Für den Verkauf in seinem Hofladen reichen die Spargel aus, die Mike Hill in Weingarten auf etwa 7.000 Quadratmetern produziert. Das schafft er zusammen mit einem Helfer. Anbauer mit größeren Flächen müssen bangen, ob die Helfer kommen.
Für den Verkauf in seinem Hofladen reichen die Spargel aus, die Mike Hill in Weingarten auf etwa 7.000 Quadratmetern produziert. Das schafft er zusammen mit einem Helfer. Anbauer mit größeren Flächen müssen bangen, ob die Helfer kommen. | Foto: Rake Hora

Hoffen auf das Wochenende

Frischer Spargel verzögert sich wegen kalter Nächte

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Die noch kalten Nächte verhindern, dass der Spargel wächst. Besonders betroffen sind Erzeuger,  die keine wachstumsfördernde Folie als Abdeckung nutzen – wie in Graben-Neudorf. Die Landwirte hoffen auf mehr Ertrag, wenn es zum Wochenende wärmer werden soll. Obwohl das Problem mit den Erntehelfern nicht gelöst ist.

Vielleicht zum Wochenende? Man wird sehen. Ziemlich klar ist, dass es an diesem Mittwoch noch keine großen Mengen an frischem Spargel geben wird. Freilich, im Großmarkt liegen schon welche für die Großkunden bereit, erzählt Mike Hill, der in Weingarten den Höhefelder Hof betreibt. „Ich habe noch keine“, ergänzt der Landwirt.

Voriges Jahr waren wir etwas früher dran.

Mike Hill, Landwirt in Weingarten

„In 14 Tagen, eventuell erst in drei Wochen wird es welchen geben.“ Und: „Voriges Jahr waren wir etwas früher dran“, sagt Hill, der seit dem vergangenen Jahr seine Spargel mit Folie schützt und die Frühjahrswärme nützt. Die kleine Fläche, die er kultiviert, etwa 70 Ar, reichen für den Bedarf seines Hofladens. Diese Menge kann er zusammen mit einem Erntehelfer selber stechen.

Spargel-Ertrag von kleiner Fläche reicht für den Verkauf im Hofladen

„Der Spargel ist noch nicht so weit“, sagt auch Marcus Melder in Graben. Am Montag hat er die Dämme für das Gemüse auf seinen Feldern gezogen. Seine Fläche ist mit einem Hektar ebenfalls relativ klein. Melder rechnet, dass es in einer Woche Spargel geben wird: „In der Nacht ist es derzeit noch zu kalt.“ Was er erntet – wie alle Spargel-Erzeuger in Graben-Neudorf ohne Folie –, kann er, auch dank seiner Stammkunden, in seinem Hofladen vermarkten: „Spargel ist eines von vielen Produkten, die wir anbieten“, berichtet der Landwirt.

„Wir arbeiten von Tag zu Tag, wir wissen nicht, was noch alles passiert“, meint er im Blick auf Corona und die unklare Situation mit den Erntehelfern. Wenn nicht alles geerntet werden könne, müsse man die Stangen eben durchwachsen lassen.

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Spargelernte wird dieses Jahr schwierig

„Laut dem Wetterbericht soll es zum Wochenende wärmer werden“, sagt Gabi Kammerer in Graben. „Dann kommt er vielleicht“, sagt sie. Den Spargel meint sie, von dem sie zurzeit noch keinen anbieten kann. Und dass es dieses Jahr schwierig sei mit der Ernte, fügt sie an.

Drei Hektar Spargelfelder bewirtschaftet sie mit ihrem Mann. „Normalerweise haben wir acht Erntehelfer, bisher sind zwei angekommen“, erklärt Gabi Kammerer. Nun hoffen Kammerers auf Helfer, die sich aus dem Ort angeboten haben.

„Wir haben keine eigenen Spargel mehr, die Felder haben wir abgegeben“, berichtet Timea Kammerer vom anderen Grabener Betrieb gleichen Namens. „Was wir im Hofladen verkaufen, beziehen wir von einem anderen Erzeuger in der Gemeinde.“ Sie rechnet damit, dass es noch etwa zehn bis 14 Tage dauern könnte, bis das königliche Gemüse richtig sprießt.

Spargel gibt es derzeit schon im Hofladen von Brigitte und Markus Leicht in Eggenstein-Leopoldshafen. Wenn es wärmer ist, wollen die Spargelerzeuger ihre weiteren Hofläden öffnen. Foto: Rake Hora

Familie Leicht bewirtschaftet 45 Hektar in Eggenstein

Beim Erdbeer- und Spargelhof in Eggenstein sind die Dimensionen üppiger: Markus Leicht und seine Frau Brigitte kultivieren etwa 45 Hektar Spargel. Etwa 80 Helfer stehen derzeit bereit: „Bis Ostern reicht die Anzahl der Helfer, wenn die Erdbeeren dazu kommen, brauchen wir viel mehr“, sagt Brigitte Leicht. „Die ersten Spargel haben wir vor gut einer Woche gestochen.“ Vergangenen Montag waren es 30 Kilo, die im Hofladen in Eggenstein verkauft wurden.

„Ab dem ersten April-Wochenende wollen wir unsere anderen Hofläden gleichfalls öffnen. Wenn es wärmer wird, nimmt die Menge zu.“ Zuerst müssten die bevorstehenden, noch kalten Nächte überstanden werden.

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Das Interesse am Spargel erscheint Brigitte Leicht dieses Jahr aber deutlich geringer zu liegen als sie es sonst kennt: „Die Leute haben ganz andere Sorgen“, sagt sie im Gespräch. Und die Kunden schauten nach anderem Gemüse, gerade auch solchem, das sich besser lagern lasse wie Karotten, Blumenkohl oder Brokkoli.