Aufgereiht: Laura Hechler checkt einen der in ihrem Betrieb in Blankenloch eingelagerten Kunden-Räder. Die werden im Regal verstaut, bis sie im Frühjahr wieder ihren Dienst am Auto aufnehmen. | Foto: Rake Hora

Einlagerung im Trend

Reifen einlagern: Winterquartier für die „schwarzen Schlappen“

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Hier und da mal frühmorgendliches Scheibenkratzen, ansonsten hat Väterchen Frost der Region bisher die kalte Schulter gezeigt, mit Schnee oder Eis ist wohl auch in der ersten Adventswoche nicht zu rechnen. Dennoch: Das Gros der Autofahrer hält es mit der Faustformel „Winterreifen von O bis O“, also von Oktober bis Ostern, hat die Felgen mit den Sommerpneus ab- und die für den Winter angeschraubt – oder vom Reifenhändler anschrauben lassen.

Ansturm vorbei

Eine BNN-Umfrage im Gebiet der Hardt-Ausgabe ergab: Ob beim Reifen- und Autoservice von Stefan und Laura Hechler in Stutensee-Blankenloch, bei Reifen Eichhorn in Walzbachtal-Jöhlingen oder bei Reifen Geggus in Weingarten, der große Ansturm ist vorbei. Der Wechsel auf Winterreifen habe spät angefangen, sagt Laura Hechler. „Doch dann brummte das Geschäft bis in den November hinein. Jetzt sind die Terminanfragen wieder um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen.“ Frank Eichhorn bestätigt: „Es wird weniger. Wenn dann die ersten Schneeflocken fallen, nimmt’s nochmal zu.“ Und auch in Weingarten sei es nach der heißen Wechselphase nun wieder ruhiger, so Ute Geggus.

Winterreifenwechsel: Der Ansturm auf Reifenhändler und Werkstätten ist vorbei. Wenn die ersten Flocken fallen kommen die Unentschlossenen – und es zieht nochmal an. | Foto: Patrick Pleul/dpa

Dunkel über den Winter

Wer sein Fahrzeug mit Winterreifen ausgerüstet hat und die Sommerpneus zuhause lagert, sollte sie mit Sorgfalt in ihren „Winterschlaf“ verabschieden, damit die Reifen im Frühjahr wieder gut erholt ihren Dienst am Auto aufnehmen können: „Sie sollten kühl gelagert werden. Und dunkel, damit sie keinem UV-Licht ausgesetzt sind. Das ist schädlich für die Reifen. Im Gummi ist Weichmacher drin, der wird durch das UV-Licht herausgelöst, die Reifen werden hart und porös“, erklärt Frank Eichhorn.

Tipps von Reifen-Experten

Weitere Tipps: Reifen kennzeichnen, damit sie später wieder am gleichen Platz montiert werden können. Den Luftdruck vor dem Lagern um rund 0,5 bar erhöhen. Räder säubern. Reifen auf Beschädigungen und Profiltiefe überprüfen, eventuell müssen sie zur nächsten Saison ausgetauscht werden. „Mit Felgen können sie dann aufeinandergestapelt werden. Abgezogene Reifen müssen stehend gelagert werden“, betont Eichhorn. Die Reifen von den Felgen abziehen – ist das überhaupt noch in? „Ja“, sagt er. „Bei Leasingfahrzeugen wird das oft so gemacht.“ Weil die Besitzer nicht wissen, ob die Räder auf einen anderen Wagen passen, „wird auf einen zweiten Felgensatz verzichtet“.

Einlagerung im Trend

Deutlich wird: Der Trend geht zur Einlagerung der schwarzen Schlappen beim Reifenhändler oder bei der Autowerkstatt. „Die Nachfrage steigt“, macht Frank Eichhorn deutlich. Das komme sicher auch auf die Platzverhältnisse zuhause an, „die Räder werden ja immer größer“, meint Laura Hechler. „Bei uns werden die Räder erst gewaschen, getrocknet und sicher ins Regal gestellt. Sie werden bei Bedarf neu ausgewuchtet, und sie sind versichert. Der Kunde erhält quasi ein Rundum-Sorglos-Paket“, sagt sie. „Werden Beschädigungen oder eine zu geringe Profiltiefe festgestellt, vermerken wir das und erledigen es, wenn die Räder wieder zurück gewechselt werden. Der Kunde könnte bis dahin ja ein anderes Fahrzeug haben, an das die alten Räder nicht mehr passen. Deshalb machen wir das so.“

Viele Betriebe bieten diesen Service an

40 Euro pro Satz und pro Saison (halbjährlich) koste die Einlagerung bei ihnen, erklärt Laura Hechler. Beim Preis gebe es schon Unterschiede, die Spanne dürfte sich zwischen 20 und 80 Euro bewegen, meint sie. Wer sich nicht um seine Reifen kümmern will oder keine entsprechende Lagermöglichkeit hat: Unter anderem auch Eichhorn (22 Euro pro Satz und Saison/Pkw; 27 Euro/SUV, Bus) und Geggus (etwa 30 Euro) bieten in der Region die Einlagerung an. Montage, Reinigung, Reifencheck: das Leistungspaket unterscheidet sich kaum.

Alternative Allwetterreifen?

Festzuhalten ist aber auch: Ganzjahres- oder Allwetterreifen werden immer beliebter. „Die Nachfrage ist sehr groß“, erklärt Laura Hechler. „Aber sie sind nur ein Kompromiss. Für die Verhältnisse hier in der Gegend reichen sie normalerweise aus. Auch wenn jemand nur 5 000 Kilometer im Jahr oder vor allem innerstädtisch unterwegs ist, genügen sie völlig. Wenn’s aber im Winter in den Schwarzwald und im Sommer in den Urlaub nach Süden geht, raten wir ab.“ Dann wären die jeweiligen Sommer- und Winterspezialisten die bessere Wahl.

Beliebt für Zweitwagen

„Für Leute, die nicht viel fahren, sind Ganzjahresreifen bei uns geeignet“, sagt Ute Geggus. „Oder wenn sie ihr Auto bei Winterwetter mit schwierigen Verhältnissen stehen lassen können.“ So sehen es auch die Tester vom ADAC. Beliebt seien Ganzjahresreifen für ältere Autos oder Zweitwagen, macht Frank Eichhorn deutlich. „An einem Fahrzeug sind dann die Winterreifen, am anderen die Allrounder montiert.“

Bei Reifen auf Qualität achten

Auf jeden Fall solle man gute Markenreifen nehmen. Die sind entgegen der M+S-Kennzeichnung (die genügt aus gesetzlicher Sicht, um als Winterreifen anerkannt zu werden, bescheinigt dem Reifen allerdings lediglich ein etwas gröberes Profil) wie Winterreifen am höherwertigen Schneeflocken-Label zu erkennen. „Die Leute geben so viel Geld für ihr Auto aus, da sollten sie an den Reifen nicht sparen“, betont Laura Hechler. Denn die könnten eine Lebensversicherung für sie sein.