Mit ihrer Unterschrift in einem Schreiben an das Landesamt für Geologie und Rohstoffe (Regierungspräsidium Freiburg) forderten die Demonstranten die Behörde auf, einer Weingartener Erdölbohrung keine Genehmigung zu erteilen. | Foto: Müller

Mehrere hundert Teilnehmer

Karlsruher Ortsgruppe der Fridays-for-Future demonstriert gegen Erdölbohrungen in Weingarten

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Erst ging es mit dem Fahrrad vom Karlsruher Kronenplatz zum Weingartener Bahnhof. Von dort zogen die Demonstranten durch den Ort in Richtung Kirche Sankt Michael: In Weingarten hat die Karlsruher Fridays-for-Future-Ortsgruppe ihre Stimme gegen Erdölbohrungen in der Gemeinde erhoben.

Von unserem Mitarbeiter Klaus Müller

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut.“ Dass sich die Parole oder der Kampfesruf der Fridays-For-Future-Bewegung in Karlsruhe bei etlichen Demos etabliert hat, sollte außer Frage stehen. Und nun hat der Ruf der Fridays-for-Future-Ortsgruppe Karlsruhe von der Fächerstadt aus unüberhörbar Einzug in den Landkreis gehalten.

Jugendliche wollen Aktionsradius ausweiten

So mancher Weingartener staunte am Freitagnachmittag nicht schlecht, als zahlreiche Demonstranten vom Bahnhof Richtung Kirche Sankt Michael durch die Ortschaft zogen. Von 250 Teilnehmern sprach die Polizei, von 350 der Veranstalter.

Keep it in the ground!

Die Forderung der Demonstranten

Viele Demonstranten, zumeist Schüler, später aber auch ältere Teilnehmer, fuhren mit dem Fahrrad vom Karlsruher Kronenplatz zum Bahnhof Weingarten, um sich sodann dem Demonstrationszug anzuschließen. Dabei skandierten sie nicht nur ihre bekannte Parole, sondern immer wieder ein lautstarkes „Keep it in the ground!“ – also ein „Lasst es in der Erde!“

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Gemeint ist damit Erdöl, das sich in einem Erdölfeld noch unbekannten Ausmaßes zwischen Weingarten und Untergrombach befinden soll. Dort nahm die Rhein Petroleum GmbH Probebohrungen vor – und stieß auf ein (altes) Ölvorkommen. Öl gefördert wird auf dem Areal noch nicht. Darüber entscheidet das Ergebnis eines Genehmigungsverfahrens. Das wiederum kann dauern. Gegen weitere Bohrungen, wie auch dagegen, überhaupt in Weingarten irgendwann Öl zu fördern, richtet sich der Fridays-for-Future-Protest.

Nee, hier in Weingarten nach Öl zu bohren, muss nicht sein.

Zwei Weingartener pflichteten den Demonstranten bei

„Wir sind in dieser Größenordnung zum ersten Mal im Landkreis unterwegs“, berichteten Paula und Lina von der Karlsruher Fridays-for-Future-Gruppe. Eine Aktion in Karlsruhe hätte wahrscheinlich nicht so viel gebracht. „Deswegen haben wir uns entschlossen, vor Ort zu gehen.“ Je nach Bedarf und Notwendigkeit können sich die Jugendlichen durchaus vorstellen, ihren Aktionsradius künftig auszuweiten.

Demo verläuft friedlich

So mancher Weingartener Beobachter solidarisierte sich mit den Demonstranten. „Nee, hier in Weingarten nach Öl zu bohren, muss nicht sein“, pflichteten zwei Zaungäste, die einfach mal sehen wollten, was da passiert, den Forderungen der Demonstranten bei.

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Die angemeldete Demo selbst verlief ohne Probleme und äußerst friedlich. Begleitet wurde der Zug von der Polizei, die vor allem für die Verkehrssicherheit sorgte. Bei der Kirche, dem eigentlichen Veranstaltungsort, gaben die Demonstranten ihren Forderungen noch einmal Gehör. Es sei angesichts des Klimawandels unverantwortlich, weiterhin „gespeicherten Kohlenstoff“ (nichts anderes als Erdöl) aus dem Boden zu holen – egal, ob weltweit oder in Weingarten, befand Pawel vor dem Eingangsportal der Kirche. Heftige Kritik, verbunden mit dem Vorwurf, sie würden „Klimaleugner“ mit viel Geld bezahlen, übte der junge Mann an den (Öl-)Konzernen.

Wir sind in dieser Größenordnung zum ersten Mal im Landkreis unterwegs.

Paula und Lina von der Karlsruher Fridays-for-Future-Gruppe

Ins Visier nahm Hanna, auch sie trat ans Mikrofon, Siemens, insbesondere das Engagement des Konzerns in Australien. Siemens beteiligt sich dort am Bau eines der weltweit umstrittensten Kohlebergwerke.
Schließlich forderten die Demonstranten mit ihrer Unterschrift in einem Schreiben an das Landesamt für Geologie und Rohstoffe (Regierungspräsidium Freiburg) die Behörde auf, einer Weingartener Erdölbohrung keine Genehmigung zu erteilen: „Keep it in the Ground!“

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