Verlässt das Rathaus: Manfred Werner, seit 1984 Rußheimer Ortsvorsteher, hört nach insgesamt 45 Jahren in der Kommunalpolitik auf. | Foto: Manfred Spitz

45 Jahre Kommunalpolitiker

Rußheim: Ortsvorsteher Manfred Werner hört nach 35 Jahren auf

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In Dettenheim endet eine Ära. Manfred Werner, seit 1984 Rußheimer Ortsvorsteher, hört auf. Mit der Kommunalwahl am 26. Mai erlischt sein Mandat. Insgesamt 45 Jahre war der 72-Jährige dann in der Kommunalpolitik. Als Gemeinde- und Ortschaftsrat sowie Ortsvorsteher. Im Juli nach der konstituierenden Sitzung des neuen Ortschaftsrates, wird dann sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin feststehen.

Ich wüsste niemand, der das so lange geschafft hat

Manfred Werner lacht. „Ich wüsste niemand im Landkreis Karlsruhe, der es so lange geschafft hat“, meint der „dienstälteste Ortsvorsteher“, und nimmt – wie in den vergangenen 35 Jahren – an seinem Schreibtisch im Rußheimer Rathaus Platz.

Am 26. Mai ist Schluss: Manfred Werner an seinem Schreibtisch im Rußheimer Rathaus. 35 Jahre war er dann Ortsvorsteher. | Foto: Manfred Spitz

Manfred Werner (Freie Wähler Dettenheim/FWV), das sind insgesamt 45 Jahre geballte Kommunalpolitik: 1975, als 28-Jähriger, wurde er Gemeinderat (bis 2014). 1980 zog der Bundesbahnamtmann in den Rußheimer Ortschaftsrat ein. 1984 trat Werner die Nachfolge von Manfred Heger als Rußheimer Ortsvorsteher an. Doch jetzt ist Schluss. Am Ende der Legislaturperiode hört Manfred Werner auf. Mit der Kommunalwahl am 26. Mai erlischt sein Mandat. Im Juli wird dann sein Nachfolger feststehen.

Seit insgesamt 45 Jahren in der Kommunalpolitik

„Ich war sehr gerne Ortsvorsteher und Gemeinderat“, sagt Manfred Werner. Viele Leute kennenzulernen und für den Ort etwas zu bewegen, das habe ihm großen Spaß gemacht, erklärt der 72-Jährige. „Im Grunde sind es immer die Menschen, die dem Leben seinen Wert geben“, zitiert Werner den Philosophen und Philologen Humboldt. „Jetzt freue ich mich aber auch, mehr Zeit für die Familie zu haben“, fügt er hinzu.

Vier Bürgermeister erlebt

Mit vier Bürgermeistern der Gesamtgemeinde Dettenheim hatte es Werner während seiner Zeit als Rußheimer Ortsvorsteher zu tun: Ludwig Reinacher, Armin Göbelbecker, Lothar Hillenbrand, Ute Göbelbecker. „Jeder lenkt die Gemeinde anders“, verdeutlicht Manfred Werner. Man müsse nicht immer einer Meinung sein, findet er, aber im Sinne der Gemeinde zum besten Ergebnis kommen. Meist war dem so.

Verdienstkreuz am Bande und Staufermedaille

In die lange Amtszeit Manfred Werners, der 2002 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland, 2013 den Freiheits- und Demokratiepreis der Weltliga für Freiheit und Demokratie Deutschland (einschließlich eines Treffens mit Bundeskanzlerin Angelika Merkel) und 2016 die Silberne Staufermedaille verliehen bekam, fällt unter anderem die 2015 abgeschlossene Dorfsanierung Rußheim, die Bebauungspläne „Nordwest I bis VI“ und „Hagäcker-Weglangenäcker“, die Erweiterung des Gewerbegebiets „Waldteiler“ mit Ansiedlung von Einkaufsmärkten, die Einrichtung von Kindergärten, Grünanlagen und Spielplätzen oder die „Hand in Hand mit den Vereinen“ gestaltete 1200-Jahr-Feier (1984), aber auch Verkehrsthemen wie die B36-Umfahrung oder die L602 nach Huttenheim.

Ewigkeitssteg hätte man erhalten sollen

„Ein Steckenpferd“ war die Friedhofsgestaltung, die Pläne habe er selbst gezeichnet. Das, aber auch die Umgestaltung der Friedhofshalle zur -kapelle, der Bau der Pfinzhalle (Einweihung 1976; Erweiterung mit Sporthalle 2016), den Erlebnisspielplatz „Thingstätte“ oder das Bunkermuseum nennt Werner als „Herzensangelegenheiten“. Schade sei, dass der Ewigkeitssteg über den Saalbach „dem Geld zum Opfer fiel“, sagt Werner. „Als Fuß- oder Radweg hätte man ihn erhalten sollen.“

Viele weitere Ehrenämter neben Ortsvorsteher-„Job“

Ob beim Gesangverein, Fußballverein, bei der Interessengemeinschaft Rußheimer Ortsvereine, bei Chorverband Karlsruhe und Gruppe Hardt, als Seniorenbeauftragter oder als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Ortsvorsteher im Regierungsbezirk Karlsruhe – es würde den Rahmen sprengen, alle weiteren Ehrenämter neben seinem „Job“ als Ortsvorsteher zu nennen. Doch auch die gibt Rußheims „Mr. Kommunalpolitik“ nun sukzessive ab, wie er sagt.