Einheimische Gruppen beleben an diesem Fastnachtsdienstag den Umzug in Eggenstein. Die Motorradfreunde Leopoldshafen (Bild links) bevorzugen klassische Musik, die von ihrem Wagen ertönt.
Einheimische Gruppen beleben an diesem Fastnachtsdienstag den Umzug in Eggenstein. Die Motorradfreunde Leopoldshafen (Bild links) bevorzugen klassische Musik, die von ihrem Wagen ertönt. | Foto: Nees

Korsakow statt lautem Bummbumm

Narren ziehen durch Eggenstein

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Die übliche Partymucke ist zu hören – wenn auch lautstärkemäßig dezimiert, ganz so wie es beim Eggensteiner Faschingsumzug nun Vorgabe ist. Dann jedoch werden ganz andere Töne zu Gehör gebracht, bei der Zugnummer „23“ ist Klassik angesagt, gerade zwitschert und flötet ganz wunderbar der „Hummelflug“ des russischen Komponisten Korsakow zum grauen Himmel empor, der seine Schleusen an diesem Dienstagnachmittag voll geöffnet hat.

Von Natalie Nees

„Willsch en Umzug ohne Gschroi, dann musch hin nach Eggstoi“, lautet die Devise der ideengegebenden Motorradfreunde Leopoldshafen (MFL). Mit Bezug auf die 99-Dezibel-Begrenzung der Musiknummern lautet das offizielle Motto am umwerfend ausgestatten MFL-Wagen „Mit Klassik statt Bumm Bumm ziehen wir in Eggstoi rum“.

„Gaischda“ und Hexen

Absolute Hingucker sind bei der 50. Straßenfasenacht in Eggenstein die zum Teil aufwändig ausgestatteten Wagen der Ortsvereine. Dazu kommen jede Menge Fußgruppen, „Gaischda“ und Hexen, „Eggstoiner Affe“ und „Narrekrabbe“ der örtlichen Kicker.

80 Polizeibeamte sorgen für Sicherheit

Knapp 1.000 Aktive schlängeln sich durch den abgesperrten Ortskern, und an 19 Zugangsstellen sind 43 Helfer am Ort und kontrollieren unter anderem, ob das Glasflaschenverbot eingehalten wird. 20 Security-Leute und rund 80 Polizeibeamte sorgen für Sicherheit. Alle Verantwortlichen wollen Randale und Tumult vermeiden.

Der Nachwuchs steht in den Startlöchern

Ein vielbeklatschter Hingucker ist zweifelsohne der Planwagen, der dem Zug mit Marschall Mario Schönleber vorsteht. Buchstäblich auf närrischen Wellen schaukeln prominente Zugpersönlichkeiten wie die Urgesteine Dieter Müllich, Werner Teuscher und Udo Ziser vorbei. Familiensache ist zudem die Traktorbesetzung: Der Schönleber-Nachwuchs Thilo und Verena mit Paula und Emil zeigt beeindruckend, dass der „Faschingsumzug Eggenstein“ schon weitere gefestigte Generationen vorzuweisen hat und man sich um die Zukunft nicht zu sorgen braucht. Der Umzug am Fastnachtsdienstag ist ein Spektakel der Extraklasse, befinden die überaus attraktiven Damen der Turngemeinde Eggenstein (TGE).

 

Die einheimischen Handballerinnen haben in den vergangenen Jahrzehnten schon einige Spitzenideen umgesetzt: Unter anderem waren sie zur Hallenbaderöffnung wendige Delfine, später appetitliche Torten, bestens gestimmte Klaviere und als Höhepunkt menschliche Heißluftballons. In diesem Jahr sind sie ganz aufwendig als schicke Bargläser verkleidet und frönen dem stimmungsmachenden Slogan „125 Jahre mein Verein, mit Cocktails stimmen wir uns ein“.

Der „Baumsäger“ bekommt sein Fett weg

„Ritsch, ratsch, rutsch – 24 Bääm und 15.000 Euro futsch“, beklagen die zehn Aktiven des örtlichen Gesangvereins „Frohsinn“ mit ihrem topaktuellen Thema. Sie beleuchten in ihrer Nummer den feigen Baumsäger, der Straßenbäume angesägt hat. Schön deshalb, dass es in dieser Sache mal etwas zum Grinsen gibt angesichts der Überwachungskameras, Polizeidarsteller und nicht zuletzt den menschlichen Baumgesellen.

„Klein – fein – friedlich“, will der närrische Traditionszug in Eggenstein daherkommen. Niemand vermisst die großen Krawallmacher-Wagen mit ohrenbetäubendem überdimensionierten Gewummere aus mannshohen Boxen. „Mit weniger Tumult haben wir auch die Anwohner an der Strecke wieder im Boot“, weiß Zugmarschall Mario Schönleber.

Kleingruppen sorgen für Unruhe
Das ausgeklügelte Konzept ist nicht aufgegangen, das die Organisatoren um Zugmarschall Mario Schönleber und die Gemeindeverwaltung ausgearbeitet haben. Mit mehr Kontrollen und schärferen Sicherheitsvorkehrungen wollte man Krawalle verhindern.
„Die Unruhestifter kamen nicht geballt wie im vorigen Jahr, sondern in vielen kleineren Gruppen“, sagt Klaus Heidemann, der Leiter des Polizeireviers Waldstadt. Die Störer seien in kleinen, dafür vielen Grüppchen mit etwa zehn bis 15 Personen aufgetreten, um am Rand des Fastnachtsumzugs „Stress“ zu machen. Dabei hätten sie die Gelegenheit genutzt, sich auf die Strecke zu drängen, als die Absperrungen weggeräumt werden mussten, um den Weg freizugeben. Abstände zwischen den Zuggruppen seien genutzt worden, um sich in den Zug einzubinden.
„Eine Gruppe von Umzugsteilnehmern wurde angegangen“, berichtet Heidemann. Unter dem Strich habe es mehrere Körperverletzungen gegeben, deren genaue Anzahl am Dienstagnachmittag noch nicht feststand. Die Polizei habe Platzverweise erteilt, um die Situation zu entschärfen. Nach dem Umzug wurden Personen, die nicht im Ort wohnen, mit der Auflage zur Straßenbahn geschickt, den Ort zu verlassen.