Wer häufig starke Bauchkrämpfe oder über einen längeren Zeitraum Durchfall hat, sollte zum Arzt gehen. Denn es kann eine chronisch entzündliche Darmerkrankung dahinterstecken.
Wer häufig starke Bauchkrämpfe oder über einen längeren Zeitraum Durchfall hat, sollte zum Arzt gehen. Denn es kann eine chronisch entzündliche Darmerkrankung dahinterstecken. | Foto: dpa

Chronische Darmerkrankungen

Karlsruher Morbus-Crohn-Patienten verlieren durch Corona ihre sozialen Kontakte

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Belastende Situationen, Schicksalsschläge und besondere Vorsicht. Die BNN haben nachgefragt, wie Menschen mit chronisch-entzündlichen-Darmerkrankungen (CED) den Alltag mit dem Coronavirus meistern. Die Karlsruher Selbsthilfegruppe für Menschen mit CED hat mittlerweile ihre Treffen ins Netz verlegt.

Die Nachricht war für Elisa Koch „richtig heftig“. Koch heißt eigentlich anders, will aber ihren Namen nicht nennen. Ein Jahr lang plagte sie sich mit Schmerzen und Verdauungsschwierigkeiten herum, bis sie Ende des Jahres 2019 die Diagnose Morbus Crohn erhielt.

Morbus Crohn gehört zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), die noch nicht heilbar sind – die Krankheit verläuft in Schüben. „Erst war man krank, dann genesen und dann wieder gesund. Das funktioniert so nicht mehr. Ich muss mich damit abfinden, dass ich das bis zu meinem Lebensende habe“, sagt sie.

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Medikamente gegen Morbus Crohn zügeln Immunsystem

Die Situation ist für sie gleich doppelt belastend: Koch ist selbstständig und betreibt mit ihrem Mann einen kleinen Herbergsbetrieb im nördlichen Landkreis Karlsruhe. „Ich konnte mich wegen der Schmerzen nicht mehr auf den Beinen halten“, sagt sie. An manchen Tagen musste sie sich aufgrund der Krankheit zurückziehen. Im Moment gehe es ihr „relativ gut“.

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Koch ist mittlerweile medikamentös eingestellt worden. Dazu gehört auch ein Medikament, das ihr Immunsystem unterdrückt. „Es muss besser werden“, betont sie. Wenn sie ausfalle, hänge beruflich alles an ihrem Mann, der aber auch zu einer der Corona-Risikogruppen gehöre.

Corona-Situation ist für Patientin doppelt belastend

Koch setzt sich intensiv mit ihrer Krankheit auseinander, liest viel. „Pläne muss man ändern oder anpassen.“ Die Kombination aus einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung und der Gefahr vor dem Coronavirus macht ihr Angst. Vorerkrankt, ein grassierendes Virus und noch keine Impfung in Sicht.

Mein wöchentliches Highlight ist der Einkauf im Supermarkt.

Elisa Koch

Shopping, wie es andere Leute betreiben würden, sei ihr völlig fremd. „Mein wöchentliches Highlight ist der Einkauf im Supermarkt.“

Im Privaten sei alles noch irgendwie machbar, wenn sie allerdings demnächst den Betrieb wieder aufnimmt, „muss ich schauen, dass nicht nur die Menschen geschützt sind, sondern dass ich mich auch selbst schütze“, sagt sie.

Desinfektionsmittel und FFP-2-Masken stünden bereit, ein Einbahnstraßenkonzept hat sie sich auch schon überlegt. „Es hängt alles von der Gesundheit ab“, sagt sie abschließend.

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Arzt rät chronisch Kranken wegen Corona zu FFP-2-Masken

Falk Dillmann, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, in dessen Rintheimer Praxis auch einige Patienten aus dem nördlichen Landkreis behandelt werden, empfiehlt, dass vor allem vorerkrankte Menschen sich mindestens mit einer Maske mit FFP-2-Standard schützen sollten. Stoffmasken würden nur die eigene Menge an Tröpfchen, die man ausscheidet, zurückhalten.

Ist es okay, eine FFP-2-Maske länger zu tragen? „Sie vier Stunden zu tragen ist sicher in Ordnung.“ Jedoch würden die Masken undichter, je länger man sie trage.

Kaum soziale Kontakte für Erkrankte während Corona-Krise

Jasmin Lauser ist Büropraktikerin und hat Morbus Crohn. | Foto: pr

Mehrere Schicksalschläge musste Jasmin Lauser bereits verkraften – den letzten vor ein paar Wochen, als ihr Vater starb. Allerdings nicht aufgrund von Corona, wie sie betont. Lauser ist 45, lebt in Karlsruhe und hat mehrere Vorerkrankungen, darunter Morbus Crohn.

Ihren ursprünglichen Job als Konditorin musste sie wegen einer Mehlallergie aufgeben. Dann schulte sie zur Bürokauffrau um – während dieser Phase schlug dann der Crohn zu. Seit 1998 hat sie die Erkrankung, die sie auch schon ins Krankenhaus gebracht hat.

Zum Zeitpunkt des Gesprächs lag ihre Mutter, die sie aufgrund des Virus nicht besuchen durfte, bereits zwei Wochen im Krankenhaus.

Einmal um den Block gehen ist in Ordnung

Ihre sozialen Kontakte hält sie gerade über einen Online-Voice-Server, im normalen Leben meidet sie sie. Raus geht sie nur, wenn es absolut notwendig ist, oder wenn sie ihre tägliche Runde „einmal um den Block“ macht.

Beim Einkaufen hält sie mehr als eineinhalb Meter Abstand, trägt Maske, aber schwere Einkäufe erledigen ihr Bruder oder ihr Lebensgefährte. „Ich komme humorvoll durch mein Leben“, sagt die 45-Jährige dennoch.

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Karlsruher Selbsthilfegruppe verschiebt Treffen ins Netz

Hans Seemayer ist Vertrauensperson für Menschen mit Schwerbehinderung am KIT und einer der Moderatoren der Selbsthilfegruppe für Menschen mit CED. | Foto: KIT/Amadeus Bramsiepe

Ein Videotelefonat mit Hans Seemayer: Der 56-Jährige ist Vertrauensperson für Schwerbehinderte am KIT und eines der Gründungsmitglieder der Selbsthilfegruppe für Menschen mit Colitis ulcerosa und Morbus Crohn in Karlsruhe. Andere solcher Gruppen finden sich in Rastatt und auch in Bruchsal.

Die Gruppe, die sich unter normalen Umständen einmal im Monat im Luise-Riegger-Haus in Karlsruhe trifft, diskutiert wegen Corona mittlerweile über die App Mumble. Seemayer, der seit den Siebziger-Jahren an Morbus Crohn leidet, arbeitet seit Mitte März von Zuhause aus. „Einkaufen geht meine Frau“, sagt er.

Seemayer lebt auch sonst besonders vorsichtig, beispielsweise, wenn er zum Arzt muss und ihn ein Taxi dorthin bringt. Aus dem Corona-Alltag brechen er und seine Frau aus, wenn sie mit dem Auto an den Waldrand fahren und dann spazieren gehen.