Uniformen der Feuerwehr hängen in einem Schrank
In den Freiwilligen Feuerwehren gibt es immer noch viel weniger Frauen als Männer. | Foto: Bernd Wüstneck/zb/dpa/Archivbild

Frauen-Mangel

Jugendarbeit ist wichtig für den Frauen-Anteil in der Feuerwehr

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Blaulicht, Sirene, Uniform – die typischen Attribute der Feuerwehr begeistern vor allem Jungs. Frauen und Mädchen findet man hingegen seltener in der Freiwilligen Feuerwehr. Entscheidend für den Frauenanteil in den jeweiligen Feuerwehren scheint dabei auch die Jugendarbeit zu sein.

Von 116 aktiven Mitgliedern der Einsatzabteilung sind bei der Freiwilligen Feuerwehr Eggenstein-Leopoldshafen lediglich 17 weiblich. Eine davon ist Bianca Lang. Die Feuerwehrfrau und Stabführerin des Spielmannszugs trat mit 18 Jahren in die freiwillige Feuerwehr ein.

Viele glauben, dass die Feuerwehr eine reine Männerarbeit ist.

Viele Jahre war sie die einzige Frau, doch das habe sie nicht gestört. „Viele glauben, dass die Feuerwehr eine reine Männerarbeit ist.“ Körperliche Grenzen stellen für viele Frauen eine Hemmschwelle dar, ist Lang überzeugt. Dabei gebe es viele verschiedene Aufgaben, betont sie.

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Körperliche Grenzen schrecken Frauen ab

Diese Vielfalt schätzt auch Lisa Hammerschmidt. Sie ist nicht nur Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Linkenheim-Hochstetten, sondern auch Ausbilderin für Einsatztaktik an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal. Dort schult sie Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren, aber auch der Berufsfeuerwehr. Je nach Kurs kann es vorkommen, dass Hammerschmidt ihren Unterricht nur vor Männern hält.

Körperliche Grenzen seien sicher ein Grund, weshalb es weniger Frauen in der Feuerwehr gibt, glaubt sie. Auch in ihrer eigenen Einsatzgruppe gebe es Frauen, die nicht alle Arbeiten ausführen könnten – der Umgang der Gruppe damit sei aber entscheidend.

Vereinzelt gibt es  Vorurteile

Im Einsatz gebe es immer wieder schwierige Situationen, man müsse sich auf die Kameraden verlassen können. „Aber dabei kommt es nicht darauf an, ob der andere ein Mann oder eine Frau ist, sondern auf den Charakter“, betont Hammermeister. Sie selbst musste schon vereinzelt gegen Vorurteile kämpfen. Die richteten sich aber meist grundsätzlich gegen Frauen in der Feuerwehr.

Für Stefanie Hoffmann, Schriftführerin der Freiwilligen Feuerwehr Graben-Neudorf, ist es ganz legitim, bei körperlich zu schweren Arbeiten um Hilfe zu bitten. Immerhin seien die Aufgaben der Feuerwehr Teamarbeit, da helfe man sich gegenseitig. Was ihnen an Kraft fehle, machten Frauen dafür oft mit einem guten Organisationstalent und mehr Empathie wett.

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Jugendarbeit ist entscheidend

Entscheidend für den Frauenanteil scheint auch zu sein, ob es eine Jugendfeuerwehr gibt. Zwar ist der Anteil der Mädchen in der Jugendfeuerwehr in Graben-Neudorf im Gegensatz zu Linkenheim-Hochstetten und Eggenstein-Leopoldshafen nicht signifikant höher als in der Einsatz-Abteilung – fünf von 34 in der Jugend, elf von 111 in der Einsatzabteilung –, doch Hoffmann ist überzeugt, dass der frühe Einblick in die Feuerwehrarbeit hilft.

In der heutigen Zeit darf man sich nicht mehr die Frage stellen: ,Kann Frau das?‘

Grundsätzlich gebe es laut Hoffmann keinen Grund, der Frauen von der Feuerwehr fernhalten würde. „In der heutigen Zeit darf man sich nicht mehr die Frage stellen: ,Kann Frau das?‘“ Für viele sei es eher eine Zeitfrage: Weibliche Quereinsteiger kämen oft erst, wenn die Kinder schon aus dem Haus sind.

Feuerwehrleute wünschen sich mehr Aufklärung

Für interessierte Frauen möchte Hoffmann ein Vorbild sein. Wie auch andere Feuerwehren wirbt die Feuerwehr Graben-Neudorf in ihrer Image-Broschüre gezielt mit weiblichen Mitgliedern. Hoffmann ist es wichtig, mit Interessierten ins Gespräch zu kommen, „von Frau zu Frau“, ebenso in ihrer Arbeit als Kreisausbilderin. Wie Hammermeister lehnt sie eine Frauenquote als nicht praktikabel ab. Stattdessen brauche es mehr Aufklärung über die Arbeit der freiwilligen Feuerwehr. Dann würden sich mehr Menschen – und damit auch Frauen – ehrenamtlich engagieren.

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