Romantische Stimmung: Weihnachtsbaum am Jöhlinger Kirchplatz, im Hintergrund der Speyerer Hof illuminiert. | Foto: Arnd Waidelich

„Lichterzauber“ in Weingarten

Weihnachtsbeleuchtung: Schaftkerzen geht’s an den Sockel

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Weihnachtsbeleuchtung Ja oder Nein? Und wenn Ja, in welchem Umfang? Im Gebiet der BNN-Hardt-Ausgabe müssen Lichter-Fans darauf nicht verzichten. Die Weihnachtsbeleuchtung an Straßen und auf Plätzen fällt allerdings zwischen Graben-Neudorf und Walzbachtal mehr dezent denn opulent aus. „Lichterzauber“-Hauptstadt ist Weingarten. Die Gemeinde hat sogar für 17000 Euro eine neue, energie- und damit stromkostensparende 1100 Meter LED-Kette gekauft.

Weihnachtsbeleuchtung Ja oder Nein?

Weihnachtsbeleuchtung Ja oder Nein? Und wenn Ja, in welchem Umfang? „Bei der Haushaltskonsolidierung war das in den vergangenen Jahren immer mal wieder Beratungsthema“, erklärt der Weingartener Hauptamtsleiter Oliver Russel auf BNN-Anfrage.

Neue LED-Kette für 17000 Euro

„Im vergangenen Juli hat der Gemeinderat dann die Neubeschaffung einer LED-Weihnachtsbeleuchtung beschlossen, damit ist das Thema nun vom Tisch“, fügt er hinzu und nennt Zahlen: Für 1100 Meter LED-Kette mit 2200 Fassungen haben Beschaffungskosten von 17000 Euro zu Buche geschlagen. Dazu kommen jährliche Kosten von insgesamt rund 18900 Euro. Für den Auf- und Abbau durch Mitarbeiter des Bauhofs, einen dafür benötigten Hubsteiger, Weihnachtsbäume, Strom, Abschreibung der Lichterkette und einen Zuschuss für den Lichterzauber des Gewerbevereins Weingarten.

Am Rathaus Weingarten wird die Weihnachtsbeleuchtung angebracht. | Foto: Rake Hora

„Lichterzauber“ in Weingarten

„Durch die LED-Technik können allerdings die Stromkosten von knapp 5 000 Euro auf jetzt etwa 230 Euro reduziert werden“, fügt Russel hinzu. So also präsentiert sich ab diesem Samstag der Lichterzauber Weingarten in der erleuchteten und mit geschmückten Weihnachtsbäumen aufgehübschten Bahnhofstraße und in der Gemeinde verteilt. Geschäfte, Vereine, Kindertageseinrichtungen, Kirchen und Organisationen machen mit. Tannenbäume zieren zudem die Ortsmitte (Markt- und Hartmannsbrücke).

Stutensee: Lichterketten an 60 Hausgiebeln

In Stutensee sind über die Stadtteile verteilt 60 Hausgiebel mit Lichterketten geschmückt. Außerdem gibt es zehn große Weihnachtssterne. Und zwölf große Weihnachtsbäume mit Lichterketten. 20 kleinere Bäumchen werden zu Dekozwecken bei den vier Weihnachtsmärkten benötigt.

Stern von Stutensee: Wie hier in Blankenloch leuchten insgesamt zehn in den Stadtteilen. | Foto: Rake Hora

„Die Weihnachtsbeleuchtung stand für die Stadt Stutensee bisher nicht zur Diskussion“, erklärt Lukas Lang von der Pressestelle. „Sie wird in enger Absprache mit den Bürgern organisiert. Auch die Bereitschaft zur Übernahme der Materialkosten spiegelt den Stellenwert, den die Weihnachtsbeleuchtung für die Menschen in Stutensee hat.“ Die Umstellung auf nachhaltige LED-Technik laufe, so Lang, und liege bereits bei 50 Prozent. Auzutauschende Leuchtmittel würden durch LED ersetzt.

Aktuell gab es keine Diskussion

In Walzbachtal weihnachtet es auf dem Rathausplatz, vor der Begegnungsstätte Haus am Gängle, auf den Friedhöfen in Jöhlingen und Wössingen, auf dem Jöhlinger Kirchplatz und in Binsheim. „Vor etwa zehn Jahren wurden Anzahl und Standorte der Weihnachtsbäume diskutiert. Aktuell gab es keine Diskussion dazu“, so Annika Müller von der Gemeindeverwaltung. Teilweise gebe es noch konventionelle Schaftkerzenbirnen an den Ketten mit sieben Watt Verbrauch, teilweise stelle man auf moderne stromsparende LED-Beleuchtung um. Im Speyerer Hof und hinter der katholischen Kirche in Jöhlingen gebe es Lichternetze mit LED.

Eggenstein-Leopoldshafen: Gegen Ausweitung

Die Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen stellt Weihnachtsbäume an öffentlichen Plätzen wie vor dem Rathaus, bei den Kirchen und Friedhöfen und beim Heimatmuseum auf. Für die Beleuchtung werde energiesparende LED-Technik genutzt. Aus früherer Zeit gebe es an einigen Häusern noch Lichterketten. „Die wurden von Privatleuten gekauft, und die Gemeinde unterstützt sie, zum Beispiel wenn Birnchen gewechselt werden müssen“, sagt die Referentin des Bürgermeisters Regine Hauck. Ansonsten habe sich der Gemeinderat aus Kostengründen gegen eine Ausweitung der Straßen-Weihnachtsbeleuchtung entschieden.

Gehört einfach dazu

„Die Weihnachtsbeleuchtung gehört einfach dazu“, sagt Achim Degen, Bauamtsleiter in Graben-Neudorf. LED gebe es aktuell keine, stattdessen nach wie vor alte warmfarbene Lampen, allerdings in begrenzter Anzahl. Funkelnde Tannenbäume gibt es in Graben-Neudorf vor den Kirchen, beim Rathaus und beim TSV Graben. Außerdem bei SEW Eurodrive, dafür zeichnet aber die Firma verantwortlich. Zu den durch die Weihnachtsbeleuchtung verursachten Kosten könne nichts gesagt werden, weil diese an die Straßenbeleuchtung angeschlossen sei und nicht gesondert abrechenbar wäre.

Leuchten bis zum 6. Januar

Die Weihnachtsdeko in Dettenheim besteht aus Lichterketten an Tannen, die vor dem Rathaus in Liedolsheim, der Verwaltungsstelle in Rußheim sowie vor den Kirchen bis zum 6. Januar leuchten. Außerdem stellt die Gemeinde in den Schulen und Kindergärten Tannen auf.

 

Kommentar: Schön oder überflüssig?
Leuchtende Sterne, glitzernde Tannenbäume, Märkte unter Lichterketten, jetzt ist es wirklich nicht mehr zu übersehen: Es ist Advent geworden, und das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Weihnachten ist selbstverständlich. Die Weihnachtsbeleuchtung nicht. Nicht überall jedenfalls. Immer mehr Städte und Gemeinden hinterfragen die Notwendigkeit festlicher Beleuchtung auf Plätzen oder über Straßen, hängen sie nicht mehr auf, reduzieren den Lichterglanz, suchen Sponsoren dafür, mieten ihre Weihnachtsbeleuchtung an – oder überlassen sie privaten Initiativen.
Schön und romantisch? Schlichtweg überflüssig? Oder in Zeiten leerer kommunaler Kassen gar völlig unnötig? Über Sinn oder Unsinn von Weihnachtsbeleuchtung in Städten und Gemeinden scheiden sich die Geister. Die Frage, ob funkelnde Tannenbäume auf öffentlichen Plätzen, Lichterketten an Hauswänden und leuchtende Sterne an Lampenmasten zur Vorweihnachtszeit gehören wie der Kranz zum Advent, Apfel, Nuss und Mandelkern zum Nikolaus und die Christmette zu Heiligabend, sie polarisiert.
Für alle Fans des weihnachtlichen Lichterglanzes: In der Region müssen sie auch in diesem Jahr nicht darauf verzichten. Mehr dezent denn opulent wollen in erster Linie funkelnde Tannen vor Rathäusern und Verwaltungsstellen, Kirchen und öffentlichen Plätzen auf die Festtage einstimmen. In Weingarten, der Lichterzauber-„Hauptstadt“ zwischen Graben-Neudorf und Walzbachtal, wurde sogar richtig viel Geld in die Hand genommen, und eine neue, technisch hochwertige LED-Ausrüstung angeschafft. Dank signifikanter Einsparung von Stromkosten soll die sich schon nach dreieinhalb Jahren rentieren, wurde in den Amtsstuben ausgerechnet. Da kann man eigentlich mit einem guten Gewissen eintauchen in die vorweihnachtliche Lichterwelt. Doch romantisch oder überflüssig? Da werden sich die Geister weiter scheiden.