Schnelligkeitsübung: Eine von fünf Aufgaben, die von den Teams der Jugendfeuerwehr Liedolsheim gemeistert werden muss, um das höchste Abzeichen der Deutschen Jugendfeuerwehr zu schaffen. | Foto: Rake Hora

Teamgeist und Zusammenhalt

Jugendfeuerwehr Liedolsheim: Einzelkämpfer nicht gefragt

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Die Schläuche liegen zusammengerollt auf dem Boden. „Gruppe 1 bereit?“, fragt Jugendwart Marco Förderer. Ein neunstimmiges „Ja“ schallt zurück. „Weiß jeder, was er zu tun hat?“ Kollektives nicken. Alles klar bei Gruppe 1 der Jugendfeuerwehr Liedolsheim, die angetreten ist, um für die Leistungsspange zu trainieren. Also: „Achtung – fertig – und los.“ Die BNN waren bei einem Übungsabend dabei.

Angetreten: Jana und die Jungs von der Jugendfeuerwehr Liedolsheim. | Foto: Hora

Als erstes steht an diesem Abend die Schnelligkeitsübung auf dem Programm. Dabei müssen, außer dem Gruppenführer, alle acht anderen Mannschaftsmitglieder so schnell wie möglich einen C-Schlauch hintereinander verlegen und die Schläuche aneinander koppeln. Ein Schlauch ist 15 Meter lang, macht 120 Meter. Nach maximal 75 Sekunden muss die Schlauchleitung „stehen“. Dann reicht es noch für einen Punkt. Dauert es länger, gibt’s nix. Gruppe 1 schafft es deutlich schneller. Auch Gruppe 2 ist gut in der Zeit. „Aufpassen, dass kein Dreher drin ist. Das ist das wichtigste“, warnt Marco Förderer.

Zu Gast bei der Jugendfeuerwehr Liedolsheim

Doch schon ist es  passiert. Der Schlauch liegt nicht so, wie er soll. „Das geht besser. Noch einmal.“ Schläuche einrollen. Zurück. „Achtung – fertig – und los.“ Jetzt klappt’s. Jugendwart Marco Förderer  und Jugendgruppenleiter Jonas Seitz, der ihn unterstützt, sind zufrieden. „Der Schlauch muss sauber ausgerollt werden. Sonst könnte es im Ernstfall Probleme geben“, erklären sie. „Deshalb wird bei der Leistungsabnahme ganz genau darauf geachtet und jeder Fehler bestraft.“

Die Leistungsspange ist ein besonderer Meilenstein für die Nachwuchsfeuerwehrleute. Von der Abteilung Liedolsheim wollen am kommenden Samstag, 7. Juli, elf Jungs und ein Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren das höchste Abzeichen der Deutschen Jugendfeuerwehr schaffen. Bei einer Gruppenstärke von neun Mann (beziehungsweise Frau) bedeutet das: „Einige müssen doppelt ran. Das ist nicht ohne“, verdeutlicht Jonas Seitz. 2014 hat die Liedolsheimer Jugendfeuerwehr letztmals an der Leistungsspange teilgenommen. Jonas Seitz war damals dabei.

Jetzt müssen wir unser Können zeigen

Diesmal ist die Abnahme vor „heimischer Kulisse“ auf dem Platz des TV Liedolsheim. Also da, wo die Jugendfeuerwehr auch üben darf. „Wir wissen, was wir erarbeitet haben. Jetzt müssen wir unser Können zeigen“, meint der 15-jährige Joshua Albrecht. Seit der ersten Klasse macht er mit, Teamgeist und Zusammenhalt wären nirgendwo anders so ausgeprägt wie bei der Jugendfeuerwehr, findet Joshua.

Höchstes Abzeichen der Deutschen Jugendfeuerwehr

„Die Leistungsspange ist das einzige Abzeichen aus dem Jugendbereich, das später dann an der Aktiven-Uniform getragen werden darf“, unterstreicht Jan Becker aus Karlsbad, der Kreisjugendfeuerwehrwart des Landkreises Karlsruhe, die Bedeutung. Fünf verschiedene Teilbereiche gibt es:  Schnelligkeitsübung, Löschangriff, Kugelstoßen, Staffellauf, außerdem wird Theorie geprüft. Alles an einem Tag. Die Regeln sind deutschlandweit einheitlich. Auf die Zusammenarbeit in der Gruppe wird besonderes Wert gelegt. „Einzelkämpfer sind da nicht gefragt. Entweder alle schaffen es oder alle fallen durch“, sagt Kreisjugendfeuerwehrwart Jan Becker.

Auch Umgang miteinander wird bewertet

„Bei jeder Aufgabe muss mindestens ein Punkt erreicht werden, sonst heißt es: nicht bestanden“, erklärt Marco Förderer. Außerdem müssten Befehle klar und deutlich kommuniziert werden. Auch Disziplin und Auftreten, Zusammenhalt und der Umgang miteinander werde bewertet. Bei jeder Übung. Von Schiedsrichtern, die ganz genau auf alles achten. „Und davon“, meint Jonas Seitz schmunzelnd, „gibt es bei der Leistungsabnahme viele.“

Jugendfeuerwehr Liedolsheim 1966 gegründet

Ordnung, klare Anweisungen und Abläufe: Später bei richtigen Einsätzen mit der aktiven Wehr können Menschenleben davon abhängen, „Strenge“ wird deshalb bereits in der Jugendfeuerwehr geübt. 30 Kinder und Jugendliche, darunter zwei Mädchen, im Alter von sechs bis 17 Jahren hat die bereits 1966 gegründete Jugendfeuerwehr Liedolsheim, „das ist ordentlich“, betont Marco Förderer. Spielerisch werde ihnen der Umgang mit den Geräten der Feuerwehr und das Zusammenarbeiten bei Übungen vermittelt.

Janas Mutter ist Feuerwehrfrau

In Baden-Württemberg werden die Nachwuchsfeuerwehrleute mit 17 Jahren in die Aktive Wehr übernommen. Ausbildungen und Übungen dürfen sie dann mitmachen, Einsätze erst ab 18. Im September absolviere sie einen Grundlehrgang, erzählt Jana Meyer (17). Mit Kilian, ebenfalls von der Jugendfeuerwehr Liedolsheim. „Meine Mutter ist bei der Feuerwehr, ich bin seit fünf Jahren dabei“, sagt Jana. Der Zusammenhalt, die Teamarbeit, das ist es, was sie bei der Jugendfeuerwehr besonders schätzt.

Jendriks Vater ist der Abteilungskommandant

„Ich denke schon, dass ich später dabei bleibe“, meint Jendrik Seitz (15). Klar, er kommt ja aus einer Feuerwehrfamilie. Sein älterer Bruder Jonas ist, genau, Jugendgruppenleiter. Und Vater Markus der Liedolsheimer Abteilungskommandant. „Durch ihn bin ich schon vor der ersten Klasse dazugekommen“, verrät Jendrik. „Freiwillig dazugekommen“, fügt er hinzu und lacht.

Die Vorbereitung begann im März

Die Leistungsspange ist gewissermaßen ein Herantasten an die Zeit als aktive Feuerwehrleute. Handgriffe sollten langsam in Fleisch und Blut übergehen. Die Liedolsheimer haben im März mit der Vorbereitung auf den wichtigen Abnahmetag begonnen. Erst einmal, seit Mai zweimal wöchentlich trifft man sich zum Proben und Trainieren. Kugelstoßen sei nicht jedermanns Sache, vor allem aber die Schnelligkeitsprüfung habe es in sich, bis jeder Griff sitze, meint Marco Förderer – bevor es zum Löschangriff geht.

Eine Blockhütte „brennt“

Die Tragkraftspritze steht bereit. Schläuche liegen, fein säuberlich aufgereiht, daneben im Gras.  „Dort hinten“, Marco Förderer zeigt auf das andere Ende der Rasenfläche auf dem Gelände des TV Liedolsheim, „dort hinten bei den Pylonen steht eine Blockhütte in Flammen. Die muss mit Wasserentnahme aus einem offenem Gewässer gelöscht werden“, beschreibt er das angenommene Szenario. Ruhig werden vier Saugschläuche aneinandergekoppelt, zur Sicherheit noch vertaut, eine Leitung zur Pumpe verlegt. Von dort wird dann der Löschangriff in Richtung „brennendes Objekt“ aufgebaut. Der Schlauchtrupp legt die Leitung. Angriffs- und Wassertrupp gehen zuerst vor. Dann rückt der Schlauchtrupp nach. Und vom Maschinisten an der Pumpe kommt das Kommando „Wasser marsch“.

Am Wettkampftag steigt das Adrenalin

Üben sei eine Sache, meint  Marco Förderer. „Am Wettkampftag ist das dann nochmal was ganz anderes. Da geht das Adrenalin hoch.“ Aber heute ist der Liedolsheimer Jugendfeuerwehrwart zufrieden. Und er weiß: auf seine Truppe, auf Jana, Nils, Marcel, Joel, Josua, Elias, Jendrik, Kilian, Silas, Jona, Nick und Patryk kann er sich verlassen.

Abnahme am 7. Juli auf Platz des TV Liedolsheim

Die Abnahme zur Jugendfeuerwehr-Leistungsspange ist am Samstag, 7. Juli (etwa 9 bis 14 Uhr), auf dem Platz des TV Liedolsheim statt. Voraussichtliche Teilnehmer: Je zwei Gruppen der Jugendfeuerwehren aus Kraichtal, Kornwestheim, Niefern-Öschelbronn und Liedolsheim sowie eine Gruppe aus Hambrücken.

Stichwort Jugendfeuerwehr: Von anfangs 36 Jugendfeuerwehren mit 356 Mitgliedern im Jahr 1973 entwickelte sich die Jugendfeuerwehr des Landkreises Karlsruhe zu einer der mitgliederstärksten Baden-Württembergs mit 1824 Mitgliedern, davon 437 Mädchen, in 95 Jugendfeuerwehren im Jahr 2017. Als letzte Gemeinde gründete Gondelsheim im Jahr 2008 eine Nachwuchsabteilung. Seither ist die Jugendfeuerwehr in jedem Ort im Landkreis präsent. – Mitglieder (Stand 31. Dezember 2017) der Jugendfeuerwehren im Bereich der BNN-Hardtausgabe: Dettenheim: 55 (davon 8 Mädchen); Graben-Neudorf: 44 (9); Linkenheim-Hochstetten: 56 (20); Stutensee: 78 (17), Eggenstein-Leopoldshafen: 76 (18); Weingarten: 18 (2); Pfinztal: 62 (13); Walzbachtal: 38 (8) – Eintrittsalter: Das  ist gemeindeabhängig. In der Regel nehmen die Freiwilligen Feuerwehren Kinder ab 10 bis 12 Jahren in die Jugendfeuerwehr auf. Gibt es eine Kindergruppe, dürfen auch schon Sechsjährige mitmachen. Dabei stehen Spiel und Sport zunächst im Vordergrund. – Infos: Bei jeder Feuerwehr oder bei der Jugendfeuerwehr des Landkreises Karlsruhe: www.jf-landkreis-karlsruhe.de