Gemeinsam auf dem Weg: Fritz Brechtel, Frank Mentrup, Uwe Lahl, Christoph Schnaudigel und Heike Wechs (sitzend von links) und Ascan Egerer und Alexander Pischon von VBK und AVG (stehend von links) | Foto: jodo

„Gruppe von Behörden“ gebildet

„Karlsruher Modell“ soll zukunftsfähig bleiben

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Am Service beim Öffentlichen Personennahverkehr wird ja viel herumgekrittelt. Aber zumindest die Fotografen können sich bei diesem Termin im Karlsruher Rathaus nicht beschweren: Erst werden die Verträge unterzeichnet, dann erklärt Oberbürgermeister Frank Mentrup, wozu sie gut sind: „Wir wollen das erfolgreiche ,Karlsruher Modell’ sichern und zukunftsfähig weiterentwickeln. Der heutige Vertragsabschluss stellt einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur von uns angestrebten Direktvergabe dar.“

Direktvergabe für das „Karlsruher Modell“

Mit auf den Weg machen sich Ministerialdirektor Uwe Lahl vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg, Landrat Christoph Schnaudigel vom Landkreis Karlsruhe, Landrat Fritz Brechtel vom Landkreis Germersheim, der zugleich den Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz-Süd (ZSPNV) vertritt, und Heilbronns Stadtkämmerin Heike Wechs. Sie unterschreiben ein Eckpunktepapier zur Bildung einer sogenannten „Gruppe von Behörden“, die Voraussetzung ist, um ab Dezember 2022 die Verkehrsleistungen direkt an die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) und die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) vergeben zu können. Beide erbringen gemeinsam seit 1992 das eng miteinander verzahnte ÖPNV-Angebot auf Bahn und Stadtbahn, eben das „Karlsruher Modell“, das ohne Umsteigen in die Innenstadt führt. Das EU-Recht lässt eine solche Direktvergabe ausdrücklich zu, betont Mentrup. Nur die AVG ist Inhaber von Zweisystemfahrzeugen.

Konform mit EU-Recht

„Das Land ist auch mit drin“, betont Uwe Lahl. „Uns ist wichtig, dass das ,Karlsruher Modell’ in der neuen Zeit des EU-Rechts überführt, weiterbetrieben und weiterentwickelt werden kann. Wir sind erstmals von der Wettbewerbsregel abgewichen. Das ist uns nicht einfach gefallen. Aber wir haben mit der Stadt, den Landkreisen und dem Zweckverband Rheinland-Pfalz einen Kompromiss gefunden.“
Damit die Stadt Karlsruhe das Nahverkehrsangebot im Stadtgebiet auch weiterhin durch die VBK und das „Karlsruher Modell“ sicherstellen kann, wird die Vertragslaufzeit für das Netz 7a, für die Verkehre am Oberrhein in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit der Direktvergabe bis mindestens 2035 festgelegt. Die langlaufenden Verbindungen ohne Innenstadtanbindung (Netz 7b) werden als klassische Eisenbahnverkehre in den Wettbewerb überführt und europaweit ausgeschrieben.

Simulationen zur Fahrpreisermittlung

Zur Festlegung der Fahrpreise werden sowohl die Stadt als auch das Land von Experten Wettbewerbssimulationen vornehmen lassen. Wenn dabei der gleiche Preis herauskommt, ist alles bestens. „Liegen die Preise auseinander, müssen wir darüber sprechen“, so Lahl.
„Wir werden uns von Seiten des Landkreises dem Gutachten des Landes anschließen“, sagt Landrat Schnaudigel. „Es ist wichtig, dass der Marktgedanken nicht vollkommen aus dem Auge verloren wird.“

Motor für die Wirtschaft

„Der Zweisystem-Stadtbahnverkehr ist ein starker Motor für die gute wirtschaftliche Entwicklung auf der rheinland-pfälzischen Rheinseite und ein bedeutender Standortfaktor für den Landort Germersheim“, sagt Fritz Brechtel. Auch Heilbronn ist ein wichtiger Knotenpunkt für mehrere Stadtbahnlinien.