Startklar nach dem Corona-Alptraum: Reisebusunternehmer Gerd Kasper in einem seiner Fernreisebusse. Der Unternehmer aus Dettenheim beschäftigt 18 Fahrer. Über die Corona-bedingte Zwangspause kam das seit 1955 bestehende Busunternehmen vor allem dank des Linienbetriebs einigermaßen hinweg.
Startklar nach dem Corona-Alptraum: Reisebusunternehmer Gerd Kasper in einem seiner Fernreisebusse. Der Unternehmer aus Dettenheim beschäftigt 18 Fahrer. Über die Corona-bedingte Zwangspause kam das seit 1955 bestehende Busunternehmen vor allem dank des Linienbetriebs einigermaßen hinweg. | Foto: Rake Hora

Ziele in Europa sind beliebt

Komfortabel und abwechslungsreich: Menschen aus der Region freuen sich wieder auf Busreisen

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Nach langer Corona-Pause beginnen Reiseverkehre und Busunternehmen allmählich wieder, Touren anzubieten. Viele Menschen freuen sich schon darauf, wieder mit dem Bus unterwegs zu sein. Urlaubsreisen mit dem Bus sind vor allem bei Menschen jenseits der 50 beliebt. Sie sind bequem und gut organisiert.

Die Reisebranche war lange ausgebremst. Das Virus hatte keinen Raum für Urlaub und Touren gelassen. Nach den Lockerungen erwachen die Reiseunternehmen langsam aus der zwangsverordneten Starre, und mancher Reisefreund und manche Reisefreundin hoffen darauf, bald wieder unterwegs zu sein – gerne mit dem Bus, der viel Bequemlichkeit verheißt.

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Per Bus ans Nordkapp

Die Tour nach Andalusien ist ausgefallen. Corona sei’s geklagt. Helga und Klaus Schnurr hoffen darauf, ihre geplante Fahrt mit dem Bus nachholen zu können. Jetzt soll es ja wieder möglich sein, so langsam. Das Ehepaar aus Neudorf, beide im Ruhestand, verreist gerne mit dem Bus, gerne europaweit.

Wohl 30 Fahrten seien es gewesen seit 2007, schätzen die beiden. „Die weiteste Reise per Bus hat uns ans Nordkap geführt, 7.800 Kilometer“, berichtet Klaus Schnurr. Island und die Faroer-Inseln waren bei dieser Großtour mit Bus und Schiff dabei: „Die Busfahrer haben mittags ein Menü gezaubert“, erinnert sich Klaus Schnurr freudig. Eines Winters führte sogar eine Reise mit dem Bus nach Italien.

Traumhafte Reisen: Helga und Klaus Schnurr aus Neudorf erinnern sich noch gern an ihre Bustour zum Jahreswechsel 2011/12 nach Italien. 
Traumhafte Reisen: Helga und Klaus Schnurr aus Neudorf erinnern sich noch gern an ihre Bustour zum Jahreswechsel 2011/12 nach Italien. | Foto: privat

Fahrradtouren, die über Reisen mit dem Bus angeboten werden, lieben die beiden Weltenbummler ebenfalls: „Man kann auch ohne Partner eine solche Tour buchen, man ist in Gesellschaft. Ich hatte Zeit für eine Radtour in der Toskana, während mein Mann arbeiten musste“, erzählt Helga Schnurr.

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Der Urlaub beginnt am Busbahnhof

„Der Urlaub beginnt am Busbahnhof“, sagt Helga Schnurr. Will heißen, jede Fahrt sei gut organisiert, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme. Man könne sehr bequem Ziele erreichen, die man sich vorgenommen habe, ohne selber lange Strecken hinter dem Steuer sitzen zu müssen, fügt ihr Mann Klaus Schnurr bei.

Aber: „Man muss das wollen.“ Und: „Wir würden immer wieder mit dem Bus verreisen. Wir sind noch nie enttäuscht worden“, versichern beide unisono. Das nächste Ziel steht schon fest, eben Südspanien, Andalusien.

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Jedes Jahr eine Busreise steht für Wilma und Peter Dölker auf dem Plan. Die beiden Ruheständler in Rußheim sind traurig, dass die geplante Tour nach Südtirol Corona zum Opfer gefallen ist. Sie sind seit etwa zehn Jahren bevorzugt in Europa per Bus unterwegs: „Unsere weiteste Tour hat uns nach Schottland geführt“, berichtet Wilma Dölker. „Das war ein sehr schönes Erlebnis.“ Beeindruckt hätten ihn Hirsche, die sie in nächster Nähe auf einer Wanderung begleitet haben, erzählt Peter Dölker.

Bei einer Busfahrt sieht man mehr

„Mich kriegt niemand in einen Flieger“, stellt Wilma Dölker klar. Für beide ist der Bus das Verkehrsmittel. Aus einem Flugzeug hätte man nicht die drei Bären in kurzer Entfernung beobachten können, wie in Kroatien.

Traumhafte Ziele: Das Rußheimer Ehepaar Dölker hat viele Erinnerungsfotos von seinen Touren, beispielsweise von der Tour nach Kroatien.
Traumhafte Ziele: Das Rußheimer Ehepaar Dölker hat viele Erinnerungsfotos von seinen Touren, beispielsweise von der Tour nach Kroatien. | Foto: privat

Solche Touren sind bei jüngeren Reisenden eher nicht gefragt, oder? „30-Jährige habe ich bei unseren Fahrten noch nicht erlebt“, sagt Wilma Dölker und räumt ein, dass aus ihrer Sicht viele, die 50 schon gut überschritten hätten.

Ist denn die Fahrerei im Bus mit langem Sitzen nicht anstrengend? Die beiden Senioren winken ab. Nein, es sei bequem, abwechslungsreich, man sehe unterwegs viel. Außerdem machten die Fahrer regelmäßige Pausen, bei denen man sich die Beine vertreten könne. Die Hoffnung, die geplatzte Reise noch dieses Jahr nachholen zu können, haben sie noch nicht aufgegeben.

Busunternnehmen aus Graben-Neudorf hat Reiseverkehr eingestellt

Unterdessen steht Bus an Bus auf dem Areal des Dettenheimer Reiseverkehrsunternehmens Kasper. „Es dauert noch, bis es mit dem Reiseverkehr anläuft“, sagt Unternehmer Gerd Kasper. Sein Großvater hat den Betrieb 1955 gegründet, erst sein Vater, dann er selbst führten und führen das Geschäft weiter.

Wie zahllose andere Firmen hatte das Busunternehmen in Liedolsheim Corona-bedingt weniger zu tun als sonst: „Der Linienbetrieb hat uns einigermaßen aufrechterhalten“, sagt Kasper. Zwölf Linienbusse für Pendlerverkehr im Raum Ettlingen und zwischen Bruchsal und Waghäusel zu den Arbeitsstellen, normalerweise auch Schülerverkehr, machen die Hälfte des Betriebs aus.

Reisen – zu einem guten Teil Urlaubsfahrten im Auftrag verschiedener Reiseanbieter – wie von Firmen, Vereinen oder Schulen gecharterte Ausflüge, Theaterfahrten und anderes, tragen die andere Hälfte bei.

Corona habe den Umsatz seit März um etwa 50 Prozent verringert, sagt der Unternehmer, der 20 Mitarbeiter, davon 18 Fahrer, beschäftigt. Er sei froh, dass er niemanden habe entlassen müssen. Das liege auch daran, dass der Betrieb ein Familienunternehmen sei. Für das stehe die nächste Generation („Wir haben zwei Töchter“, erzählt Gerd Kasper) durchaus schon bereit.  

„Wir haben keinen Reiseverkehr mehr“, sagt Nadine Landkammer vom gleichnamigen Busunternehmen in Graben-Neudorf. Aber 15 Linienbusse, die im Bruchsaler Raum Pendler und Schüler befördern. Das laufe relativ normal, zumal der Schülerverkehr wieder dabei sei.