DIE GARTENKINDERGRUPPE der Kita Moby Dick mit (von links) Leiterin Sabine Gemmel-Krauß, Erzieher-Azubine Tamara Käser und Bauhofleiter Bernd Scholer an einer Projektfläche mit Bildern und vielen Bienen – echten und gestrickten. | Foto: Arnd Waidelich

Naturschutzprojekt für Bienen

Kindgerechte Geschichte um eine bedrohte Wildbiene in Walzbachtal

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Die Biene heißt Martina. Nein, nicht Maja, die gehört in eine andere Geschichte. Martina ist eine vom Aussterben bedrohte Wildbiene, die beim Bauhof in Wössingen lebt. Sie möchte aber gerne zu den Kindern in die Kita Moby Dick. Die haben dort nämlich einen Garten mit vielen Pflanzen, Gehölzen und blühenden Stauden angelegt.

Schwierige Reise

Doch wie kommt die kleine Biene, eine Wildbiene,  der sehr seltenen Art „Schöterich Mauerbiene“ dorthin? Sie kann nur wenige hundert Meter fliegen und braucht dann wieder Nahrung. Na klar, sagen die Kita-Kinder, die dort eine eigene Gartenkindergruppe eingerichtet haben, dann säen wir auf dem Weg vom Bauhof zur Kita Blütensamen aus.

Blühflächen als Trittsteine

Das ist – kurz gefasst – die Idee, mit der sich Walzbachtal unter Federführung von Bauhofleiter Bernd Scholer, Kita-Leiterin Sabine Gemmel-Krauß und Erzieherin Sarah Wilhelm um die Teilnahme am Projekt „Natur nah dran“ beim Nabu beworben hat. Und die Zusage bekam. „Die Kinder haben ihre Freude daran, beim Pflanzen und Säen Hand anzulegen, die ,Trittsteine für die Wildbiene Martina’ in Form von Blühflächen herzustellen, oder gerade jetzt die Bienen zu beobachten, die in den blühenden Feldern von roten Blüten zu blauen fliegen“, erzählt Sabine Gemmel-Krauß, deren Begeisterung für das kindgerecht ausgerichtete Projekt ganz offensichtlich ist.

Sofort begeistert

Als Scholer sie wegen der Projektidee ansprach, war sie sofort Feuer und Flamme: „Wir haben zusammen einen Comic entwickelt und dann zeichnen lassen und die Geschichte ausgetüftelt“, sagt Scholer. Die dreieinhalb- bis fünfjährigen Kinder haben ein Projektbuch angelegt, etwa zum Pflanztag im Juli oder zur Herstellung von Samenbomben, und im Kindergarten Moby Dick wurde ein eigenes Zimmer dafür eingerichtet, in dem die Entwicklungsschritte dokumentiert sind: „Für die Kindergartenkinder, für deren Eltern und Familien sowie für alle, die sich dafür interessieren“, so Gemmel-Krauß.

Pflege und weitere Bepflanzung

Zum einen hätten die Kinder viel dabei gelernt – zum Beispiel über die  Wildbiene –, zum anderen solle das Projekt ja nachhaltig in die Familien hineinwirken. Auf den verschiedenen Projektflächen steht noch diesen Monat Pflege an. Dann sollen unnötige Unkräuter zwischen den nützlichen gejätet werden. Und es werden Zwiebeln gesteckt, aus denen im Frühjahr neue Arten wachsen.

Ein klarer Synergieeffekt.

Der Pflegeaufwand verringert sich, der Nutzen wächst – und zwar deutlich: „Ein klarer Synergieeffekt“, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Burgey. Und das zu überschaubaren Kosten: „Etwa 12 000 Euro haben wir dafür aufgewendet.“ Auch jede Menge Herzblut und Liebe durch alle diejenigen, die am Projekt beteiligt sind.

Unbezahlbarer Idealismus der Projektspitzen

Wobei der Bürgermeister den „unbezahlbaren Idealismus von Sabine Gemmel-Krauß und Bernd Scholer“ besonders lobt. „Wir haben in den vergangenen Jahren vieles ausprobiert, um unsere Orte schöner zu machen“, sagt Burgey. Dabei habe sich gezeigt, dass der lange gepflegte übliche Wechselflor nach den Jahreszeiten nicht sinnvoll sei.

Nachhaltig

Das Projekt „Natur nah dran“ sei dagegen nachhaltig, weil es innerorts Lebensräume schaffe. Und weil es die Kinder mitnehme und ihnen Freude und sorgsamer Umgang mit der Natur vermittelt werde. Und: „Über die Kinder erreichen wir die Eltern und Großeltern“, sagt Burgey.

Auch Stutensee ist dabei

Im vergangenen Jahr ist Stutensee in das Projekt „Natur nah dran“ gestartet. Die Stadt habe sich um die Teilnahme beworben, weil diese Idee gut ins Stutenseer Profil passe, sagt der Umweltbeauftragte Reiner Dick im Rathaus in Blankenloch: „Wir haben im Feldgelände zusammen mit der Flurbereinigung einiges für die Biotopvernetzung getan. Das lässt sich mit Blühflächen innerorts fortsetzen, zum Nutzen für Insekten und für weniger Pflegeaufwand.“

Fachplanerische Anleitung

Verschiedene Flächen wurden unter fachplanerischer Anleitung unterschiedlich umgestaltet, berichtet Dick: etwa am Park- und Ride-Platz an der Stadtbahn-Haltestelle Nord in Blankenloch. Dort wurden mehrere Streifen in der Wiese wiederholt gefräst und dann mit einer bunten Wiesenmischung besät.

Beet wird zu Kräutergarten

Am Rathausgässle wurde das ehemalige Blumenbeet in einen Trockensaum mit Stauden und einen Kräutergarten umgestaltet. Weitere Flächen wie am Tolnaplatz in Blankenloch, bei der Straßenbahnhaltestelle in Büchig und beim Friedhof in Büchig wurden ebenfalls frisch gemacht.

Zweispaltige Reaktionen

Das Projekt komme zwiespältig an, das Thema sei emotional belegt, meint Dick: Man brauche Geduld, weil die Flächen zeitweise nicht besonders ansehnlich seien. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Blüten kämen. Rund 20 000 Euro wurden für das Projekt laut Dick aufgewendet, rund die Hälfte musste die Stadt selbst tragen.

Fortsetzung in den anderen Stadtteilen

Nun sollen die nördlichen Stadtteile ihre Natur-Projekt-Flächen bekommen. In Staffort sei am Wehrgraben schon begonnen worden.