Das einzige Kreuz in einem Rathaus im Hardtgebiet hängt im Trauzimmer in Graben-Neudorf. | Foto: Hirschberger/dpa

Kruzifixe bei Dienstgebäuden

Nur in einem Trauzimmer hängt ein Kreuz

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Er hatte für heftige Diskussionen gesorgt, jetzt ist er amtlich: In dieser Woche wurde der Kreuz-Erlass im Bayerischen Gesetz- und Verordnungsblatt bekannt gemacht. In Paragraf 28 der Allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern heißt es jetzt: „Im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes ist als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns gut sichtbar ein Kreuz anzubringen.“

Söders Idee wird viel kritisiert

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte für seine Idee heftige Kritik einstecken müssen. Die BNN haben einmal in den hiesigen Rathäusern nachgefragt, wie dort mit Kreuzen umgegangen wird.

Völlig überflüssige Wahlkampf-PR-Aktion

Im Rathaus von Eggenstein-Leopoldshafen sucht man sie vergeblich. Bürgermeister Bernd Stober sagt: „Ich halte die Aktion von Herrn Söder für eine völlig überflüssige Wahlkampf-PR-Aktion. In einem Land, das die Religionsfreiheit im Grundgesetz garantiert, und in dem zurecht gefordert wird, dass religiöse Regeln die Grundrechte der Menschen nicht verletzen oder einschränken dürfen, hat diese Symbolik in öffentlichen Gebäuden nichts verloren.“ Derartige Forderungen förderten lediglich den Populismus, so Stober weiter. Ihm erscheine es sinnvoller, das Christentum dadurch zu fördern, dass man sich im täglichen Handeln mehr an christlichen Grundwerten wie Menschlichkeit und Nächstenliebe orientiert.

Für uns kein Thema

Dettenheims Bürgermeisterin Ute Göbelbecker fasst sich kürzer: „Als überwiegend evangelisch geprägte Gemeinde ist das für uns kein Thema“, sagt sie. Auch im Rathaus in Liedolsheim fehlt von Kreuzen und Kruzifixen jede Spur.

Wir orientieren uns an den Grundwerten unserer Republik

Ebenso wie in Walzbachtal. Bürgermeister Karl-Heinz Burgey findet deutliche Worte: „Ein Rathaus ist Teil der staatlichen Verwaltung; nach der im Grundgesetz vorgegebenen Trennung von Staat und Kirche sehen wir keine Veranlassung, ein Kreuz aufzuhängen. Wir orientieren uns bei unserer Arbeit an den Grundwerten unserer Republik, die alle im Grundgesetz verankert sind. Die vom bayrischen Ministerpräsidenten Söder angestoßene Diskussion ist unnötig wie ein Kropf. Natürlich haben unsere staatliche und gesellschaftliche Ordnung und unsere Grundwerte ihre Fundamente in der jahrhundertelangen Tradition im christlichen Glauben. Um das im täglichen Leben auch zu berücksichtigen, brauchen wir aber keine Kreuze als ,Aushängeschilder’ – wir legen ja auch nicht auf jedem Flur ein Grundgesetz aus. Das Kreuz steht auch für die Bibel und ihre Inhalte – in der Bibel steht aber auch nichts von ,Obergrenzen’ oder Abschiebungen.“ Ebenso ohne Kreuze sind die Wände im Pfinztaler Rathaus.

Kreuze nur an Standorten der DRK-Koffer

Linkenheim-Hochstettens Bürgermeister Michael Möslang nimmt die Sache mit ein wenig Humor. Er sagt: „Wir haben Kreuze im Rathaus. Diese sind gesetzlich vorgeschrieben und markieren den Standort des Erste-Hilfe-Koffers.“ Ansonsten seien die Rathauswände gefüllt mit Bildern, Kacheln und Urkunden aus und über die Gemeindegeschichte. Er persönlich finde das gut so. Ein Kreuz sei kein weltliches Symbol. Wo es als solches in der Geschichte verwendet wurde, habe es primär der Abgrenzung und Abschottung gedient. Schöne Traditionen oder Kulturgut zu pflegen, sei wichtig. In einem badischen Rathaus aus dem 20. Jahrhundert seien Kreuze aber weder aus Tradition noch als Kulturgut begründbar.

Politische Instrumentalisierung befremdlich

Das tatsächlich einzige Kreuz in einem Rathaus in den acht Hardtkommunen hängt im Trauzimmer der Gemeinde Graben-Neudorf. Dort hänge es seit der Eröffnung des Verwaltungsgebäudes, lässt Bürgermeister Christian Eheim wissen. Bisher habe sich niemand darüber beschwert. Eheim sagt aber auch: „Die von Herrn Söder betriebene politische Instrumentalisierung des Kreuzes befremdet mich als Christ zutiefst. Wer das Kreuz nur als kulturelles Symbol versteht, der wertet es ab. Eine christliche Haltung muss sich im Gewissen und im Handeln zeigen, nicht am verordneten Kreuz in jeder Amtsstube.“

Neutral und tolerant

Die Stadtverwaltung in Stutensee teilt mit, dass vonseiten der Stadt zwar keine einheitliche Regelung bestehe, aus Gründen der Neutralität und im Sinne einer gegenseitigen Toleranz, Akzeptanz sowie eines positiven Miteinanders aber grundsätzlich davon abgesehen werde, religiöse Symbolik in öffentlichen Gebäuden anzubringen.