Die Nachwuchspolitiker André Jackwerth (CDU/Junge Liste, von links nach rechts), Andreas Laitenberger (AfD) und Arne Bachmann (Die Linke, von links) wollen dafür sorgen, dass der Kreistag die Jugend nicht aus den Augen verliert.
Die Nachwuchspolitiker André Jackwerth (CDU/Junge Liste, von links nach rechts), Andreas Laitenberger (AfD) und Arne Bachmann (Die Linke, von links) wollen dafür sorgen, dass der Kreistag die Jugend nicht aus den Augen verliert. | Foto: Hora

Landkreis Karlsruhe

Jüngste Politiker im Kreistag wollen Nahverkehr voranbringen und Wohnraum schaffen

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Sie kommen aus unterschiedlichen politischen Lagern. Trotzdem brennen ihnen ähnliche Themen auf den Nägeln: André Jackwerth (CDU/Junge Liste), Andreas Laitenberger (32, AfD) und Arne Bachmann (27, Die Linke) sind die drei Jüngsten im neuen Kreistag des Landkreis Karlsruhe.

Das Durchschnittsalter im Gremium liegt bei 55,8 Jahren. Dass dem so ist, das meinen die Youngsters zu spüren: „Wir haben viele Kreisräte, die jahrelange Erfahrung in der Kommunalpolitik haben. Die Diskussionen haben ein hohes Niveau, es ist viel Fachkenntnis vorhanden. Aber manchmal ist der Blickwinkel etwas einseitig, fehlt die Sicht auf junge Menschen“, sagt André Jackwerth, der nicht nur im Kreistag, sondern auch im Gemeinderat seiner Heimatstadt Waghäusel sitzt.

Im Kreistag geht es hauptsächlich um pragmatische Themen

Andreas Laitenberger, neu gewählter Stadtrat in Bretten, und Arne Bachmann aus Stutensee, betonen den guten Konsens der Fraktionen: „Im Kreistag geht es hauptsächlich um pragmatische Themen. Sich gegenseitig zu zerfleischen, macht wenig Sinn“, sagt Bachmann.

Dennoch, so hofft Laitenberger, könnte die junge Generation dazu beitragen, die Debatten etwas lockerer zu gestalten. „Wir Junge sind risikofreudiger.“ Er selbst möchte in den kommenden fünf Jahren seinen Teil dazu beitragen, dass der „Kreistag wegkommt von einstimmigen Beschlüssen. Man kann auch mal Nein sagen.“

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Nachwuchspolitiker liegen thematisch nicht so weit auseinander

Auch wenn das Trio drei Fraktionen angehört, deren Ausrichtung sich teils deutlich unterscheidet: Fragt man die jungen Kreisräte danach, welche Themen ihnen besonders wichtig sind, liegen die Antworten der drei gar nicht so weit auseinander.

Junge-Liste-Mann Jackwerth, der gerade sein Masterstudium des Wirtschaftsingenieurwesens abgeschlossen hat und auf die Suche nach einer Arbeitsstelle geht, liegt vor allem der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) am Herzen.

Im Verwaltungsausschuss sprach er sich jüngst für einen sogenannten integralen Fahrplan aus, mit dem die Bus- und Bahnlinien im gesamten Landkreis besser aufeinander abgestimmt werden sollten. „Ich kann mir Umsteigepunkte vorstellen, die ich mit anderen Verkehrsmitteln gut erreiche und von denen aus ich schnell und einfach weiterkomme“, sagt der 27-Jährige.

Er ist sich sicher: „Wenn wir gute Rahmenbedingungen schaffen, können wir den Verkehr im Kreis auf den ÖPNV umschichten.“

Einsatz für besseren ÖPNV

Auch Arne Bachmann von der Linken, der als Pflegefachkraft in einer Senioreneinrichtung arbeitet und gar nicht ernsthaft damit gerechnet hatte, mit der Wahl im Mai ein Mandat zu bekommen, möchte sich für einen besseren ÖPNV einsetzen: „Ich sehe das in Stutensee. Wenn jemand nachts von Karlsruhe nach Staffort muss, das gestaltet sich schwierig.“

Deswegen würde es der Linke sehr begrüßen, wenn die Linie S2 bis nach Bruchsal verlängert würde, was der Kreis derzeit wieder untersucht. André Jackwerth geht noch ein Stück weiter: „Wenn wir zum Ende der Legislaturperiode die Verlängerung der S2 weiter bis nach Waghäusel in Planung hätten – das wäre gut.“

Wohnraum als Kernthema

Den Blick in die Zukunft verknüpft Bachmann mit dem Thema sozialer Wohnungsbau. „Wir Linken fordern, dass die Kommunalanstalt für Wohnraum in eine Anstalt für sozialen Wohnungsbau umgewandelt wird.“ Die Kommunalanstalt hatte bisher insbesondere Wohnraum für Flüchtlinge organisiert.

Wohnraum ist auch das Kernthema von AfD-Mann Andreas Laitenberger, der als selbstständiger Immobilienvermittler einige Expertise mitbringt: „Ich sehe den Endkunden, für den es immer schwieriger wird, zu bauen oder zu kaufen.“

Deswegen spricht er sich dafür aus, dass Städte und Gemeinden noch mehr Einfluss auf Bebauungspläne nehmen, sodass überall im Landkreis bezahlbarer Wohnraum entsteht.