Ende Dezember wird Block 2 des KKW Philippsburg abgeschaltet. Block 1 ist schon lange außer Betrieb. Großes Problem ist die Atommülllagerung am Ort. | Foto: Rake Hora

Politik

Im Lager des Kernkraftwerks Philippsburg haben noch viele Container mit Atommüll Platz

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Etliche Jahre werden die Bürger von Philippsburg und die in der weiteren Umgebung noch damit leben müssen, dass es auf dem Gelände des Kernkraftwerk Philippsburg (KKP) ein Zwischenlager für hochradioaktiven Atommüll geben wird – und seit geraumer Zeit gibt.

Von unserem Mitarbeiter Klaus Müller

Seit diesem Jahr ist für das Zwischenlager für den Atommüll – dort befinden sich (abgebrannte) Brennelemente in Castoren-Behälter – die Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) zuständig. Als Haupteigner der Gesellschaft mit beschränkter Haftung tritt der Bund in Erscheinung. Bei der inzwischen 13. Sitzung der Informationskommission zum Kernkraftwerk Philippsburg stellte Steffen Vonderau, Leiter des Zwischenlagers Philippsburg, das Konzept der BGZ vor.

Mehr zum Thema: Im AKW Philippsburg laufen die letzten Vorbereitungen zur Abschaltung

Informationskommission tagt am Ort

Die Kommission unter Vorsitz vom Karlsruher Landrat Christoph Schnaudigel muss öffentlich tagen, um über „Fragen der Sicherheit kerntechnischer Anlagen“ zu informieren. Erstmals trat die Kommission mit Vertretern aus (Kommunal-)Politik, Fachbehörden und Verbänden am 25. Juli 2012 zusammen.

Eine von bundesweit 13 Lagerstätten

Philippsburg ist eines der bundesweit 13 dezentralen Zwischenlager für Atommüll. Genehmigt ist in der Landkreisgemeinde nach Auskunft von Vonderau die Aufbewahrung von bis zu 152 Brennelement-Behältern. Aktuell seien in Philippsburg 62 solche Behälter eingelagert, darunter sind 29 Behälter mit jeweils 52 Brennelementen und 33 mit jeweils 19 Brennelementen. Die Zahl der Behälter, so Vonderau, werde sich nach dem Abschalten von KKP 2 auf voraussichtlich 107 Behälter erhöhen, darin eingeschlossen fünf Behälter aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague.

Autonom und ohne Anbindung an ein Kernkraftwerk

Die einzelnen Zwischenlager für Atommüll sollen künftig autonom, also unabhängig von noch vorhandenen Kernkraftwerken betrieben werden.

Ein Castor-Behälter, in dem nun die Brennelemente aus dem Rückbau des KKP2 eingelagert werden (Castor V/19), ist knapp sechs Meter hoch, hat einen Durchmesser von 2,44 Meter und wiegt beladen rund 126 Tonnen (leer etwa 109 Tonnen). Die Castoren für den Atommüll sind durch ein drucküberwachtes Doppel-Deckel-System mit Schutzplatte dicht verschlossen.

Endlager wird für 2031 angestrebt

Im „Programm für eine verantwortungsvolle und sichere Entsorgung bestrahlter Brennelemente und radioaktiver Abfälle“ heißt es: Eine Festlegung für ein Endlager werde für das Jahr 2031 „angestrebt“. Und weiter: „Das Endlager soll um das Jahr 2050 in Betrieb gehen.“

Zeitlich gesehen könnte das für die Philippsburger Castoren knapp werden. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz können die Castoren ihre Aufgabe gut 40 Jahre erfüllen, die hochradioaktiven Brennelemente sicher zu bewahren. 2047 aber läuft die Genehmigung für das Zwischenlager für den Atommüll in Philippsburg aus. Zudem befinden sich in dem Lager volle Castoren, die bereits jetzt schon einige Jahre auf dem Buckel haben.

Was passiert mit den älteren Behältern?

So gesehen und mit Blick auf mögliche Zwischenfälle dürfte die Frage von Stefan Martus, Bürgermeister von Philippsburg, nicht ganz unberechtigt gewesen sein, was in solch einem Fall mit Castoren geschehe – ob man sie dann überhaupt noch (in ein Endlager) transportieren könne. Er gehe nicht davon aus, befand Vonderau, dass die Castoren „untransportierbar“ werden könnten. Ebenso sieht Gerrit Niehaus von der baden-württembergischen Atomaufsicht alle Sicherheitsebenen – nach heutigem Stand – als geklärt an.

Schwächer strahlende Stoffe

Die BGZ übernimmt ab dem kommenden Jahr auch das Zwischenlager in Philippsburg für schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus dem Kernkraftwerksbetrieb und aus dem Rückbau von KKP 1 und KKP 2. Entsprechende radioaktive Abfälle sind laut BGZ dort noch nicht eingelagert.

Störfälle
In diesem Jahr gab es bislang neun meldepflichtige Ereignisse im Kernkraftwerk Philippsburg (KKP). Sechs davon wurden laut Klaus Wiesner im KKP 2 (noch am Netz) registriert. Zwei Ereignisse hob der Mitarbeiter des baden-württembergischen Umweltministeriums bei der Sitzung der Informationskommission zum KKP hervor: die „Nichtverfügbarkeit“ von zwei der vier Notstromdiesel sowie eine erhöhte Oxidschichtdicke (etwa vergleichbar mit Korrosion) an Brennelemente-Hüllrohren.
Der Vorfall mit den Notstromdiesel führte am 5. Juni zum „Abfahren“ der KKP 2-Anlage. Die Notstromdiesel werden benötigt, um Störfälle zu beheben, erklärt der Experte. Warum es zum Fehler an den Abgasturboladern der Notstromdiesel gekommen sei, könne man derzeit noch nicht abschließend sagen, informiert Klaus Wiesner. Die Gehäuse der Turbolader sollen nun nach einer bestimmten Anzahl von Lastzyklen ausgetauscht werden.
Das Problem mit der Oxidschicht – sie darf eine festgelegte Dicke nicht überschreiten – dürfte für KKP 2 nicht mehr wirklich relevant sein. Ende des Jahres geht die Anlage – wie mehrfach berichtet – vom Netz.