Die EU-Kommission möchte, dass mehr Leitungswasser getrunken wird. Gastronomen solle es kostenlos abgeben. Was sagen diese dazu? Umfrage im Hardtgebiet. | Foto: Rebel

Umfrage

Kostenloses Leitungswasser im Restaurant? Das denken die Wirte

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Wasser ist das wichtigste Lebensmittel. Wasser muss man unbedingt schützen. Und die EU-Kommission möchte, dass mehr Leitungswasser getrunken wird. Eine Absicht dabei ist, weniger Plastik zu verwenden. Und die EU-Kommission propagiert den kostenlosen Ausschank. Da stellen sich schon ein paar Fragen.

Ist in Europa überhaupt genügend Leitungswasser verfügbar? Und wie ist es mit der Qualität des Leitungswassers? Kann man es überall bedenkenlos trinken? Vor allem aber: Was hält die heimische Gastronomie von diesem Vorstoß? Eine punktuelle, nicht unbedingt repräsentative Umfrage.

Italienurlauber kennen das: Wer im Stiefelland einen Café oder einen Cappuccino bestellt, bekommt ein Gläschen Leitungswasser dazu. „Das ist heute nicht mehr und nicht überall der Fall“, berichtet Mario Tilocca. Der junge Mann, der gerade erst in Rom war, betreibt in Spöck ein Eiscafé. „Ich habe viele Bars besucht, aber in den wenigsten wurde Wasser zum Espresso gereicht.“ Er selbst schenkt Wasser aus der Leitung zum Kaffee aus, wenn der Gast danach fragt. „Grundsätzlich bin ich gegen ein solches Projekt. Gastronomen leben davon, dass sie verkaufen, natürlich auch Getränke. Außerdem bezahlen sie das Wasser, das sie kostenlos ausschenken sollen, selbst ja auch bei ihrer Gemeinde oder Stadt.“

Gäste fragen kaum nach Leitungswasser

„Wir diskutieren diese Idee im Freundeskreis. Dabei geht es ziemlich kontrovers zu“, erzählt Kristina Trautwein, Geschäftsführerin des Walkschen Hauses in Weingarten: „Es ist ja kein Geheimnis, dass in der Gastronomie über den Getränkeverkauf Geld verdient wird, deutlich mehr als mit dem Essen. Da ist es eigentlich kein Thema, kostenlos Wasser zu reichen.“ Aber die Gäste fragten auch nicht danach. Als sie gerade in Wien war, habe sie erlebt, dass zu Kaffee und Wein Leitungswasser auf den Tisch gestellt wurde.

Wir verdienen mit Mineralwasser und anderen Getränken unser Geld

Stephanie Radtke vom Goldenen Anker in Eggenstein

„Wir verdienen mit Mineralwasser und anderen Getränken unser Geld“, sagt Stephanie Radtke vom Goldenen Anker in Eggenstein. Kostenlos Leitungswasser an die Gäste abzugeben, lehnt sie ab. Man könnte ja darüber nachdenken, ob Gemeinden und Städte öffentliche Zapfstellen für Trinkwasser einrichten wollten, das dann kostenfrei bezogen werden könnte. Freilich, meint Stephanie Radtke, bringe sie einem Gast – hin und wieder und auf Nachfrage – zu einem anderen Getränk auch Leitungswasser. Aber das sei die Ausnahme. „Über Sommer wurde zweimal Leitungswasser verlangt.“ Wenn die kostenlose Abgabe von Wasser generell eingeführt würde, müsste dafür eine Servicepauschale erhoben werden.

Wasser für die Medikamente sind „okay“ – alles andere lieber nicht

„Diesem Vorhaben stimme ich nicht zu“, meint Giovanni Cuffaro, der in Linkenheim das Ristorante La Piazza führt. „Wir haben auf Wunsch stilles Wasser auf der Karte“, sagt er. Wenn jemand ein Glas Wasser verlange, um seine Medikamente zu nehmen, sei das etwas anderes: „Das ist okay, der Gast bekommt natürlich sein Wasser“, sagt Cuffaro. Bislang werde Leitungswasser nicht bestellt. Wenn das aber eingeführt würde, müsste der Service auch bezahlt werden. Schließlich arbeiteten Gastronomen, um Geld zu verdienen, und auch der Service müsse schließlich bezahlt werden.

„Wenn jemand nach einem Glas Wasser fragt, bekommt er das natürlich“, meint Silke Becker vom Gasthaus zum Laub in Berghausen. Wenn etwa ein Gast zu seinem Wein reines Leitungswasser haben möchte, sei das kein Problem. Wenig Begeisterung brächte sie allerdings auf, wenn ein ganzer Tisch voller Gäste ausschließlich Leitungswasser mit Eiswürfeln haben wollte: „Das kann ich nicht kostenlos abgeben, da steckt ja Arbeit drin.“ Angeboten wird Leitungswasser im Laub nicht. Aber „wenn es allgemein gewünscht würde, dann muss man dafür schon Geld verlangen“, sagt Silke Becker.