Darius Follner ist im dritten Jahr seiner Ausbildung zum Schreiner. Er schätzt die Vielseitigkeit seines Werkstoffs Holz. | Foto: Manzey

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„Immer Staub in den Haaren“ – Darius Follner macht in Walzbachtal eine Ausbildung zum Schreiner

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Wie viele andere Handwerker können auch Schreiner heutzutage auf einige Hilfsmittel und Werkzeuge zurückgreifen. Dennoch bleibt der Beruf nicht ungefährlich, wie Auszubildender Darius Follner berichtet. Er schätzt die Vielseitigkeit, auch wenn man sich dabei mal Haare oder Hände schmutzig macht.

Möbel von der Stange? Das kommt für Darius Follner nicht infrage. Der 19-Jährige ist im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Schreiner bei der Schreinerei Hemmer in Walzbachtal. Dort schätzt er vor allem die Abwechslung: Seine Ausbildung hat Follner nämlich in einer anderen Schreinerei begonnen. Die war spezialisiert auf die Ausstattung von Arztpraxen. Das war ihm aber zu eintönig.

Das erste Ausbildungsjahr ist rein schulisch

Zu Beginn des zweiten Lehrjahrs wechselte er den Arbeitgeber. Schwierigkeiten brachte der Wechsel nicht. Das erste Lehrjahr sei rein schulisch, erklärt Follner. Die Auszubildenden sind nur für wenige Tage zum Praktikum im Betrieb. Erst im zweiten Lehrjahr erhält die praktische Ausbildung mehr Raum.

715 Euro brutto verdient Follner im dritten Lehrjahr. Im ersten Jahr bekam er 30 Euro pro Tag im Ausbildungsbetrieb. Wie die Auszubildenden in dieser rein schulischen Zeit bezahlt werden, regelt jeder Betrieb für sich.

Es ist ein Beruf, bei dem man sieht, was man geschafft hat

Darius Follner, Auszubildender zum Schreiner

Bei der Schreinerei Hemmer beginnt Follners Arbeitstag um 8 Uhr morgens, meist mit dem Zerschneiden von Holzresten. Oft belädt er den Bus, um mit seinen Kollegen auf Montage zu fahren. Feierabend ist in der Regel um 16.30 Uhr.

„Schreiner ist ein Beruf, bei dem man sieht, was man geschafft hat“, fasst Follner seine Ausbildung zusammen. Das betreffe nicht nur die Möbel, die er fertigt. Egal, was er tue – er habe immer Staub in den Haaren, gibt er lachend zu. Sich schmutzig zu machen, gehöre eben zum Handwerk dazu. „Man muss mit den Händen arbeiten wollen.“

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Dabei ist das Schreinerhandwerk nicht immer bequem: Viele Werkstätten seien im Winter nicht immer gut geheizt, verrät Follner. Im Sommer schwitze er auch mal bei der Montage draußen in der Sonne.

Arbeitsschutz ist ein wichtiges Thema

Ein gesundes Selbstbewusstsein ist für ihn eine notwendige Charaktereigenschaft. Man müsse Entscheidungen treffen, auch mal hart im Nehmen sein. Immerhin ist der Beruf nicht ganz ungefährlich, trotz aller Hilfsmittel.

Es könne vorkommen, dass man sich einen tiefen Spreißel einfängt oder einem ein Brett auf den Fuß fällt. „Das wird weiterhin so bleiben“, sagt Follner, auch wenn der technische Fortschritt bereits Einzug in die Werkstätten gehalten hat.

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Arbeitsschutz ist insgesamt ein wichtiges Thema. Schon in der Schule werde den Auszubildenden beigebracht, Kollegen an Maschinen nur mit Vorsicht anzusprechen, damit sich niemand erschrickt. Auch das Tragen eines Gehörschutzes gehört für Follner zum Arbeitsalltag, denn in der Werkstatt kann es sehr laut werden, wenn beispielsweise die Säge läuft.

Kreativität innerhalb der Kundenwünsche

Seine kreative Ader kann Follner dafür bei der Planung der Möbel ausleben. Solange man sich an die Kundenwünsche halte, könne man den Möbeln seinen eigenen Stempel aufdrücken. Vor der Planung sei es aber wichtig, genaue Vorstellungen zu haben, in welcher Umgebung das neue Möbel stehen soll.

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Einrichtung, Fußboden, Wände – alles in der Wohnung der Kunden beeinflusst die Wahl der Holzart, die Formsprache oder mögliche Schubfächer oder Glasplatten. Das neue Stück soll sich schließlich nahtlos in seine Umgebung einpassen. Über sein eigenes Gesellenstück hat sich Follner auch schon Gedanken gemacht. Er plant eine Bar. Seinen ursprünglichen Plan mit einem variablen Möbel hat er verworfen.

Mehr Wertschätzung für hochwertige Möbel

Für Auszubildende zum Schreiner ist es wichtig, schnell selbstständig zu arbeiten und sich viel bei den Kollegen abzugucken, erklärt Follner. Man müsse auf Leute zugehen und auch mal um Hilfe bitten können. Ein offenes und freundliches Wesen braucht man natürlich auch für den Umgang mit Kunden. Von denen würde er sich mehr Wertschätzung für qualitativ hochwertige Möbel wünschen.

Wenn man es will, kann man sich im Handwerk echt was aufbauen.

Nach der Ausbildung möchte sich Follner gern zum staatlich geprüften Gestalter weiterbilden. Daneben könnte er auch die Weiterbildung zum Meister oder Techniker machen. Sogar ein Innenarchitektur-Studium ist möglich. „Wenn man es will, kann man sich im Handwerk echt was aufbauen“, sagt Follner. Und viele Tricks und Kniffe für seine eigene Einrichtung hat er sich auch abgeguckt.