in Rußheim und Huttenheim allerdings große Sorgen. Ihr Argwohn: Angesichts der Höhenunterschiede auf der Elisabethenwört bleibe immer wieder Wasser stehen – eine ideale Brutstätte für Stechmücken. Trotz der unumstrittenen Erfolge in der Schnakenbekämpfung sei es heute so, dass man abends nicht gemütlich auf der Terrasse sitzen könne – das vor den Mücken schützende „Moskitonetz“ gehört deshalb zur Ausstattung nicht weniger Haushalte. Die Menschen setzen darauf, dass ein gesteuerter Polder genau dieses Problem nicht bringe.

Auch beim Polder wird geflutet

Für den „Auenpapst“ ist die Ansicht falsch. Bei jedem Polder gebe es ökologische Flutungen. Und deren Folgen oder die eines aktuellen Hochwassers mit Poldereinsatz hätten als Ergebnis, dass das Wasser in den Mulden stehen bleibt. Bei der Dammrückverlegung werde das Gelände aber so gestaltet, dass die Durchflutung besser und schneller funktioniere – Brachwasser demnach nicht entstehe.

Klimawandel erfordert mehr Hochwasserschutz

Emil Dister machte zudem auf zweierlei aufmerksam. Mit dem IRP solle der Hochwasserschutz der fünfziger Jahre wieder hergestellt werden. Allerdings habe sich seit den Berechnungen aus den achtziger Jahren die Hochwassergefahr wegen des Klimawandels deutlich verschärft. Man benötige eigentlich noch mehr Überflutungsvolumen als aktuell geplant. Er erinnerte zudem an die drei entscheidenden Eingriffe in den Rhein und die angrenzenden Ökosysteme: vor rund 200 Jahren die Tulla’sche Flusskorrektur, die Bauarbeiten des Reichsarbeitsdienstes und die Errichtung von Staufstufen.