Eine vollbesetzte Pfinzhalle illustriert die Bedeutung der Diskussion um den Hochwasserschutz in Dettenheim-Rußheim und Philippsburg-Rheinsheim. Mit dabei beim Info-Abend der Bürgerinitiativen: Bürgermeister, Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker. | Foto: Werner

Info zu Hochwasserschutz

Kämpferische Stimmung bei Elisabethenwört

Im Prinzip geriet die Veranstaltung, die jetzt in der Rußheimer Pfinzhalle über den Sachstand im Streitobjekt „Elisabethenwört“ bürgernah informieren sollte, zu einer recht hitzigen, teils sehr emotional geladenen Protestversammlung mit kämpferischer Note. Eingeladen hatten die Bürgerinitiativen „Rußheimer Altrhein“ mit Karl-Heinz Schmidt sowie „Wir sind Heimat“ Philippsburg mit Uwe Hormuth. Wie im Vorfeld Mitte April bei der Vor-Ort-Begehung in Philippsburg war neben den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden eine ganze Reihe von Abgeordneten vor allem aus dem Landtag mit dabei.

Unverständnis

Weitgehend bekannt waren die Positionierungen der Gemeinden. Dettenheims Bürgermeisterin Ute Göbelbecker und ihr Germersheimer Kollege Marcus Schaile sprachen sich eindeutig für die „beste und funktionalste“ Variante eines kleinen gesteuerten Polders aus. Ärger und Unverständnis über die im Februar überraschend von Staatssekretär André Baumann verkündete Entscheidung, mit der Variante „Kleine Dammrückverlegung“ ins Planfeststellungsverfahren zu gehen, kam deutlich zum Ausdruck. Man werde sich jetzt nicht „still verhalten und alles so schlucken“ wie es vom Landesumweltministerium vorgesetzt werde, betonte Ute Göbelbecker.

Nulllösung

Für den Philippsburger Bürgermeister Stefan Martus kam eine kleine Polderlösung mit Flutungen nur im Notfall nur bedingt als Alternative für die von der Stadt weiter vertretene „Nulllösung“ in Betracht. Einerseits stellte er die Erforderlichkeit des gesamten Raums für den Hochwasserschutz in Frage und verwies auch auf den Rechtsweg, den die Stadt beschreiten will.

Breite Problempalette

Für eine bestmögliche Alternative aber müsste Druck auf Politik und Gesellschaft gemacht, die Betroffenheiten herausgearbeitet und Gutachten erstellt werden. Dafür brauche man die Initiativen und Bürger vor Ort als Experten, so Martus’ Aufruf. Neben Problemen wie steigenden Grundwasserständen, Stechmückenplagen, Müll- und Gifteintrag waren die befürchteten Umweltzerstörungen ein Kernpunkt. Die wären ebenso bei regelmäßigen ökologischen Flutungen in einer gesteuerten Polderlösung die Folge, so der Tenor.

Renaturierung von Naturschutzgebiet?

Die härteste Gangart legte in seiner Kritik dabei Uwe Hormuth ein. Es könne nicht sein, dass gewachsene Naturschutzgebiete „renaturiert“ werden. Seines Erachtens sei das Ziel und die Priorität tatsächlich, die Geschichtedes Oberrheins pseudoromantisch um 200 Jahre zurückzuverlegen. In bizarr ideologischem Verbund seien dabei Umweltministerium und Naturschutzverbände.

Pseudoromantiker

„Wir aber wollen unsere Natur schützen, uns gegen Pseudoromantiker wehren und dabei nichts unversucht lassen“, warf er in die Runde. Der Unmut, der sich besonders bei seinen Äußerungen im Publikum unter starkem Beifall Luft machte, mochte für die große Bewegung stehen, die er im Willen, diese Ziele zu erreichen, verortete. Appellierten Politiker mit versicherter Unterstützung dafür, die Einflussmöglichkeiten im weiteren Verfahren zu nutzen, so nahm Uwe Hormuth gleich Andrea Schwarz als Landtagsvertreterin der Grünen ins Visier. Sie erklärte, dass sie Behauptungen, Naturschutzgebiete würden zerstört, nicht nachvollziehen könne. Es entstehe eine Auenlandschaft von hohem Wert. Eine Dammrückverlegung hätte dasselbe Ergebnis wie ein Polder mit ökologischen Flutungen. Solche aber seien wie der Vertrag zum Hochwasserschutz mit Frankreich bei einem Polder verpflichtend.

Fachleute hören

Hartmut Weinrebe, BUND-Regionalverbandsgeschäftsführer, kritisierte die aufgeheizte Diskussion mit ihren persönlichen Angriffe und teils falschen Informationen. Es passe nicht zu der komplexen Aufgabe, Ängste zu schüren und dabei keine Fachleute zu hören. Er wünsche sich, dass man wieder zu einer rein sachlichen Diskussion komme.

 

Alexander Werner