Wandern liegt im Trend, der Schwarzwaldverein aber schafft es nicht, davon zu profitieren. Auch die Ortsgruppen in der Region kämpfen mit dem Mitgliederschwund, gegen den jetzt etwas getan werden soll.
Wandern liegt im Trend, der Schwarzwaldverein aber schafft es nicht, davon zu profitieren. Auch die Ortsgruppen in der Region kämpfen mit dem Mitgliederschwund, gegen den jetzt etwas getan werden soll. | Foto: Haid/dpa

Scheu vor Ehrenamt in Region

Konkurrenz und falsche Außenwirkung: Schwarzwaldvereine in der Region kämpfen gegen Schwund

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Um möglichst viele Menschen für eine aktive Freizeitgestaltung in der Natur zu begeistern, hat der Schwarzwaldverein Waldbronn bereits vor einigen Jahren eine Skiabteilung und eine Klettergruppe aus der Taufe gehoben. „Damit kriegen wir einen besseren Draht zu jüngeren Leuten und Familien mit Kindern“, erklärt Vereinsvorsitzender Franz Linemann.

Von unserem Mitarbeiter Ekart Kinkel

Die Mitgliederzahl des Schwarzwaldvereins in Waldbronn liegt zwar seit einigen Jahren konstant über 620, so Linemann. „Aber das Durchschnittsalter steigt immer mehr an. Die Sorgen des Hauptvereins, der bei der Mitgliederversammlung in Baiersbronn wegen des rasanten Mitgliederschwunds eine Modernisierungsstrategie ausgerufen hatte, kann der Waldbronner Vorsitzende gut nachvollziehen. „Man muss immer wieder aktiv auf die Leute zugehen. Und was in zehn Jahren bei uns los ist, kann ich heute auch noch nicht sagen“, so Linemann.

Ortsvereine müssen Gesamtheit unterstützen

Die Beschlüsse der Mitgliederversammlung des Hauptvereins seien im Waldbronner Vorstand teils kontrovers diskutiert worden. Dass die Ortsvereine den Schwarzwaldverein in seiner Gesamtheit stärken müssten, daran lässt Linemann aber keinen Zweifel. „Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, kann das nicht gut gehen“, so Linemann. „Denn ohne das Markenzeichen Schwarzwaldverein würden die meisten Ortsgruppen nicht lange überleben“.

Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, kann das nicht gut gehen.

Eine etwas andere Meinung vertritt in diesem Punkt Hans Bollian, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Wettersbach. „Die Mitgliedsbeiträge sollten auf keinen Fall angehoben werden“, kritisiert Bollian den Vorstoß des Hauptvereins, dass Mitglieder der Ortsvereine durch eine mittelbare Mitgliedschaft auch zum Hauptverein zählen. „Sonst machen wir unser eigenes Ding und gründen einen Wanderverein“.

Die Jüngsten sind 50 bis 60

Allzu große Sorgen hat der Wettersbacher Ortsverein mit seinen derzeit 330 Mitgliedern nach Bollians Einschätzung derzeit ohnehin nicht. Allerdings ist das Durchschnittsalter auch bei den Wettersbacher Wanderfreunden kontinuierlich angestiegen, selbst die jüngeren Mitglieder sind schon zwischen 50 und 60 Jahre alt. „Eine Zeitlang hatten wir noch Familienwandern im Angebot, aber das ist dann leider weggebrochen“, betont Bollian. Und junge Leute für eine Mitgliedschaft im Schwarzwaldverein zu begeistern, werde künftig wohl nicht einfacher.

Andere Ortsvereine in der Region plagen schon derzeit große Sorgen. In Karlsbad konnte bei den letzten Wahlen nur mit viel Mühe und Überzeugungsarbeit ein schlagkräftiger Vorstand auf die Beine gestellt werden. „Die Leute können und wollen sich nicht mehr ehrenamtlich engagieren“, sagt Vorsitzender Steffen Cölln.

Scheu vor dem Ehrenamt kann Vereine auslöschen

Die mangelnde Bereitschaft für das ehrenamtliche Engagement kann sich bei Vereinen mit einer gewissen Altersstruktur geradezu als tödlich erweisen. Der Ortsverein in Weingarten löste sich Ende 2018 sogar auf, weil bei der Hauptversammlung von über 50 anwesenden Mitgliedern nicht genügend bereit waren, ein Amt zu übernehmen. In den vergangenen zehn Jahren haben es ihm in Baden und Württemberg 23 Ortsgruppen gleich getan. Zwischen 1992 und 2018 sank die Mitgliederzahl von 92 000 auf 60 000.

Wir brauchen dringend neue Angebote und mehr geführte Abenteuerwanderungen für Jugendliche.

Die Forderung des Hauptvereins nach einer radikalen Modernisierungskur kann Cölln deshalb ohne größere Einwände unterschreiben. „Wir brauchen dringend neue Angebote und mehr geführte Abenteuerwanderungen für Jugendliche“, so Cölln. Allerdings fehle es im Karlsbader Verein mit seinen 260 Mitgliedern bereits heute an qualifizierten Wanderführern. Außerdem sei die Konkurrenz der zahlreichen Wanderportale im Internet mittlerweile schlichtweg zu groß geworden.

„Wenn wir keine jüngeren Leute für den Schwarzwaldverein begeistern können, müssen wir uns über kurz oder lang auflösen“, sagt auch die Neureuter Ortsvereinsvorsitzende Ilona Quernhorst. Der überwiegende Teil der derzeit 270 Mitglieder sei nämlich schon über 70 Jahre alt und sämtliche Verjüngungsaktionen seien in den vergangenen Jahren recht wirkungslos verpufft.

Viele wandern lieber individuell

„Heute hat fast jeder Sportverein seine eigene Wanderabteilung“, nennt Quernhorst einen der Gründe für den Mitgliederschwund. Außerdem sei Wandern heute für viele ein individuelles Freizeitvergnügen. Nach Einschätzung von Elfriede Maria Dahlke, Vorsitzende der Karlsruher Ortsgruppe, muss der Schwarzwaldverein mehr Zeit und Geld in Marketing investieren.

„Die gute Arbeit muss besser kommuniziert werden“, sagt Dahlke. Mit einem Bestand von derzeit gut 600 Mitgliedern sei sie noch zufrieden. „Aber jüngere Leute schließen sich anderen Vereinen an“, so Dahlke.

In Ettlingen gab es eine Steigerung

Auch beim Schwarzwaldverein Malsch ist die Überalterung das größte Problem, von früheren Rekordzahlen mit 700 Mitgliedern ist die 260-köpfige Ortsgruppe meilenweit entfernt. Nach Einschätzung des Malscher Vorsitzenden, Heinrich Mertz, sollten die gesundheitlichen Vorteile des Wanderns in den Vordergrund gerückt werden. „Wer regelmäßig wandert, bleibt länger fit.“

Beim Schwarzwaldverein Ettlingen konnte die Mitgliederzahl in den vergangenen Jahren durch viele Gespräche um 100 auf aktuell 220 gesteigert werden. „Trotzdem finden wir keine Leute für die Arbeit im Vorstand“, sagt Vereinsvorsitzende Helga Grawe. Mit den Baiersbronner Beschlüssen zur Stärkung des Schwarzwaldvereins ist Grawe nur bedingt zufrieden. „Eigentlich muss man den ganzen Laden vom Kopf an auf die Füße stellen“, so Grawe. „Die Ortsgruppen sind schließlich das Herz des Schwarzwaldvereins“.