Von wegen Zeit zu zweit: 60 Feuerwehrleute und DRK-Rettungskräfte waren in der Nacht auf Mittwoch an der Pestalozzischule in Graben-Neudorf im Einsatz, um ein Liebespärchen zu retten. | Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Großeinsatz für Rettungskräfte

Im Lüftungsschacht hatte die Romantik ein Ende

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Sternschnuppen hatten sie sich ansehen wollen. Stattdessen erhellten Blaulichter den Himmel über Graben-Neudorf. Ein junger Mann und seine Freundin brachen in der Nacht auf Mittwoch in den im Bau befindlichen Anbau der Graben-Neudorfer Pestalozzi-Schule ein und mussten, weil der Junge in einem Lüftungsschacht feststeckte, in einer aufwendigen Aktion von der Feuerwehr gerettet werden.

Vom Schuldach in den Lüftungsschacht

Das Pärchen – beide 20 Jahre jung – war zunächst über das Baugerüst auf das Schuldach geklettert. Nach eigener Aussage, um von oben den Sternenhimmel besser genießen zu können. Dann orientierten sie sich jedoch eher in die entgegen gesetzte Richtung: Sie brachen den Zugang zu einem Lüftungsschacht auf, um in das Schulgebäude einzudringen. Bettbezüge, die sich zu einem Seil zusammenknoten ließen, hatten sie laut Mitteilung der Polizei mitgebracht.

Mehrere Meter tief abgerutscht

Nachdem sich das Mädchen beim Versuch, den bis ins Erdgeschoss hinunterreichenden Lüftungsschacht hinabzuklettern, an einer hervorstehenden Schraube am Bein verletzt hatte, stieg der junge Mann in den Schacht. Mit noch desaströserem Resultat: Er rutschte mehrere Meter tief, bis er in dem Metallrohr feststeckte, das sich nach dem relativ breiten Schachteinstieg auf dem Dach ganz erheblich verengt. Befreiungsversuche durch die Freundin mithilfe des erwähnten Bettlakenseils scheiterten, weshalb sie schließlich professionellen Beistand suchte und die Rettungskräfte alarmierte. Das war kurz nach zwei Uhr in der Früh.

Rettungsversuch von oben scheitert

Die Feuerwehren aus Graben-Neudorf und Linkenheim-Hochstetten traten in Aktion, um drei Uhr wurde auch die Höhenrettungsgruppe des Stadt- und Landkreises Karlsruhe hinzugerufen. Die Werkfeuerwehr des KIT wurde ebenfalls angefordert. Der Versuch, den Verklemmten von oben durch den Schachtdeckel zu befreien, scheiterte jedoch, weil die in den Schacht kopfüber hinabgelassene Feuerwehrfrau nicht nahe genug an ihn heran kam.
„Es war eigentlich unmöglich, es länger als zwei Minuten in dem engen Schacht auszuhalten, weil es so stickig war“, sagt der stellvertretende Kreisbrandmeister Werner Rüssel, der ebenfalls hinzugerufen wurde. „Der Schacht hat einen Durchmesser von 50 auf 50 Zentimeter. Der junge Mann hatte eine Körpertemperatur von 40 Grad, als wir ihn rausgeholt haben. Der hat da drin gekocht. Man hat gemerkt, wie er immer schwächer wurde.“

An zwei Stellen im Inneren der Schule musste die Feuerwehr die Wände aufschlagen, bis der im Lüftungsrohr Eingeklemmte geortet war. | Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Zwei Wände werden aufgeschlagen

Rausgeholt hat ihn die Feuerwehr Graben-Neudorf am Ende nicht von oben, sondern vom Inneren des Gebäudes aus. Mit Klopfgeräuschen als Orientierungshilfe wurden im zweiten Stock zwei Trockenwände geöffnet – beim ersten Versuch schlugen die Retter zwei Meter zu weit rechts zu.
Stundenlang hatte sich der junge Mann in dem Schacht verkrampft aus Angst, noch weiter abzustürzen. Unnötigerweise, wie sich herausstellte: „Er steckte genau über einem Bogen von etwa 45 Grad“, sagt Werner Rüssel „Noch etwa einen halben Meter weiter, und er hätte stehen können.“ Die Feuerwehrleute lösten die Schrauben an einem Verbundstück des Leitungsrohrs und montierten es ab. Drei Feuerwehrleuten gelang es, den Mann aus dem Schacht ins Gebäudeinnere zu ziehen.
„Das Allererste, was er brauchte, war Wasser, Wasser, Wasser“, berichtet Rüssel weiter. Überhitzt und dehydriert wurde der 20-Jährige in ein Krankenhaus gebracht.
„Wir sind natürlich froh, dass er gerettet werden konnte und gesund ist“, sagt Bürgermeister Christian Eheim, der rund drei Stunden vor Ort war und auch mit den Angehörigen sprach. „Aber das war eine ausgemachte Dummheit mit sehr ernsten Folgen. Für die entstandenen Schäden werden die jungen Leute aufkommen müssen. Das Bauamt hat bereits angefangen, die Schäden zu ermitteln und ihre Behebung in die Wege zu leiten.“ Die Eröffnung des Anbaus zum Schuljahresbeginn sei jedoch nicht gefährdet. „Die Baustelle war entsprechend aller Vorschriften gesichert“, betont Eheim. „Aber gegen kriminelle Energie, wie sie hier angewendet wurde, können wir uns nicht schützen.“

Sachschaden von mindestens 10000 Euro

Summa summarum waren 50 Feuerwehrleute unter der Leitung des Neudorfer Abteilungskommandanten Horst Blank im Einsatz. Dazu zwei Rettungswagen, ein Notarzt, die DRK Bereitschaft SEG Nord Verpflegungsgruppe – insgesamt zehn Kräfte – und die Polizei mit mehreren Streifenwagenbesatzungen. Der durch die Rettungsaktion am Schulgebäude entstandene Schaden wurde am Mittwoch auf mindestens 10 000 Euro beziffert. Die Polizei ermittelt jetzt gegen den jungen Graben-Neudorfer und seine aus Rastatt kommende Freundin.